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Sekthersteller im Rheingau Die wichtigsten Tage für Henkell und Mumm

 ·  333 Millionen Liter Sekt trinken die Deutschen im Jahr, besonders gern zu Silvester. Nicht selten kommen edle Tropfen aus dem Rheingau ins Glas. In den beiden größten Kellereien stehen Zäsuren an.

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Wenn Peter Claußen morgens in den Tageszeitungen die Werbeanzeigen der großen Lebensmittelhändler studiert, dann kommt nicht immer Freude auf. Zwar ist der Marketingdirektor von Rotkäppchen-Mumm dankbar für jede Werbeaktion, mit der ein Schaumwein von Deutschlands führendem Sekterzeuger offensiv beworben wird, doch die 2,66 Euro für eine Flasche Rotkäppchen, mit denen ein Discounter dieser Tage die Bürger in seine Läden lockte, sind Claußen entschieden zu wenig, auch wenn er sich hütet, die Preisgestaltung seiner wichtigen Kunden öffentlich zu kommentieren: „Darauf haben wir keinen Einfluss“.

Für Claußen zeigen solche Aktionen, wie wichtig die Wochen vor Weihnachten und Silvester für den Sektabsatz sind und welches Vertrauen der Handel nach wie vor in die Zugkraft von Sekt und der Marke Rotkäppchen-Mumm setzt. Die Strategie des Handels ist klar: Wer erst einmal den Laden betreten hat, und sei es zunächst nur für eine billige Flasche Sekt, der geht mit mehr als nur Schaumwein in der Einkaufstasche wieder nach Hause. Fast 50 Prozent des Sektabsatzes im Lebensmitteleinzelhandel erfolgt über preisaggressive Aktionen, auch wenn Claußen es lieber sähe, der Preis für Rotkäppchen läge näher beim Wunschwert von 3,99 Euro, um den Wert der Marke zu wahren.

Zum Jahreswechsel steht Henkell eine Zäsur an

Claußen residiert in Eltville im Sekthaus Matheus Müller („MM“), das zusammen mit Mumm vor zehn Jahren von Rotkäppchen erworben wurde. Mit 170 Millionen Flaschen Sekt und einem Marktanteil von fast 48 Prozent ist das Sekthaus seither der Primus in Deutschland. Ein Aufstieg, der 1993 begann und der maßgeblich Gunter Heise zu verdanken ist. Der Gesellschafter und Geschäftsführer der Rotkäppchen-Mumm Sektkellereien GmbH mit Sitz in Freyburg an der Unstrut, wechselt allerdings im Mai in den Beirat des Sekthauses.

Eine Zäsur, wie sie beim Wiesbadener Konkurrenten Henkell & Co. schon zum Jahreswechsel ansteht. Hans-Henning Wiegmann gibt sein Amt als Sprecher der Geschäftsführung auf und macht Platz für Andreas Brokemper. Zwar liegt Henkell mit seinen Marken in Deutschland klar hinter Rotkäppchen, aber wegen seiner starken Stellung im übrigen Europa ist Henkell mit 151 Millionen Flaschen ein ebenbürtiger Sektproduzent. Auch Henkell ist vom Wohlwollen des Handels abhängig. Bei seiner letzten Bilanzvorstellung als Geschäftsführer beklagte Wiegmann, dass es schon genüge, wenn ein einziger Discounter auf einige preisaggressive Aktionen verzichte, um den Absatz einer Marke ins Minus abgleiten zu lassen.

Billige Lockangebote bei den Herstellern unbeliebt

Weder Henkell noch Rotkäppchen mögen es, wenn ihre Sekte bisweilen gar unter Einkaufspreis als Lockangebote dienen, doch sind es genau diese Aktionen, die den Absatz hoch halten. Und der Durst der Deutschen auf Sekt ist unverändert groß. Das freut die Sektkellereien an Rhein und Main ebenso wie den Bundesfinanzminister. Im vergangenen Jahr wurden in Deutschland 333 Millionen Liter Schaumwein getrunken, berichtete das Statistische Bundesamt erst im November anlässlich der Internationalen Weinmesse in München. Das entspricht einer Menge von 445 Millionen handelsüblichen 0,75-Liter-Flaschen. Jeder Deutsche trank damit rechnerisch 47 Gläser (0,1 Liter) Schaumwein, zwei Gläser mehr als noch im Jahr 2009. Das zahlt sich auch für den Bund aus, denn der Staat nahm dank der 110 Jahre alten Schaumweinsteuer 454 Millionen Euro ein.

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