Home
http://www.faz.net/-gzg-74gla
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, JÜRGEN KAUBE, BERTHOLD KOHLER, HOLGER STELTZNER

Schulzeitverkürzung Die Grünen wollen bei G8/G9 mit dem Regierungslager stimmen

Bei der schwierigen Reform der Gymnasien will die Ökopartei mit Schwarz-Gelb stimmen. Das ärgert den möglichen Bündnispartner SPD.

© dpa Weiterhin für rauchende Köpfe bei Eltern, Politikern und den Schülern sorgt die Debatte um das Abitur nach acht oder nach neun Jahren.

Die Grünen-Fraktion will bei der umstrittenen Wahlfreiheit der Gymnasien zwischen G8 und G9 mit dem Regierungslager stimmen. Allerdings müsse die geplante Reform besser umgesetzt werden, sagte der Grünen-Abgeordnete Mathias Wagner am Montag in Wiesbaden. Er widersprach der Forderung des möglichen Koalitionspartners SPD, die Schulzeitverkürzung rückgängig zu machen. „Die Wahlfreiheit ist richtig.“

Auch wenn die Zeit bis zum nächsten Schuljahr knapp sei, solle das Kultusministerium bei Eltern die Nachfrage nach G9 ermitteln und in einem Mediationsprozess das örtliche Angebot anpassen, forderte Wagner. Es dürfe nicht sein, dass Eltern, die G9 für ihr Kind wollten, es auf eine G8-Schule schicken müssten.

Mehr zum Thema

Die generelle Rückkehr zu G8 sei nicht sinnvoll

Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU) und Kultusministerin Nicola Beer (FDP) wollen den Gymnasien die Entscheidung überlassen, ob sie die Schüler nach der Grundschule in acht oder neun Jahren zum Abitur führen. Bei einer Anhörung im Landtag in der vergangenen Woche ging es den Verbänden von Eltern, Schülern und Lehrern aber weniger um Wahlfreiheit. Sie forderten eine vollständige Rückkehr zu G9. Dies sei nicht der Wille aller Eltern, sagte Wagner. Die generelle Rückkehr sei nicht sinnvoll und bis zum kommenden Schuljahr ohnehin nicht durchführbar.

Wagner bot dem Regierungslager eine gemeinsame Suche nach einem „Schulfrieden“ für Hessen an, blitzte aber bei der CDU ab. Die Grünen seien lediglich „Steigbügelhalter der Einheitsschulpläne der SPD“ sagte der CDU-Abgeordnete Günter Schork. In anderen Ländern hätten die Grünen den Rückweg zu G9 verbaut.

„Die Grünen müssen sich schon einmal überlegen, was sie wollen“ 

Bei der SPD kamen die grünen Avancen Richtung CDU übel an. „Die Grünen müssen sich schon einmal überlegen, was sie wollen“, erklärte die Abgeordnete Heike Habermann. Wer den Elternwunsch nach G9 erfüllen wolle, könne nicht an G8 festhalten. Die Politik dürfe den Schulen den festen Rahmen vorgeben, dass die Mittelstufe wieder sechs Jahre dauern solle.

Übereinstimmend fordern Grüne und SPD einen Modellversuch für eine zeitlich flexible Oberstufe. Die Linken sahen in Wagners Aussagen „lediglich eine Positionsbestimmung für mögliche Koalitionsverhandlungen“.

Quelle: faz.net mit LHE

 
()
Permalink

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
Migration Erfurts Bürgermeister will Schulpflicht für Flüchtlinge abschaffen

Der Erfurter Oberbürgermeister Bausewein sieht die Kommunen durch die Flüchtlinge zu sehr belastet – und will deshalb Flüchtlingskinder nicht mehr einschulen lassen. Die Forderungen des Thüringischen SPD-Chefs gehen jedoch noch weiter. Mehr Von Claus Peter Müller, Erfurt

26.08.2015, 11:08 Uhr | Politik
Schuldenkrise Parlament in Athen stimmt Sparmaßnahmen zu

Das griechische Parlament in Athen hat den Weg für ein drittes Hilfspaket geebnet. Eine Mehrheit der Abgeordneten stimmte für die Umsetzung der Reformen. Mehr

16.07.2015, 09:37 Uhr | Wirtschaft
Keine Genehmigung der Behörden Die Odenwaldschule gibt es nicht mehr

Das neue Konzept für die Odenwaldschule bekommt keine Genehmigung von den Behörden. Die Schüler sind auf andere Schulen verteilt und den Lehrern wird gekündigt. 15 Jahre nach den sexuellen Übergriffen steht die Schule vor dem Aus. Mehr Von Werner Breunig, Heppenheim/Wiesbaden

02.09.2015, 15:22 Uhr | Rhein-Main
113 Gegenstimmen Bundestag stimmt drittem Griechenland-Hilfspaket zu

Der Bundestag hat sich mit großer Mehrheit hinter weitere Milliardenkredite für Griechenland gestellt. 63 Abgeordnete der Union votierten gegen das dritte Hilfspaket. Damit folgten einschließlich der drei Enthaltungen insgesamt 66 Abgeordnete nicht dem Kurs von Kanzlerin und CDU-Chefin Angela Merkel. Mehr

19.08.2015, 16:09 Uhr | Politik
Gesetzesvorhaben Ärztliche Sterbehilfe ist nicht alltäglich

Soll man geschäftsmäßige Suizidbeihilfe verbieten? Juristische Einwände gegen das Gesetzesvorhaben überzeugen kaum: Sie beruhen auf empirischen Fehlannahmen. Mehr Von Oliver Tolmein

29.08.2015, 21:00 Uhr | Feuilleton

Veröffentlicht: 19.11.2012, 16:52 Uhr

Überzeugen statt verbieten

Von Ralf Euler

Die Drogenbeauftragte des Bundes hätte gern ein Verkaufsverbot für Alkohol ab 22 Uhr. Das ist eher ein Zeichen der Hilfslosigkeit, denn „Komasäufer“ lassen sich so nicht aufhalten. Hessen hat da den richtigen Ansatz. Mehr 11 7