Home
http://www.faz.net/-gzg-75h45
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, JÜRGEN KAUBE, BERTHOLD KOHLER, HOLGER STELTZNER

Schornsteinfeger Wettbewerb im Kehrbezirk

Eigentümer können seit 1. Januar ihren Kaminkehrer frei wählen und Preise aushandeln. Das ist mit Bürokratie verbunden. Fraglich ist, ob sich die Mühe lohnt.

© dpa Vergrößern Neues Jahr, neues Schornsteinfegergesetz: Hauseigentümer können den Kaminkehrer jetzt frei wählen.

Knapp 80 Jahre sicherte ein Gesetz den Schornsteinfegern in Deutschland ihr Gebietsmonopol. Der Schornsteinfeger kam ohne Auftrag, wann es ihm passte, kehrte und kassierte, einen Kehrbezirk gab es auf Lebenszeit. „Jeder Eigentümer musste uns ertragen“, sagt Ralf Kohn aus Bad Homburg, einer von knapp 50 Bezirksschornsteinfegern in Frankfurt, der in der Innenstadt 780 Liegenschaften betreut.

Petra Kirchhoff Folgen:  

Fortan ist Kohn ein sogenannter Bezirksbevollmächtigter. Als solcher hat er weiterhin die Oberaufsicht in seinem Kehrbezirk, um den er sich jetzt alle sieben Jahre neu beim Regierungspräsidium bewerben muss. Als Oberaufsicht ist Kohn für die Abnahme neu installierter Heizungsanlagen, Kaminöfen und Schornsteine zuständig und überprüft zwei Mal in sieben Jahren, ob keine unangemeldeten Feuerstätten eingebaut wurden.

Es drohen Bußgelder

Neu ist, dass Eigentümer für alle anderen Arbeiten - das Kehren des Kamins, die Emissionsmessung der Heizung, die Prüfung der Abgaswege - seit 1. Januar einen zugelassenen Schornsteinfeger oder Handwerksbetrieb ihrer Wahl aus dem Bundesgebiet beauftragen dürfen. Bereits seit 2008 konnten sie Kaminkehrer aus dem EU-Ausland mit den klassischen Kehrarbeiten beauftragen. Die Kosten hierfür sind - anders als die Gebühren für die hoheitlichen Aufgaben durch den Bezirksbevollmächtigten - nicht mehr reglementiert und können frei ausgehandelt werden. Wie sich der Markt entwickelt, bleibt abzuwarten. Optimisten unter den Hausbesitzern und Immobilienverwaltern erwarteten eine Kostenersparnis von zehn bis 30 Prozent. Allerdings wird es nach Einschätzung von Branchenvertretern lange dauern, bis der Wettbewerb in Schwung kommt, wenn überhaupt.

Denn die Wahlfreiheit muss mit einem hohen Bürokratieaufwand bezahlt werden. Fortan ist nämlich der Besitzer einer Immobilie und nicht mehr der Bezirksschornsteinfeger dafür verantwortlich, dass vorgeschriebene Wartungsarbeiten und Prüfungen innerhalb bestimmter Fristen erledigt werden, sonst drohen Bußgelder. Welche Sicherheitsprüfungen vorgeschrieben sind, wurde Hausbesitzern über den sogenannten Feuerstättenbescheid durch den Bezirksschornsteinfeger mitgeteilt. Die Arbeiten werden anschließend auf einem Formblatt dokumentiert, das dann zur Kontrolle an den Bezirksbevollmächtigten geht. Er führt das Kehrbuch.

Adressen im Internet

Der Anreiz für Privateigentümer, alles in einer Hand beim bisher zuständigen Schornsteinfeger zu lassen, ist also groß. Allenfalls für Wohnungsbaugesellschaften mit vielen Liegenschaften könnte sich ein Wechsel lohnen. Das sieht man auch beim Frankfurter Eigentümerverband Haus & Grund so. „Wer zufrieden ist mit seinem Schornsteinfeger, dem raten wir davon ab zu wechseln“, sagt der stellvertretende Geschäftsführer Gregor Weil. Grundsätzlich begrüße der Verband jedoch die Wahlmöglichkeit.

