15.10.2004 · Tausende von Autofahrern haben in der Nacht zum Freitag auf den Autobahnen 3 und 66 bei Frankfurt im Stau gestanden, weil die Polizei Kontrollstellen eingerichtet hatte. Auf der A66 in Richtung Frankfurt ...
Tausende von Autofahrern haben in der Nacht zum Freitag auf den Autobahnen 3 und 66 bei Frankfurt im Stau gestanden, weil die Polizei Kontrollstellen eingerichtet hatte. Auf der A66 in Richtung Frankfurt wurde der Verkehr zwischen den Anschlußstellen Höchst und Eschborn von Mitternacht an von vier Spuren auf eine einzige geleitet. Bis um 6Uhr morgens kontrollierte die Polizei dort 192 Autos und 359 Insassen, es entstand ein gut ein Kilometer langer Stau. Auch auf der A3 zwischen dem Frankfurter Kreuz und Frankfurt-Süd in Richtung Würzburg brachten die Ordnungskräfte den Verkehr für Stunden zum Erliegen.
Ziel der nicht angekündigten Kontrollen war es, Verkehrssünder zur Rechenschaft zu ziehen und Straftäter zu fassen. Bei dem Einsatz auf der A66 wurden nach Angaben des Polizeipräsidiums in Wiesbaden bis zum Morgen acht Ermittlungsverfahren wegen Rauschgiftbesitzes eingeleitet, ein Mann sei festgenommen worden, weil er keine Aufenthaltsgenehmigung gehabt habe.
Die Kontrollen in Südhessen waren Teil der grenzüberschreitenden Aktion "Interregio", die von den Bundesländern Hessen, Rheinland-Pfalz, Baden-Württemberg und Saarland gemeinsam mit den Nachbarstaaten Frankreich, Belgien und Luxemburg organisiert wurde. Nach Auskunft des Landesinnenministeriums wurden bei zahlreichen Kontrollen auf hessischen Autobahnen und Bundesstraßen am Donnerstag und in der Nacht zum Freitag 60 Personen festgenommen, neun davon seien bereits zur Fahndung ausgeschrieben gewesen. Zudem hätten die Sicherheitskräfte 26 Verstöße gegen das Betäubungsmittelgesetz und rund 2500 gegen die Straßenverkehrsordnung geahndet. Insgesamt seien allein in Hessen fast 1000 Beamte im Einsatz gewesen.
Der hessische Innenminister Volker Bouffier (CDU) zeigte sich am Freitag zufrieden mit dem Ergebnis der Aktion. Es sei gelungen, die Verkehrssicherheit zu erhöhen und - über die Festnahmen hinaus - potentielle Straftäter und Verkehrssünder zu verunsichern. Die zunehmende grenzüberschreitende Kriminalität könne nur auf diese Weise wirksam bekämpft werden. Gerade Hessen biete als Transitland für den Personen- und Güterverkehr erfolgversprechende Eingriffsmöglichkeiten für die Polizei. Der Minister kündigte an, daß es daher in diesem Jahr noch eine weitere Großkontrolle auf den Hauptdurchgangsstrecken geben werde. Bei den Autofahrern, die wegen der Absperrungen im Stau gestanden hätten, warb der Minister um Verständnis. Ohne solche Aktionen könne nach der Öffnung der Grenzen in Europa die Sicherheit im Lande nicht erhöht werden.
Auf der A66 waren etwa 100 Polizisten sowie weitere 50 Mitarbeiter von Technischem Hilfswerk, Rotem Kreuz, Ausländeramt und Zoll an der Kontrollstelle tätig. Polizisten winkten verdächtige Fahrzeuge zur Seite, und während zwei Beamte die Insassen in Augenschein nahmen, sicherte ein dritter seine Kollegen aus einigem Abstand mit der Hand an der Waffe im Holster. Autofahrer, die unsicher wirkten oder nach Alkohol rochen, mußten neben ihrem Wagen zehn Sekunden auf einem Bein stehen oder mit geschlossenen Augen einen Finger zur Nase führen. Bei ernstem Alkoholverdacht wurden an Ort und Stelle Blutproben entnommen, bei Hinweisen auf Drogenkonsum waren Urinproben fällig. Spezialisten nahmen suspekte Autos intensiver in Augenschein und holten, wenn nötig, noch einen Rauschgiftspürhund zu Hilfe.
"Uns geht es hier vor allem um Alkohol und Drogen, aber auch um Verkehrsverstöße", sagte Helmuth Klinger, Pressesprecher des Polizeipräsidiums Wiesbaden. Immer wieder gingen den Beamten aber bei solchen überraschenden Großkontrollen auch Kriminelle ins Netz. Bei den Stichproben verließen sich die Polizisten vor allem auf ihr Fingerspitzengefühl. "Die Kollegen haben ein Gespür dafür, wer verdächtig ist." So wurden auf der A66 vor allem die Fahrer älterer und lädierter Autos sowie junge Leute in teuren Wagen gestoppt. Eine Mercedes-Limousine, besetzt mit fünf jungen Männern in Trainingsanzügen, unterzogen die Polizisten ebenso einer genaueren Kontrolle wie einen zerbeulten Kleinwagen mit einem langhaarigen, ganz in Schwarz gekleideten Fahrer und einen Sportwagen, gesteuert von einem Mann mittleren Alters im Muskelhemd und mit Goldkette um den Hals.
Die Autofahrer reagierten überwiegend gelassen darauf, daß sie bis zu einer Stunde im Stau stehen mußten. "Ich dachte schon, es wäre ein schwerer Unfall", sagte eine Frau, die ihre Fahrzeugpapiere vorlegen mußte. "Jetzt bin ich froh, daß es nur eine Kontrolle ist." (ler.)