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Veröffentlicht: 28.12.2012, 23:22 Uhr

Silvesterfeuerwerk Kampfmaschine oder Knallerbse?

Das Geschäft mit dem Silvesterfeuerwerk hat begonnen. Die Händler wollen die feierwilligen Kunden mit besonders explosiven Gemischen in die Läden locken.

© Röth, Frank Brennt länger: Dank einer neuen EU-Richtlinie bietet die „Fight Machine“ bis zu 40 Sekunden Lichtspektakel.

Die „Fight Machine“ wollte gestern Nachmittag niemand kaufen. Die Feuerwerkskörper blieben unangetastet neben „Horoskop Rockets“ und „Tres Fantastico“ im Rewe-Markt an der Zeil liegen. Dabei ist die „Kampfmaschine“ etwas Besonderes. Einerseits enthält sie 450 Gramm Schwarzpulver. So viel Sprengmaterial darf erst in einem Feuerwerkskörper verwendet werden, seit eine neue Richtlinie der Europäischen Union gilt. Außerdem gehört sie zum Systemfeuerwerk, dem derzeit letzten Schrei der deutschen Feuerwerksindustrie. Die Systemfeuerwerke sind kastenförmig, zum Abfeuern stellt man sie auf den Boden und zündet die Lunte an. Dann schießen nacheinander mehrere Raketen in die Luft. „Man hat das Vielfache eines Raketeneffekts und die Effektkomposition ist abgestimmt“, sagt ein Sprecher von Comet Feuerwerk, einem der größten Knallkörper-Produzenten hierzulande. Am Ende gebe es ein großes Finale.

Deshalb rechnet das Unternehmen damit, dass die Deutschen den größten Teil der schätzungsweise 115 Millionen Euro, die sie dieses Jahr für Feuerwerk ausgeben, für diese Art Knalleffekt aufwenden werden. Aber weil in den immer noch weit verbreiteten Kombipackungen „für den Vater Raketen, für die Mutter Fontänen und für die Kinder Wunderkerzen“ drin seien, würden die nie ganz aussterben. Der Umsatz sei konstant, sagt der Sprecher, obwohl er wegen des nassen Wetters „Bauchgrimmen“ hat. Regen ist nicht gut für das Geschäft mit dem Feuerwerk.

„Großes Kinder Peng“ für die Kleinen

Die Plaßmanns haben sich trotz der Familienfreundlichkeit nicht für eine Kombipackung entschieden. Aus dem Rewe-Sortiment, das allerlei Leucht- und Knallutensilien zu Preisen zwischen fünf und 40 Euro anbietet, haben sie sich für „Großes Kinder Peng“ entschieden. Ihre fünf Jahre alte Tochter Antonia freut sich darauf, die Knallerbsen am Montag auszuprobieren. „Knallerbsen und Wunderkerzen gehören zum Kleinstfeuerwerk, das über das ganze Jahr verkauft werden darf“, sagt Walter Kirchhof, Sprecher der Frankfurter Feuerwehr. „Kleinfeuerwerk“, wie Raketen und Böller, ist dagegen nur in den Tagen vor Silvester erhältlich. Es darf auch nur am Silvesterabend und - laut Sprengverordnung - nicht in der Nähe von Kitas, Krankenhäusern und Fachwerkhäusern gezündet werden.

Vergangenes Jahr musste die Feuerwehr in der Silvesternacht fast 200 Mal ausrücken. Dennoch sieht Kirchhof die Dinge gelassen. „Wir lassen das auf uns zukommen“, sagt er. Man versetze auch keine zusätzlichen Feuerwehrleute in Bereitschaft. Mit der Standardbesetzung von 100 Feuerwehrleuten werde man die Silvesternacht gut überstehen. Im Notfall können 28 freiwillige Feuerwehren einspringen. Auch die Polizei setzt keine zusätzlichen Beamten ein.

Am 3. Januar ist die Silvesternacht vergessen

Die Frankfurter Entsorgungs und Service GmbH (FES) hat hingegen deutlich mehr zu tun als sonst. In der Innenstadt liegen am Neujahrsmorgen etwa 20 Tonnen mehr Müll auf den Straßen als sonst. 40 Reinigungskräfte räumten bis 13 Uhr am ersten Januar das Gröbste weg, sagt ein FES-Sprecher. Der folgende „Feinschliff“ mache die Silvesternacht bis zum dritten Januar vergessen, jedenfalls was den Abfall angeht. Dennoch appelliert er: „Wer feiern kann, kann auch aufräumen.“ Gerade die Verbundfeuerwerke und Raketenstiele stören die FES-Mitarbeiter, weil sie sie mit der Hand aufsammeln müssen. An manchen Orten werden sie immerhin unterstützt. Am Neujahrsmorgen treffen sich Mitglieder der muslimischen Ahmadiyya-Gemeinde, um das Mainufer zu säubern.

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Frank: An Silvester Vernunft walten lassen

Hörschäden, Verbrennungen und Alkoholvergiftungen: Jedes Jahr endet die Silvesternacht für viele Feiernde im Krankenhaus. Deshalb appelliert Sicherheitsdezernent Markus Frank (CDU) an die Bürger, „Vernunft und gesunden Menschenverstand“ walten zu lassen. Man solle mit Böllern und Raketen besonnen umgehen und nicht zu viel Alkohol trinken. Frank sieht eine besondere Gefahr durch illegale Feuerwerkskörper. Sie zündeten oft zu früh oder hätten zu große Sprengkraft. Das könne zu Verletzungen führen. Um das zu vermeiden, hält er die Frankfurter an, nur Knallkörper mit dem Prüfzeichen der Bundesanstalt für Materialforschung und -prüfung zu kaufen. Auch sollten Eltern mit ihren Kindern vor der Feier zum Jahreswechsel über diese Themen sprechen. Das sei „wirkungsvolle Prävention“. Außerdem sollten Bürger zu Silvester ihre Balkone leer räumen, um Bränden durch verirrte Feuerwerkskörper vorzubeugen. Darauf machen auch Präventionsräte und Wohnungsbaugesellschaften aufmerksam. Auch die Stadt bemüht sich um Prävention. So wird etwa die Frankfurter Entsorgungs- und Service GmbH (FES) vor der Silvesternacht viele Mülltonnen leeren, um zu verhindern, dass diese in Brand geraten.

Quelle: F.A.Z.

 

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