Angesichts steigender Kosten für die Sicherheit in Fußballstadien will Innenminister Boris Rhein (CDU) die Vereine stärker in die Pflicht nehmen. Es könne nicht angehen, dass der Steuerzahler für die von gewalttätigen Fußballfans verursachten Schäden und für die Polizeieinsätze zahlen müsse, sagte er am Dienstag in Wiesbaden. In der Saison 2011/2012 seien dem Land Kosten von 6,7 Millionen Euro entstanden. Diese Summe beziehe sich allein auf den Personaleinsatz der Landespolizei. Mehr als ein Viertel dieser Kosten, rund zwei Millionen, seien bei Spielen von Eintracht Frankfurt angefallen.
Rhein appellierte außerdem an die Vereine, selbst stärker auf ihre problematischen Fangruppen einzuwirken. Natürlich könne man nicht jeden Ultra erreichen, sagte er. „Aber die Appeasementpolitik, die jahrelang geherrscht hat, muss ein Ende haben.“ Sollten die Vereine weiterhin so „schwergängig“ sein, müsse auch die Diskussion neu geführt werden, ob sich die Vereine künftig an den Kosten zu beteiligen hätten. In erster Linie sei der Veranstalter für die Sicherheit bei den Spielen verantwortlich. Die Polizei habe es schon schwer genug, bei sogenannten Risikospielen die Fangruppen auseinanderzuhalten, ohne selbst zum Ziel von Gewalttaten zu werden.
Ergebnisse des Sicherheitsgipfels abwarten
Rhein forderte zudem, das Abfackeln von Feuerwerkskörpern stärker zu ahnden. Auch das sei Aufgabe der Vereine. „Es ist einfach zu gefährlich, bis zu 1000 Grad heiße Fackeln in der Menge zu zünden.“ Sollten sich die Fans nicht an das „Bengalo-Verbot“ halten, müsse der jeweilige Verein härtere Repressalien erwägen. Denkbar sei etwa, einschlägig bekannten Fangruppen Privilegien wie spezielle Kartenkontingente zu verweigern.
Die Eintracht wollte sich am Dienstag zu den konkreten Forderungen nicht äußern. Man wolle zunächst die Ergebnisse des Sicherheitsgipfels in Berlin abwarten, teilte ein Sprecher mit. Der Verein hatte im Juli 2011 auf die ausufernde Gewalt reagiert und unter dem Namen „Katalog der Selbstverständlichkeiten“ eine Art Verhaltenskodex veröffentlicht, der aber innerhalb der gewalttätigen Fanszene so gut wie gar nicht beachtet wurde.
Nichts gegen Krombacher
Im März dieses Jahres verkündete die Eintracht schließlich eine neue Strategie. Um den gewalttätigen Fans Einhalt zu gebieten, kündigte der Verein an, der Deutschen Knochenmarkspenderdatei bis zum Saisonende 50.000 Euro zu spenden. Diese Summe würde sich jedoch reduzieren, sollten einzelne Fans strafrechtlich belangt werden - um das jeweils verhängte Strafmaß. Damit wollte der Verein eine „Selbstreinigung“ der Szene hervorrufen. Nach nur zwei Monaten jedoch hatte der für die Fanbetreuung zuständige Klaus Lötzbeier, der Vorstandsmitglied ist, eingestanden, dass auch dieser moralische Appell die Fans nicht erreicht habe. Er verkündete das Ende der Spendenaktion.
Die größte Chance, Gewalttäter zu erreichen, sieht Rhein darin, sie zivilrechtlich zu belangen. „Wenn ein Straftäter identifiziert wird und am Ende zahlen muss, dann schmerzt ihn das wohl am ehesten“, sagte er. Dazu müssten aber auch die Stadien besser ausgestattet sein. Zum Teil seien nur veraltete Videoüberwachungsanlagen vorhanden. „Da muss sich dringend etwas tun, damit die Täter gezielter festgestellt werden können.“
Rhein äußerte sich auch zur langwierigen Suche der Eintracht nach einem neuen Sponsor. Als auch für Sport zuständiger Minister sagte Rhein, er könne nicht verstehen, dass die Fraport AG als Trikotsponsor der Eintracht abgesprungen sei. „Das war vermutlich ein Fehler.“ Immerhin sei die Eintracht ein großer Sympathieträger in der Region. Damit, dass Krombacher neuer Sponsor werde, habe er generell kein Problem. „Wer aber mit Alkohol wirbt, der muss sich auch verpflichtet fühlen, Suchtprävention zu leisten.“