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Schule am Ried, Frankfurt Eine Reise durch die Dunkelheit

01.07.2009 ·  Wie Blinde die Realität wahrnehmen, kann man im Frankfurter Dialogmuseum erleben. Schüler der Klasse G5b der Schule am Ried im Interview mit der Museumsmitarbeiterin Annette Koyro.

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Wie ist es, wenn etwas dunkler ist als die Nacht? Im Frankfurter Dialogmuseum kann man es erleben. Am Anfang war noch alles ganz normal, aber als die Führung begann, wurde es dunkler und noch dunkler. Wir haben uns sehr gut in die Lage der Blinden hineinversetzen können. Wir haben gespürt, wie man sich fühlt, wenn man sich in der Stadt, im Wald oder auch im Park zurechtfinden muss. Essen und Trinken im Dunkeln ist nicht einfach, denn man weiß nicht, was man isst oder trinkt oder gar wo man sitzt. Die Führer, die „Guides“ genannt werden, helfen bei der spannenden Reise durch die Blindenwelt. - Fragen an Museumsmitarbeiterin Annette Koyro.

Wann wurde dieses Museum errichtet, und seit wann arbeiten Sie hier?

Das Museum wurde im Jahr 2005 eröffnet; ich arbeite seit Mitte 2008 hier.

Warum arbeiten Sie ausgerechnet im Dialogmuseum?

Als ich hier im Museum einmal eine Skulpturensammlung besuchte, kam ich mit Klara Kletzka, der Geschäftsführerin des Dialogmuseums, ins Gespräch, und sie fragte mich, ob ich nicht ihre Assistentin werden möchte. Da mir die Arbeit großen Spaß macht, könnte ich mir vorstellen, hier für immer zu arbeiten.

Was war bisher Ihr schönstes Erlebnis?

Dass die Gäste den Guides während der Führung sofort vertrauen, Fremden, denen sie im wahren Leben wahrscheinlich nicht so schnell vertrauen könnten.

Und was Ihr lustigstes Erlebnis ?

Dass ein Gast erst bemerkt hat, dass er die ganze Zeit in der Snackbar im Dunkeln auf dem Tisch saß, als er rausgegangen ist.

Wie gefällt Ihnen die Arbeit als Assistentin der Museumsleitung?

Die Arbeit macht großen Spaß, und man muss viel organisieren. Ich bereite wichtige Dinge so vor, dass Frau Kletzka direkt eine Entscheidung treffen kann, daher muss ich wissen, was ihr wichtig ist.

Welche Ausbildung braucht man dafür?

Keine bestimmte. Es kommt vielmehr darauf an, dass man gut mit Menschen umgehen kann! Erfahrungen im Kaufmännischen und Sozialen sind von Vorteil. Ich habe vorher Veranstaltungen für eine große Automobilfirma gemanagt.

Wie ist es für Sie, mit Blinden zu arbeiten?

Es ist großartig. Sie sind wie wir mal gut oder auch mal schlecht drauf. Es ist wichtig, dass man viel miteinander redet, vor allem wenn beispielsweise eine besondere Veranstaltung stattfindet und der Ablauf etwas anders ist als gewöhnlich. Aber eigentlich passen wir gegenseitig auf uns auf: Wir passen auf im Hellen, und sie passen auf im Dunkeln.

Wie kann man im Alltag einem Blinden helfen, der einem begegnet?

Jeder kann so gut helfen, wie der Blinde es zulässt. Möchte man einem Blinden beispielsweise über die Straße helfen, ist es wichtig, dass man erst einmal nachfragt, ob man helfen darf, und ihn nicht gleich über die Straße zerrt. Man sollte ihm seinen Stolz lassen und ihn nicht gleich überrumpeln.

Was hat man sich bei der Zusammenstellung der Ausstellung gedacht?

Es wurde versucht, alles, was nicht mit sehen zu tun hat, intensiv darzustellen; so lebensecht wie möglich, ohne dass es gefährlich wird. Der Blindenstock ist dabei sozusagen unser „verlängertes Auge“.

Die Fragen stellten Schüler der Klasse G5b der Schule am Ried, Frankfurt.

Quelle: F.A.Z.
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