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Veröffentlicht: 25.02.2013, 19:21 Uhr

Schulden der Kickers Die Offenbacher Millionenfrage

Die Kickers haben Schulden. Sie sind offenbar viel höher als vermutet - so hoch, dass selbst das Pokal-Viertelfinale gegen den VfL Wolfsburg in den Hintergrund tritt.

von Jörg Daniels, Offenbach
© Pressefotografie Storch, Bad Hg. Das ewige Thema: Der heißen Vereinsliebe der Fans stehen die roten Zahlen gegenüber, die den Kickers derzeit schwer zu schaffen machen.

„Ich bin mehr als entsetzt“, sagte die Offenbacher Vizepräsidentin Barbara Klein am Montag. „Die Zahlen haben in den eigenen vier Wänden zu bleiben.“ Einen Tag vor dem Pokal-Viertelfinalspiel an diesem Dienstag (20.30 Uhr im Live-Ticker bei FAZ.NET) zu Hause gegen den VfL Wolfsburg präsentierten vom OFC beauftragte Wirtschaftsprüfer dem Aufsichts- und Verwaltungsrat des Fußball-Drittliga-Klubs die aktuelle Bilanz zum 31. Dezember 2012.

Doch schon vor dieser Sitzung meldete die „Bild“-Zeitung, dass der Schuldenstand nicht 4,7, sondern offenbar 8 Millionen Euro betragen würde. „Kommt in etwa hin.“ So wurde Vereinspräsident Frank Ruhl zitiert. Nun bestreitet er, diesen Satz gesagt zu haben. Am Montag teilte er vielmehr der Frankfurter Allgemeinen Zeitung mit: „Die Zahl von acht Millionen Euro bestätige ich weder, noch dementiere ich sie. Wir informieren die Öffentlichkeit mit präzisen Zahlen.“ Und weiter: „Dass der Schuldenstand höher ist als die 4,7 Millionen Euro, die auf der Jahreshauptversammlung im September bekanntgegeben wurden, kann jeder an fünf Fingern abzählen.“ Vermutlich sind die Verbindlichkeiten um zwei bis drei Millionen höher. Die genaue Zahl wollen die Kickers auf einer Pressekonferenz oder einer außerordentlichen Mitgliederversammlung im März nennen.

3.Liga, Offenbacher Kickers - 1.FC Heidenheim © picture alliance / Foto Huebner Vergrößern Kommt in etwa hin? Vereinspräsident Ruhl und der Schuldenstand

Als wäre es in Offenbach ein Pokalgesetz: Ausgerechnet vor diesem Wettbewerb ist die Unruhe immer besonders groß. Schon der Achtelfinalerfolg im Dezember über Fortuna Düsseldorf war überschattet von der peinlichen Trainerdiskussion um Arie van Lent, der dann Anfang Februar doch beurlaubt wurde. Jetzt ist die wirtschaftliche Not des Traditionsvereins zum zweifelhaften Vorspiel für den Auftritt auf der großen Fußballbühne geworden. „Ich finde es unmöglich, und mir tut es für die Mannschaft wirklich leid“, sagte Barbara Klein. „Das bleibt in den Köpfen der Spieler hängen.“ Dass ihr Verhältnis zu Ruhl mittlerweile gestört sei, stimme nicht. „Es ist konstruktive Kritik, die ich anwende. Wir diskutieren sehr offen miteinander.“

Früher gab es noch testierte Abschlüsse

Bis zum kommenden Freitag müssen die Offenbacher, bei denen Trainer Rico Schmitt am Montag den Stürmer Mathias Fetsch zum neuen Kapitän ernannt hat, beim Deutschen Fußball-Bund die Lizenzierungsunterlagen für die neue Drittliga-Saison abgegeben haben. Darin enthalten ist auch die Bilanz zum 31. Dezember. Mit welcher Folge? „Unser Budget für das neue Spieljahr wird niedriger sein - den Umständen entsprechend angepasst“, kündigte Geschäftsführer David Fischer am Montag an. Er ist „positiv gestimmt“, dass der OFC die Lizenz erhalten werde. Aber er sagt auch: „Die Lage ist weiterhin angespannt.“

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Als Thomas Kalt noch Geschäftsführer der Kickers war, gab es auch testierte Abschlüsse. Einen Tag vor dem Pokalspiel lehnte der Unternehmer, der jahrelang in verschiedenen Funktionen der starke Mann auf dem Bieberer Berg war, eine Stellungnahme ab. „Wenn wir mit Vorwürfen konfrontiert werden, werden wir uns substantiell dazu äußern“, sagte er nur. Übergangs-Geschäftsführer Jörg Hambückers, der unter Kalt bis zu dessen Rücktritt kaufmännischer Manager war, ließ bereits verlauten, dass nichts gemacht worden sei, „was ungesetzlich ist“. Ruhl, der im September 2012 zum neuen Präsidenten gewählt worden war, beansprucht derweil für sich und seine Kollegen „redliche Arbeit“. Wie das „alte Management“ mit der Bilanz zum 31. Dezember umgehe, „ist deren Sache“. Zu der Frage, ob der Verein gegebenenfalls gegen Kalt vorgehen werde, sagte Ruhl: „Das würde die Geschäftsführung machen. Aber das sind Themen, die weit vor uns liegen. Im Moment ist die Ist-Aufnahme gefragt.“ Eine Schlammschlacht in den kommenden Wochen erwartet Barbara Klein nicht. Wohl aber Diskussionen. Dass die neuerlichen Turbulenzen vor dem Pokalspiel dem Image des OFC nicht förderlich sind, ist ihr bewusst. Man darf nun gespannt darauf sein, wie die Vereinssponsoren damit umgehen. Nicht zu vergessen die Gläubiger. Ruhl sagt jedoch: „Bei ihnen gibt es keine Unruhe.“

Schon bei der Mitgliederversammlung im September hatte der neue Präsident den Schuldenstand der Profi-GmbH in Höhe von 4,7 Millionen Euro angezweifelt. Er bezog sich auf die sogenannten Besserungsscheine, die im Fall der Rückkehr des OFC in die zweite Liga fällig würden, und bezifferte die Höhe der Schulden auf über sechs Millionen Euro. Sein Gegenkandidat Remo Kutz sagt heute, dass damals schon ersichtlich gewesen sei, „dass darüber hinaus Verbindlichkeiten aus laufenden Forderungen in Höhe von einer bis 1,2 Millionen Euro vorhanden sind. Somit ist eine Gesamtsumme aller Verbindlichkeiten in Höhe von acht Millionen Euro eine realistische Zahl, die aber damals aufgrund der vorgelegten Unterlagen schon erkennbar war.“

Quelle: F.A.Z.

 

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