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Schulkinowochen Kinosäle als Klassenzimmer

 ·  Sehen lernen: Die diesjährigen Hessischen Schulkinowochen beginnen Ende Februar.

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Den Film als Schulfach gibt es in Deutschland bis heute nicht, als Kunstgattung wird er häufig noch immer belächelt, meist mehr als Unterhaltung oder Zerstreuung begriffen, seine ästhetisch eigene Formsprache wird überwiegend an Bildungsinstitutionen kommuniziert. So verwundert es nicht, wenn der Film als Medium an Schulen meist nur dazu dient, anhand einer Handlung einen fachlich oder ideologisch relevanten Unterrichtstoff zu transportieren. Dass der Film im Zusammenspiel von Kamera und Montage und damit von Ton, Bild, Farbe, Raum und Zeit funktioniert, haben die Franzosen längst begriffen, nie anders erfahren, sie sind mit dem Film als siebter Kunst aufgewachsen. Von solch einer Cinéphilie ist Deutschland noch weit entfernt.

Dennoch gibt es seit ein paar Jahren auch hier Versuche, Schüler das Sehen zu lehren. Eine dieser hoffnungsvoll stimmenden Initiativen sind die Schulkinowochen, die in Hessen dieses Jahr am 28.Februar beginnen. Das gilt allerdings nur, wenn nicht bloß ein Kanon der richtigen Filme abgearbeitet wird, sondern die Schüler stattdessen gelehrt werden, Filme richtig zu sehen. Sie sollten sensibilisiert werden für die Erzählmittel des Films und damit für den Film als Sprache und die Einzigartigkeit des Erlebens im Kino.

Fokus auf dem animierten Film

In der Wiesbadener Caligari-Filmbühne wurde das Programm der 7.Hessischen Schulkinowochen, die bis zum 13.März dauern, nun vorgestellt. Den „Kinosaal zum Klassenzimmer“ werden zu lassen gefalle ihr, sagte Antje Witte, die als Leiterin des Frankfurter Kinos „Orfeos Erben“ ihre Räume zum fünften Mal bereitstellt. Es sei spannend, mitzuerleben, wie die anfängliche Unruhe einer konzentrierten Stille und am Ende der Vorführung dem Diskussionsbedarf weiche. „Eine Beobachtung, die wir alle teilen können“, ergänzte Claudia Dillmann, Direktorin des Deutschen Filminstituts und des Deutschen Filmmuseums Frankfurt. Viele Schüler sähen bei den Schulkinowochen erstmals einen Film in ganzer Länge, „ohne dabei zu telefonieren oder sich zu unterhalten“. Die „beiläufige Partizipation“ zugunsten eines „konzentrierten Sehens“ aufzugeben sei für viele eine neue Erfahrung. „So setzen wir bei den Basics an“, bilanzierte Dillmann ihre Beobachtungen.

Auch Hessens Kultusministerin Nicola Beer (FDP) beschwor das „Gemeinschafterlebnis Kino“ und die „Medienkompetenz als Schlüsselqualifikation der Schulen“, in denen „mit und über Medien“ gelehrt werde, weshalb es gerade für Lehrer nötig sei, das Handwerkszeug zu erlernen, mit dem sie Filme wie Bücher einordnen könnten. Deshalb hielten die Schulkinowochen für die Lehrkräfte auch über den Veranstaltungszeitraum hinweg Fortbildungsangebote bereit. Mit dem nötigen Optimismus referierte Beer die Teilnehmerzahlen der Schulkinowochen. Mit 47000 Schülern und Lehrern habe Hessen im vorigen Jahr einen Rekord verzeichnen können, verglichen mit dem Jahr zuvor, handele es sich um eine Steigerung um zwölf Prozent. In ganz Deutschland hätten im vorigen Jahr 700000 Schüler und Lehrer das Angebot genutzt, ergänzte Michael Jahn von der gemeinnützigen Gesellschaft „Vision Kino – Netzwerk für Film- und Medienkompetenz“, die die Schulkinowochen im Bund ausrichtet und von Kulturstaatsminister Bernd Neumann (CDU) unterstützt wird.

In Hessen werden von Ende Februar an 100 Spiel-, Dokumentar-, Animations- und Kurzfilme zu sehen sein, in insgesamt 72 Kinos, der Fokus liegt in diesem Jahr auf dem animierten Film. Zu den gezeigten Werken zählen Trickfilm-Glanzlichter wie „Waltz With Bashir“, „Persepolis“ und „Wallace & Gromit total“, Dokumentationen wie „Vergiss mein nicht“ und „More Than Honey“, Klassiker wie „La grande illusion“ und Spielfilme wie „Der Junge mit dem Fahrrad“ und „The Artist“. Wissenschaftler, Pädagogen und Filmemacher führen in die Filme ein.

Die Hessischen Schulkinowochen richten sich an Schüler aller Jahrgangsstufen und Schultypen. Anmeldeschluss ist der 17.Februar. Informationen unter www.schulkinowochen-hessen.de.

Quelle: F.A.Z.
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