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Schwimmen Große Ziele, großer Erfolg

 ·  Der Darmstädter Schwimmer Marco Koch kommt mit dem zweiten Platz im Finale über 200 Meter Brust endgültig in der Weltspitze an - und ist auch in London ein Medaillenkandidat.

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Sie hätten ja alle gelernt aus diesen unseligen Weltmeisterschaften in Schanghai im vergangenen Jahr, sagt Lutz Buschkow, der Leistungssportdirektor des Deutschen Schwimm-Verbands (DSV). Auch die Funktionäre. Deshalb verzichtet Buschkow vor den Olympischen Spielen in London nun auf eine Medaillenvorgabe - anders als 2011, als bei der WM zwei goldene, zwei silberne und zwei bronzene für die Beckenschwimmer eingeplant waren und am Ende viermal Bronze herauskam.

Doch man muss schon ein wenig suchen, um im deutschen Team hinter den Stars Britta Steffen und Paul Biedermann auf olympische Medaillenkandidaten zu stoßen. Fündig wird man auf der 200-Meter-Bruststrecke: mit dem WM-Dritten Christian vom Lehn, der nach Trainingsrückstand wegen Kniebeschwerden im EM-Finale am Donnerstagabend in 2:10,61 Minuten Vierter wurde - und mit Marco Koch, der in Debrecen in 2:09,26 hinter dem Ungarn Daniel Gyurta Silber gewann. Es war die weltweit viertbeste Zeit in diesem Jahr. Und die Bestätigung für die 2:09,48 von den deutschen Meisterschaften in Berlin. Koch ist im Olympia-Jahr endgültig in der Weltspitze aufgetaucht.

„Die ein oder andere Wende war nicht optimal“

Nun wäre Marco Koch nicht Marco Koch, würde er nicht selbst in so einem Rennen etwas zu verbessern finden. „Die ein oder andere Wende war nicht optimal“, sagte der 22 Jahre alte Sportsoldat. Koch ist nicht nur ein talentierter, er ist auch ein ehrgeiziger Schwimmer, das zeigte sich auch nach dem Finale in Debrecen wieder. Ob er den Welt- und Europameister Gyurta in London überhaupt schlagen könne? „Das hoffe ich“, sagte Koch. „Ich fahr da ja nicht zum Spaß hin.“ Wer Marco Koch näher kenne, sagt sein Heimtrainer Alexander Kreisel vom DSW Darmstadt, „der weiß, dass er sich große Ziele setzt. Und die auch meistens erreicht.“ Kreisel betreut Koch zusammen mit Dirk Lange - dem ehemaligen Bundestrainer, der im Streit vom DSV geschieden war. Wer 2:09 Minuten in diesem Becken gegen diese Konkurrenz schwimme, sagte Lange zu Kochs EM-Silber, der habe auch in London gute Chancen. Pikantes Szenario: Ausgerechnet einer der nicht gerade zahlreichen Medaillenanwärter des DSV wird vom in Ungnade gefallenen einstigen Bundestrainer des DSV mitbetreut.

Für Koch ist die Konstellation perfekt. Lange schreibt die Trainingspläne, Kreisel leistet die konkrete Trainingsarbeit in Darmstadt, und zusammen passen sie die Pläne an die täglichen Bedingungen an, machen „mal ein bisschen mehr, mal ein bisschen weniger“, so Koch. Er steht täglich in Kontakt mit Lange. Der war schon als Bundestrainer von dem Darmstädter beeindruckt. Als Koch vor drei Jahren im Hightech-Anzug den deutschen Rekord von 2:08,33 Minuten schwamm, damals auch Europarekord, fand Lange, gewohnt markig: „Aus solchem Holz können Sieger geschnitzt werden.“ Jetzt hofft Koch nur, dass er sein Potential auch mal bei Großereignissen zeigen kann. Vor den Spielen in Peking 2008 unterbot er die Olympia-Normzeit zwar - aber zwei Wochen nach dem Stichtag. Zur WM 2009 reiste er mit der zweitbesten Zeit des Jahres - und schied im Halbfinale aus. Die Qualifikation für die WM 2011 verpasste er wegen eines Bandscheibenvorfalls. Inzwischen macht der Rücken keine Probleme mehr, Koch trainierte „so hart wie nie zuvor“ und will das auch in den nächsten Wochen so halten. Vor London steht noch ein Trainingslager in Italien mit dem südafrikanischen Weltrekordhalter über 50 Meter Brust, Cameron van der Burgh, und Dirk Lange an. Offizielles Ziel in London ist das Finale über 200 Meter Brust. Aber wer Marco Koch kennt, der weiß: Es könnte auch ein bisschen mehr sein.

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Jahrgang 1970, Sportredakteur.

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