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Lohnen sich Videotheken noch? : Große Auswahl wider der Bequemlichkeit

  • -Aktualisiert am

Muss abspecken: Die Video City zieht um und hat bald weniger Platz. Bild: Cornelia Sick

Es gibt sie noch: Menschen, die in eine Videothek gehen, um sich Filme auszuleihen. Das Angebot wird aber immer dünner, auch in Frankfurt.

          Noch eine Woche können Cineasten in der Video City aus dem Vollen schöpfen. Können entlang vieler Meter Regale den Blick schweifen lassen, etwa über Filme von Fellini und Truffaut und solchen Werken, die das aktuelle Kino an Gutem hervorbringt. Vielleicht bleibt der Blick an David Lynchs Kurzserie Dumbland hängen, vertieft sich in die Berlinale-Filme der vergangenen Saison oder erfreut sich an Krimis aus den fünfziger Jahren, in denen Hardy Krüger die Hauptrolle spielte.

          Rund 60.000 Filmtitel hält die Video City vorrätig, so schätzt Peter Glanz, Geschäftsführer der für ihr gutsortiertes Filmarchiv bekannten Videothek am Sandweg. Auf einer 330 Quadratmeter großen Fläche sind DVDs, Blue-rays und die guten alten VHS-Kassetten - mit Filmen, die es auf die moderne Platte nicht geschafft haben - in den Regalen aufgereiht; eingeteilt nach Regisseuren, Genres und Ländern.

          Konkurrenz im Internet

          Nun brechen neue Zeiten an. Die Videothek zieht am nächsten Wochenende um in deutlich kleinere Räume an der Freiligrathstraße 28/Ecke Wittelsbacher Allee. Es geht nicht anders. Der Mietvertrag läuft aus. Glanz, der die Videothek von Bernd Puschmann übernommen hat, zieht die Reißleine. Mit dem Verleih von Filmen macht er nicht mehr den Umsatz, den er für die Miete der großen Fläche bräuchte. Um rund zehn Prozent sind die Einnahmen der Video City allein im vergangenen Jahr zurückgegangen, sagt Glanz.

          Filme werden heute im Internet gestreamt oder heruntergeladen. Das bekommt die Branche bitter zu spüren. Ende 2012 gab es nach Angaben des Interessenverbandes des Video- und Medienfachhandels in Deutschland (IVD) landesweit 2027 Videotheken. Zwei Jahre später waren es noch 1479. Das entspricht einem Rückgang von rund 27 Prozent. Auch für das abgelaufene Jahr geht Jörg Weinrich, Geschäftsführender Vorstand des Verbandes, von einem weiteren Rückgang aus.

          In Frankfurt nur noch drei namhafte Videotheken

          In Hessen verblieben Ende 2014 noch 126 Videotheken, 2007 waren es rund 300. Nur wenige davon haben im Rhein-Main-Gebiet überlebt. Hier hatte allein die Kette Tomin zu Hochzeiten mehr als 21 Standorte. Davon sind heute gerade einmal vier übrig geblieben. Viele Filialen habe er aber wegen der hohen Mieten schließen müssen. „Der Umsatz war in Ordnung“, sagt Tomin-Chef Ulrich Born. In Frankfurt ist noch eine übrig, an der Eschersheimer Landstraße. Der Mietvertrag dort läuft laut Horn noch bis ins Jahr 2017. Gefragt nach Gerüchten, wonach auch diese Filiale vor dem Aus stehe, sagt Horn: „Einen offiziellen Schließungstermin gibt es nicht.“

          Mit Tomin, Video City und der Videothek Klein Hollywood in Höchst sind in Frankfurt gerade mal drei namhafte Vertreter der einst florierenden Branche übrig geblieben. Die Gründe liegen auf der Hand. Das Angebot der Online-Verleiher wird immer besser. Die Kunden seien bequem geworden. Sie zögen es vor, die Filme vom Sofa aus über das Netz herunterzuladen, stellt Glanz fest. Die gute Internetanbindung in Frankfurt, dem Standort des weltweit größten Netzknotens De-Cix, garantiert dafür beste Bedingungen. Anbieter wie Maxdome und Amazon Prime Video bieten für rund 8 Euro monatlich „unbegrenzten Film- und Seriengenuss“, wie es in der Werbung heißt. Die Pauschalen würden aber meist nur für ältere Filme gelten, die aktuelleren müssten häufig separat bezahlt werden, gibt Born zu bedenken. „Einige Kunden sind zu uns zurückgekehrt, weil sie mit der Auswahl und der Qualität der Filme im Netz nicht zufrieden waren“, sagt Glanz. Das bestätigt auch Lucija Smetanin, Filialleiterin der Videothek Klein Hollywood in Höchst.

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