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Sektmacher Helmut Solter „Die süße Welle ist endgültig vorbei“

Helmut Solter gilt als der renommierteste Sektmacher im Rheingau. Er arbeitet schon im Weinberg auf die Sekterzeugung hin.

© Kretzer, Michael Vergrößern In seinem Element: Kellermeister Paul Will im Sekthaus Solter.

Helmut Solter hat einen Ruf zu verteidigen, und nach einem Vierteljahrhundert im Sektgeschäft hat er die Souveränität, auch einmal nein zu sagen. Wenn ihm ein Winzer einen Grundwein zur Versektung vorstellt, der einen Mangel an gesundem Lesegut womöglich durch hohes Mostgewicht zu kompensieren sucht, dann lehnt Solter das Geschäft schon einmal ab. Solter muss sich und anderen die Kunst der Sekterzeugung nicht mehr beweisen. Er ist im Rheingau der anerkannte Fachmann für die Veredlung sorgsam ausgewählter Weine zu hochwertigen Sekten.

Oliver Bock Folgen:

Die Liebe zum Schaumwein entdeckte Solter 1980 während eines Aufenthalts in Champagne. Nach dem Studium in Geisenheim leitete er das renommierte Eltviller Weingut Richter-Boltendahl. 1988 wagte er den Sprung in die Selbständigkeit und gründete in Rüdesheim das Sekthaus Solter. Ein guter Zeitpunkt, entdeckten damals doch viele Weingüter, dass ein hauseigener Sekt zwingend ins Sortiment gehört. Die Ära der Winzersekte begann, und weil die Technik eigentlich zu teuer für einen einzelnen Erzeuger ist, arbeiten bis heute fast alle Rheingauer Weingüter mit einem Sekthaus oder einer Kellerei als Dienstleisterin zusammen.

Besserer Sekt durch gezielte Erzeugung

Solter hat sich auf diesem Geschäftsfeld im Lauf der Jahre einen glänzenden Ruf erarbeitet. Viele große Namen im Rheingau wie Weil, Schloss Vollrads, Wegeler, Künstler oder Breuer lassen bei ihm ihre perlenden Spezialitäten herstellen. Insgesamt hat Solter fast 100 Weingüter als Kunden, davon 85 Prozent aus dem Rheingau. Doch ein Drittel der Produktion von jährlich rund 250 000 Flaschen entfallen nicht auf Kundenaufträge, sondern sind Eigenproduktionen von Solter, der selbst sechs Hektar Weinberge im unteren Rheingau besitzt.

Die von ihm im Auftrag hergestellten Winzersekte sind durchweg von guter Qualität, aber viele könnten noch besser sein, wenn die Winzer bei der Ernte weniger auf hohe Mostgewichte achteten als auf hundertprozentig gesundes Lesegut und einen Alkoholgehalt der Grundweine von maximal elf Prozent, gibt Solter zu. Die gezielte Erzeugung von Sektgrundweinen sei bei den meisten Kunden aber die Ausnahme. Meist werde erst nach der Ernte im Keller geprüft, welche Weine sich womöglich für Sekt eigneten.

Solter macht es den Winzern vor

Das ist nicht der beste Weg. Solter selbst macht es den Winzern vor. Er beginnt mit der Ernte meist 14 Tage früher als seine Kollegen und arbeitet schon im Weinberg auf die Sekterzeugung hin. Der Klimawandel, der seit 1988 durchweg recht hohe Mostgewichte begünstigt, macht diese Arbeit nicht eben leichter. Hinzu kommt ein Missverständnis vieler Sektfreunde und sogar vieler Winzer: Es sind gerade die schwächeren Weinjahrgänge, die sich hervorragend für Sekt eignen. Solter schwärmt vom Jahrgang 2008, der außerordentlich gute Schaumweine hervorgebracht habe, während für die Erzeugung hochwertiger Weine die Jahre 2007 und 2009 deutlich günstiger gewesen seien. Doch alkoholreiche Sekte mit mehr als 13 Volumenprozent seien „zu schwer, zu breit und die verderben die Trinkfreude“, meint Solter.

Solter setzt ganz auf die traditionelle Flaschengärung und will ausschließlich Sekte der Geschmacksrichtung brut und extra brut. Die Lagerung in der Flasche - und damit „auf der Hefe“ - hat besondere Bedeutung. Für seine eigenen Spitzensekte aus der Lage Rüdesheimer Berg Roseneck dauert sie mindestens 36 Monate. Erst dann wird die Hefe entfernt - das sogenannte Degorgieren -, und die Flasche wird verkorkt. Solter hat noch Sekte aus den Jahrgängen 1993, 1994 und 1998 im Angebot, die erst auf Anfrage degorgiert werden und so lange erstaunliche Mineralität und Frische behalten.

Export nach Skandinavien, Japan und Benelux

Rund 500 000 Flaschen reifen in Solters Keller langsam vor sich hin, mehr als 7000 werden täglich von Hand gerüttelt, weitere 4000 von speziell konstruierten Maschinen aus der Champagne. In der Vinothek in Rüdesheim bedient Solter seine Privatkunden, daneben setzt er vor allem auf Export nach Skandinavien und Benelux, aber auch in die Schweiz, nach Großbritannien, Japan und in die Vereinigten Staaten. Erfreulich findet Solter, dass bei den Freunden hochwertiger Sekte die „süße Welle“ offenbar endgültig verebbt sei. Der Trend gehe wieder zu „staubtrockenen“ Schaumweinen wie seinem Pinot-Noir-Sekt, der nur zwei Gramm Restzucker beinhalte, aber dennoch ein Verkaufsschlager sei.

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Quelle: F.A.Z.

 
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