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Schulpolitik : Alle werden Blutsbrüder

Für einen „Schulfrieden“: Grüner Blutsbruder Tarek Al-Wazir fordert Ende des jahrzehntelangen Bildungsstreites. Bild: dpa

Über Jahrzehnte dauert der Streit in der Bildungspolitik an. Vier Wochen vor der Landtagswahl sehnen sich Landtags-Grüne nun nach einem Schulfrieden.

          Wie war das bei Karl May? Wenn zwischen den Komantschen, Utahs, Sioux und Kiowas Streit ausbrach, traten Winnetou und Old Shatterhand auf den Plan, und ruckzuck herrschte rundum Frieden. Eine Lektion, die Tarek Al-Wazir und Mathias Wagner, der Fraktionschef und der bildungspolitische Sprecher der Grünen im Landtag, gern auf die hessische Politik übertragen würden. Was in den blutigen Jagdgründen des Wilden Westens funktioniert, müsste doch auch in den Niederungen der hessischen Bildungslandschaft gelingen, meinen die beiden grünen Blutsbrüder, weshalb sie gestern, gut vier Wochen vor der Landtagswahl, einen auf zunächst zehn Jahre befristeten „Schulfrieden“ vorschlugen.

          Ralf Euler

          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung, verantwortlich für den Rhein-Main-Teil der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Nach der Landtagswahl sollten sich die Fraktionen auf ein Ende des jahrzehntelangen Schulkampfes verständigen und die Bildungspolitik nur noch am Willen von Eltern, Schülern und Lehrern orientieren, forderte Al-Wazir. In Nordrhein-Westfalen habe Grünen-Schulministerin Sylvia Löhrmann bereits einen Konsens zur Einführung einer auf längeres gemeinsames Lernen ausgerichteten „Sekundarschule“ herbeigeführt, und zweifellos sei eine solche Einigung auch in Hessen möglich. „Wer die Grünen wählt, bekommt den Schulfrieden“, verspricht Al-Wazir. Basta. Langfristig, hofft der Grünen-Chef, werde das auf ein zweigliedriges Schulsystem hinauslaufen: Gymnasium und Gemeinschaftsschule. Eindringlich appellierte „Winnetou“ Al-Wazir daher an seine schwarzen, roten und gelben Brüder, das Kriegsbeil zu begraben. „Wir werden im Interesse der Schulen der Opposition die Hand zu einem Schulfrieden reichen“, ergänzte Wagner, potentieller Kandidat für das Amt des Kultusministers in einer rot-grünen Regierung. Man könnte die Friedensformel auch prägnanter in Worte fassen: Wenn alle machen, was die Grünen wollen, gibt es keinen Grund mehr zu streiten.

          Laut CDU entstehe „verbrannte Erde“

          Mit dieser Logik werden Al-Wazir und Wagner am Ende wohl als politische Greenhorns dastehen. Den Bildungsexperten der CDU-Landtagsfraktion, Günter Schork, jedenfalls trieb schon der Anblick der Friedenspfeife auf den Kriegspfad. Er sprach von „verheerenden Auswirkungen“ der auf einen „systematischen Bildungsabbau“ ausgerichteten Schulpolitik der rot-grünen Koalition in Nordrhein-Westfalen. An den dortigen Schulen hätten die Grünen nicht für Frieden, sondern für „verbrannte Erde“ gesorgt. „Wir werden uns daher den Absichten zum Bildungsabbau in Hessen vehement entgegenstellen und die von Rot-Grün bekämpften Prinzipien der Wahlfreiheit und Schulvielfalt auch künftig entschlossen aufrechterhalten.“

          Aus Sicht der Liberalen, die mit Nicola Beer derzeit die Kultusministerin stellen, bedarf es für eine gedeihliche Entwicklung der Schullandschaft keiner Vereinbarungen, sondern entschlossener Führung. „Hier zählen Taten statt Worte“, äußerte der schulpolitische Sprecher der FDP-Fraktion, Mario Döweling. Dieses Zitat wiederum hätte auch von Winnetou oder Old Shatterhand stammen können.

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