Viele Schornsteinfeger haben das Versenden der Feuerstättenbescheide dafür genutzt, für sich zu werben und dafür, dass alles beim Alten bleibt. Absichtserklärungen und Dienstleistungsverträge wurden gleich mitgeschickt. Nun hängen die Schornsteinfeger in der Warteschleife. „Die Leute lesen den Bescheid und heften ihn erst einmal ab“, befürchtet Kohn. „Das bereitet uns ein wenig Sorge.“ Gleichwohl ist der Schornsteinfeger gelassen. Bei Anfragen von Eigentümern aus dem Konkurrenzbezirk, die ihn mit Kehrarbeiten beauftragen wollten, sei er zurückhaltend und ermuntere diese, einen Wechsel zu überdenken, sagt Kohn. Das könne er sich freilich nur solange leisten, so lange die Kollegen auch ihm die Arbeit nicht wegnähmen.

Wer seinen Schornsteinfeger wechseln möchte, findet Adressen von Kaminkehrern aus seiner Region auf den Internetseiten der zuständigen Handwerkskammern, etwa der Handwerkskammer Rhein-Main unter www.hwk-rhein-main.de. Ein zentrales Register mit inzwischen knapp 9000 Schornsteinfegern führt das Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (Bafa) unter www.bafa.de (Stichwort: Schornsteinfegerregister). Allerdings ist das Register unübersichtlich und es ist sehr schwer, überhaupt einen Schornsteinfeger zu finden. Unter Angabe der Postleitzahl 60316 finden wir keinen einzigen Eintrag, die empfohlene Recherche mit Zahlen und Sternchen (60***) ergibt immerhin drei Treffer. Ein Bafa-Sprecher weist darauf hin, dass die Behörde lediglich Daten zusammenstelle, die ihr von den zuständigen Handwerkskammern und Länderbehörden übermittelt würden. Grundsätzlich dürfe die Bafa auch keine Telefonnummern mit angeben.

Quelle: F.A.Z.

 
 ()
   Permalink
 
 
 

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
Karikaturen und Terror Meinungsfreiheit im Sonderangebot

Die Absage ist abgesagt: Wie die Stadt Hanau mit Ausstellung der Karikaturisten Greser und Lenz ein Schnäppchen machen wollte – und nun teuer dafür zahlen muss. Mehr Von Timo Frasch

20.01.2015, 17:56 Uhr | Politik
Die pure, leichte Natur

Das Gourmetrestaurant Lerbach gehört zum Schlosshotel Lerbach in Bergisch Gladbach bei Köln und wird immer mehr zu einer der wichtigsten kulinarischen Adressen des Landes. Mehr

31.07.2014, 10:38 Uhr | Lebensstil
Vorstandschef und Aufsichtsrat Früherer Dresdner-Bank-Chef Walter gestorben

Bernhard Walter führte die Dresdner Bank und war Aufsichtsratschef des Baukonzerns Bilfinger. Am Wochenende verstarb er im Alter von 72 Jahren, teilte seine Familie nun mit. Mehr Von Hanno Mussler

13.01.2015, 19:05 Uhr | Wirtschaft
Laing Wechselt die Beleuchtung

Hörprobe: Safari Mehr

15.09.2014, 19:42 Uhr | Feuilleton
Schienenkartell Thyssen-Krupp scheitert mit Millionen-Forderung an Manager

Das Auffliegen des Schienenkartells ist für Thyssen-Krupp teuer geworden. Der Versuch, sich Geld bei einem angeblich beteiligten Manager wiederzuholen, scheitert nun im zweiten Anlauf. Insgesamt 291 Millionen Euro hat der Konzern zuletzt verlangt. Mehr

20.01.2015, 17:10 Uhr | Wirtschaft
   Permalink
 Permalink

Veröffentlicht: 02.01.2013, 19:39 Uhr

Historischer Lückenschluss

Von Matthias Trautsch

Im Viertel Nied plant die Stadt Frankfurt ein neues Gymnasium. Das hat viel Gutes. Doch die beteiligten Lehrer stellt es vor eine Herausforderung, denn die Ansprüche an die neue Schule sind hoch. Mehr 3