Home
http://www.faz.net/-gzg-75dzj
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, HOLGER STELTZNER

Sekthersteller im Rheingau Die wichtigsten Tage für Henkell und Mumm

333 Millionen Liter Sekt trinken die Deutschen im Jahr, besonders gern zu Silvester. Nicht selten kommen edle Tropfen aus dem Rheingau ins Glas. In den beiden größten Kellereien stehen Zäsuren an.

© Kretzer, Michael Vergrößern Es darf entkorkt werden: Zu Silvester sind die Schaumweine aus dem Rheingau besonders gefragt.

Wenn Peter Claußen morgens in den Tageszeitungen die Werbeanzeigen der großen Lebensmittelhändler studiert, dann kommt nicht immer Freude auf. Zwar ist der Marketingdirektor von Rotkäppchen-Mumm dankbar für jede Werbeaktion, mit der ein Schaumwein von Deutschlands führendem Sekterzeuger offensiv beworben wird, doch die 2,66 Euro für eine Flasche Rotkäppchen, mit denen ein Discounter dieser Tage die Bürger in seine Läden lockte, sind Claußen entschieden zu wenig, auch wenn er sich hütet, die Preisgestaltung seiner wichtigen Kunden öffentlich zu kommentieren: „Darauf haben wir keinen Einfluss“.

Oliver Bock Folgen:      

Für Claußen zeigen solche Aktionen, wie wichtig die Wochen vor Weihnachten und Silvester für den Sektabsatz sind und welches Vertrauen der Handel nach wie vor in die Zugkraft von Sekt und der Marke Rotkäppchen-Mumm setzt. Die Strategie des Handels ist klar: Wer erst einmal den Laden betreten hat, und sei es zunächst nur für eine billige Flasche Sekt, der geht mit mehr als nur Schaumwein in der Einkaufstasche wieder nach Hause. Fast 50 Prozent des Sektabsatzes im Lebensmitteleinzelhandel erfolgt über preisaggressive Aktionen, auch wenn Claußen es lieber sähe, der Preis für Rotkäppchen läge näher beim Wunschwert von 3,99 Euro, um den Wert der Marke zu wahren.

Zum Jahreswechsel steht Henkell eine Zäsur an

Claußen residiert in Eltville im Sekthaus Matheus Müller („MM“), das zusammen mit Mumm vor zehn Jahren von Rotkäppchen erworben wurde. Mit 170 Millionen Flaschen Sekt und einem Marktanteil von fast 48 Prozent ist das Sekthaus seither der Primus in Deutschland. Ein Aufstieg, der 1993 begann und der maßgeblich Gunter Heise zu verdanken ist. Der Gesellschafter und Geschäftsführer der Rotkäppchen-Mumm Sektkellereien GmbH mit Sitz in Freyburg an der Unstrut, wechselt allerdings im Mai in den Beirat des Sekthauses.

Eine Zäsur, wie sie beim Wiesbadener Konkurrenten Henkell & Co. schon zum Jahreswechsel ansteht. Hans-Henning Wiegmann gibt sein Amt als Sprecher der Geschäftsführung auf und macht Platz für Andreas Brokemper. Zwar liegt Henkell mit seinen Marken in Deutschland klar hinter Rotkäppchen, aber wegen seiner starken Stellung im übrigen Europa ist Henkell mit 151 Millionen Flaschen ein ebenbürtiger Sektproduzent. Auch Henkell ist vom Wohlwollen des Handels abhängig. Bei seiner letzten Bilanzvorstellung als Geschäftsführer beklagte Wiegmann, dass es schon genüge, wenn ein einziger Discounter auf einige preisaggressive Aktionen verzichte, um den Absatz einer Marke ins Minus abgleiten zu lassen.

Billige Lockangebote bei den Herstellern unbeliebt

Weder Henkell noch Rotkäppchen mögen es, wenn ihre Sekte bisweilen gar unter Einkaufspreis als Lockangebote dienen, doch sind es genau diese Aktionen, die den Absatz hoch halten. Und der Durst der Deutschen auf Sekt ist unverändert groß. Das freut die Sektkellereien an Rhein und Main ebenso wie den Bundesfinanzminister. Im vergangenen Jahr wurden in Deutschland 333 Millionen Liter Schaumwein getrunken, berichtete das Statistische Bundesamt erst im November anlässlich der Internationalen Weinmesse in München. Das entspricht einer Menge von 445 Millionen handelsüblichen 0,75-Liter-Flaschen. Jeder Deutsche trank damit rechnerisch 47 Gläser (0,1 Liter) Schaumwein, zwei Gläser mehr als noch im Jahr 2009. Das zahlt sich auch für den Bund aus, denn der Staat nahm dank der 110 Jahre alten Schaumweinsteuer 454 Millionen Euro ein.

1 | 2 Nächste Seite   |  Artikel auf einer Seite
 
 ()
   Permalink
 
 
 

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
Geisel aus Eltville Philippinische Armee soll eingeschritten sein

Ein Mann aus Eltville und seine Partnerin werden von islamistischen Entführern auf den Philippinen als Geiseln gehalten. Das Ultimatum für ein Lösegeld ist nun abgelaufen, offenbar ist die Armee eingeschritten. Mehr

17.10.2014, 13:08 Uhr | Rhein-Main
Überleben mit Dosensammeln

Tag für Tag laufen in New York Sammler durch die Straßen, immer auf der Suche nach leeren Flaschen und Dosen, die sie in Supermärkten oder Recycling-Höfen zu Geld machen: 5 US-Cent bekommen sie pro Dose. Für umgerechnet ein paar Euro am Tag schuften sie von früh bis spät. Mehr

05.06.2014, 13:00 Uhr | Gesellschaft
Älteste Feier Deutschlands Lullusfest gut besucht

Seit dem Jahr 852 wird in Bad Hersfeld das Lullusfest gefeiert. Rund 450 000 Menschen waren dieses Jahr dabei. Doch in den vergangenen Jahren gab es Probleme durch mitgebrachte Flaschen - dagegen sollte nun etwas unternommen werden. Mehr

20.10.2014, 14:07 Uhr | Rhein-Main
Die Stadt der Engel verklebt im Öl

In Los Angeles hat sich Öl durch ein Pipelineleck auf die Straße ergossen. Zehntausende Liter sind ausgelaufen und verkleben die Straßen der Stadt der Engel. Mehr

15.05.2014, 18:15 Uhr | Gesellschaft
Terrorgruppe Abu Sayyaf Eltviller Geisel auf Philippinen wieder frei

Der aus dem Rheingau stammende Arzt und seine Lebensgefährtin sind aus ihrer Geiselhaft auf den Philippinen befreit. Das bestätigte die Polizei. Ob Lösegeld gezahlt wurde, ist noch unklar. Mehr

17.10.2014, 15:53 Uhr | Rhein-Main
   Permalink
 Permalink

Veröffentlicht: 28.12.2012, 17:14 Uhr

Ein Geschenk als Auftrag

Von Matthias Alexander

Das Stifterehepaar Giersch überlässt sein bisher der Kunst gewidmetem Museum der Frankfurter Universität - eine großzügige Geste. Doch einen geeigneten Leiter für das Haus zu finden wird schwierig. Mehr