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Serienmörder von Schwalbach : Die Hoffnung heißt Technik

  • -Aktualisiert am

Spurensicherung: Ein Kriminalbeamter untersucht in Schwalbach am Taunus das Tor zu einer Garage, in der Leichenteile entdeckt worden sind, nach Fingerabdrücken Bild: dpa

Ein Mann aus Schwalbach soll ein Serienmörder gewesen sein. Gelöst werden wird der Fall wohl im Labor.

          Die Aktenordner standen lange im Regal, mehr als 40 Jahre. „Gudrun Ebel“ stand auf dem einen, „Hanice Erülkeroglu“ auf dem anderen. Bis vor wenigen Tagen wussten selbst unter Polizisten nur wenige von diesen Ordnern und von den ungelösten Fällen, deren Geschichte in ihnen abgeheftet ist. Die Morde an den beiden Frauen waren in Vergessenheit geraten. Schaut man sich heute an, was ihnen widerfahren ist, wie außerordentlich grausam der Täter gehandelt hat, der sie quälte und umbrachte, dann fragt man sich, wie das geschehen konnte.

          Im Jahr 1971 wurden Ebel und Erülkeroglu getötet, der Täter wurde nie gefasst. Nun glaubt die Polizei, es sei Manfred Seel gewesen, ein verstorbener Mann aus Schwalbach, dem die Beamten inzwischen eine ganze Mordserie zurechnen. Mit dem Mord an Gudrun Ebel soll die Serie begonnen haben, vor 45 Jahren. Das ist aus Sicht von Ermittlern eine halbe Ewigkeit. Von Jahr zu Jahr wird es für sie schwieriger, einen Fall zu klären: vor allem, weil sich Zeugen nicht mehr erinnern können oder vielleicht auch sterben, bevor das Rätsel gelöst ist.

          Nur für einen sind lange Zeiträume kein Problem. Harald Schneider ist der Leiter des kriminaltechnischen Labors im hessischen Landeskriminalamt. Er sagt: „Es kommt nicht darauf an, wie alt ein Fall ist, sondern nur darauf, wie viele gut erhaltene Spuren es gibt.“

          19 Jahre nach der Tat

          Der Biologe ist Spezialist für ungeklärte Mordfälle. Eine ganze Reihe an Tötungsdelikten, die die Ermittler für unlösbar hielten, hat Schneider in den vergangenen Jahren aufgeklärt. Unter anderem hat er entscheidende Spuren gefunden, die 19 Jahre nach der Tat zu dem mutmaßlichen Mörder der Intendanten-Witwe Margarethe Buckwitz geführt haben. Auch geklärt hat Schneider den Mord an Beatrix „Trixie“ Scheible, die 1981 in der Nacht zum 12. Dezember nach einem Discobesuch in der Frankfurter Nordweststadt überfallen, vergewaltigt und erstochen worden war. Der Biologe kennt fast jedes Detail seiner Cold Cases, so sehr vertieft er sich in die ungeklärten Fälle. Er hat die Namen aller Opfer parat und weiß, auf welche grausame Weise sie den Tod gefunden haben. „Emotionen“, sagt Schneider, „kann man sich in diesem Beruf eigentlich nicht leisten. Aber ohne geht es auch nicht.“

          Seit Monaten liegen nun die Akten „Ebel“ und „Erülkeroglu“ auf seinem Tisch, ebenso wie die von anderen Frauen, die möglicherweise ebenfalls von Manfred Seel getötet worden sind. Die Ermittler der eigens gegründeten „AG Alaska“ sprechen von einer außergewöhnlichen Mordserie. Denn jedes Opfer wurde vor seinem Tod gequält und weist Verletzungen auf, die sich lesen wie die Handschrift eines sadistisch-sexuell orientierten Täters.

          So einer soll Manfred Seel gewesen sein, ein Familienvater aus Schwalbach am Taunus, der vor zwei Jahren an Speiseröhrenkrebs starb. In einer von Manfred Seel gemieteten Garage fand dessen Schwiegersohn nach Seels Tod zwei Fässer mit Leichenteilen. Wie sich herausstellte, stammten sie von Britta Diallo, die vor etwa zehn Jahren vom Frankfurter Straßenstrich verschwand.

          0,05 Quadratmillimeter große Blutspuren

          Die Ermittler selbst sagen, sie könnten ausgehend vom Fall Diallo bisher nur vermuten, dass es von den frühen siebziger Jahren bis in die jüngste Zeit hinein eine Mordserie mit mindestens sechs Opfern gegeben habe. Aber obgleich es nur Vermutungen sind, verdichten sich die Hinweise auf einen Zusammenhang zwischen den Taten immer mehr.

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