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Schulpolitik Sitzenbleiben auch in Hessen umstritten

 ·  Die Diskussion um das Sitzenbleiben hat nun auch den hessischen Landtag erreicht. Die Opposition will die Zwangswiederholung abschaffen. Die CDU spricht von Gleichmacherei.

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Während Schulpolitiker der Landtags-Opposition das Sitzenbleiben auch in Hessen abschaffen wollen, sieht die CDU darin ein sinnvolles pädagogisches Instrument, das weiterhin gebraucht werde. Auch das von Nicola Beer (FDP) geführte Kultusministerium will offenbar an der „Ehrenrunde“ festhalten. Allerdings soll die Quote der Schüler, die ein Jahr wiederholen müssen, gesenkt werden, sagte ein Ministeriumssprecher. Noch in diesem Schuljahr werde deshalb ein Konzept zur „präventiven individuellen Förderung“ vorgestellt.

In den vergangenen Tagen war eine bundesweite Diskussion um den Sinn der Zwangswiederholung entstanden. Ausgangspunkt war eine Passage im Koalitionsvertrag der neuen rot-grünen Landesregierung in Niedersachsen. Dort ist zu lesen, dass Sitzenbleiben durch individuelle Förderung überflüssig werden soll. Der bayerische Kultusminister Ludwig Spaenle (CSU) hatte das als bildungspolitischen Populismus bezeichnet. Sitzenbleiben habe „nichts mit Strafe zu tun“, sondern biete den Schülern die Chance, Versäumtes nachzuholen.

Grüne setzen auf Freiwilligkeit

Die hessische SPD plädiert schon länger dafür, auf das Sitzenbleiben zu verzichten. Im Entwurf für ihr Programm zur Landtagswahl begründen die Sozialdemokraten dies so: „Das Wiederholen einer Klasse oder der Wechsel in eine andere Schulform tragen meist nicht dazu bei, die Freude am Lernen zu erhalten. Wir wollen deshalb Schulen ermöglichen, alle Kinder mitzunehmen und sie in ihrer Entwicklung zu fördern.“ Das Sitzenbleiben und auch die sogenannte Querversetzung etwa vom Gymnasium auf eine Realschule sollen durch individuelle Förderung ersetzt werden.

Auch die hessischen Grünen halten die Zwangswiederholung eines Schuljahrs für ein „demotivierendes und pädagogisch weitgehend wirkungsloses Instrument“, wie es in ihrem Konzept für die „Neue Schule“ heißt. Der bildungspolitische Sprecher Mathias Wagner hebt jedoch hervor, dass die Umwandlung zu einer „Neuen Schule“ freiwillig sei. Jede Schule müsse selbst entscheiden, ob sie diesen Weg gehen und auf die „Ehrenrunde“ verzichten wolle, so Wagner.

„Stärkere würden ausgebremst“

Günter Schork, bildungspolitischer Fraktionssprecher der CDU, sagte hingegen, das Sitzenbleiben habe sich bewährt, da es schwächeren Schülern ermögliche, Defizite zu beheben. Die Jugendlichen müssten in der Vorbereitung auf den Beruf und die Lebenswirklichkeit nicht nur gefördert, sondern auch gefordert und zu besseren Leistungen angespornt werden. „Schülerinnen und Schüler müssen erkennen, dass sich Anstrengung und Leistung lohnen.“

Eine Gleichbehandlung würde nach Schorks Ansicht dazu führen, dass die stärkeren Schüler einer Klasse durch die Schwächeren „ausgebremst“ würden. Zwar wolle die Landesregierung die Zahl der Wiederholer durch individuelle Förderung so gering wie möglich halten, doch ein vollständiger Verzicht auf das Sitzenbleiben führe zu „Gleichmacherei“, die mit Gerechtigkeit „nicht das Geringste zu tun“ habe.

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18.02.2013, 23:23 Uhr

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