http://www.faz.net/-gzg-8xlzh

Drei Routen in Planung : Schon das Wort „Radschnellweg“ beflügelt

Vorbild: Radschnellweg in Göttingen Bild: dpa

In Rhein-Main sind drei Routen für einen Radschnellweg in Planung. Der ADFC hofft, dass die Trassen bis in die Städte führen.

          Norbert Sanden ist überrascht. Seit Jahren führt der Geschäftsführer des Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Clubs (ADFC) Hessen mit den Kommunen zähe Debatten um neue Radwege. Er kennt Anfeindungen, weiß, dass der ADFC gerne in die Ecke der verbohrten, rückwärtsgewandten Ideologen gesteckt wird, die nicht wahrhaben wollen, wie sehr die meisten PS-starke Autos lieben. Seit es das Thema Radschnellwege gibt und seit jährlich 700.000 Pedelecs (elektrisch angetriebene Räder) verkauft werden, scheint alles anders.

          Mechthild Harting

          Redakteurin in der Rhein-Main-Zeitung.

          Radschnellwege sind „in“. Mit Hilfe dieses „Vorzeigeelements“ könnte das Radfahren als Verkehrsmittel endlich mitten in der Gesellschaft ankommen, hofft Sanden. Laut Umfrage wünscht sich ein großer Teil der Bevölkerung solche Radschnellwege und würde sie für den täglichen Weg zur Arbeit auch nutzen, wenn es sie denn gäbe. Sanden erklärt sich die Begeisterung damit, dass es heute ein völlig verändertes Mobilitätsverhalten gebe. Die meisten nutzten verschiedene Verkehrsmittel, „sie nehmen das, was gerade am besten passt“. Die bisher starren Rollenbilder lösten sich auf, sagt Sanden, denn fast jeder sei, je nachdem, wie es passe, mal als Radfahrer, S-Bahn-Nutzer oder mit dem Auto unterwegs. Das ist täglich in Frankfurt zu beobachten, wenn Anzugträger am Hauptbahnhof auf gemietete oder mitgebrachte Räder umsteigen.

          18.000 und 22.000 Pendler

          Im Rhein-Main-Gebiet wird die Diskussion über Radschnellwege seit Jahren vom Regionalverband Frankfurt/Rhein-Main und dem ADFC Hessen vorangetrieben. 2003 haben sie gemeinsam das Projekt „bike + business“ initiiert und beraten seitdem Unternehmen, wie sie Mitarbeitern das Umsteigen aufs Rad erleichtern können. Da es mittlerweile Pedelecs gibt, entstand die Idee, gerade in der Pendlerhochburg Rhein-Main, wo täglich 350 000 allein nach Frankfurt einfahren, es mit Radschnellwegen zu probieren.

          Bisher kannte man die nur aus den Niederlanden und Dänemark. Drei Routen sind derzeit in Planung. Sanden sieht Potential für weitere. Er hält die Trassen für „gut, nötig und eigentlich auch für überfällig“. An der ersten Route zwischen Darmstadt und Frankfurt soll, so hat es der Regionalverband jetzt angekündigt, von Sommer nächsten Jahres an gebaut werden. Laut Machbarkeitsstudie können, je nach Verlauf, zwischen 18.000 und 22.000 Pendler durch die 30 Kilometer lange Trasse angesprochen werden. Die sieben Kommunen entlang der Strecke haben sich inzwischen zusammengeschlossen und die Regionalpark Südwest GmbH beauftragt, das Vorhaben zu planen und zu bauen. Die Gesellschaft ist erfahren mit Trassenführung und Wegebau, schließlich ist der Regionalpark eigentlich ein Radroutennetz.

          Allerdings gelten für Radschnellwege, zumindest in der Theorie, strengere Vorgaben als für Erholungswege: Sie sollen vier Meter breit, asphaltiert und für den Radverkehr reserviert sein, damit eine Geschwindigkeit von 20 Stundenkilometern gefahren werden kann. Die Finanzierung steht, weil das von den Grünen geführte Verkehrsministerium 80 Prozent der mit 8,4 Millionen Euro veranschlagten Kosten übernimmt.

          Auch der Bund will Radverbindungen neuerdings fördern. Für die Route von Hanau nach Frankfurt wird im Herbst die Machbarkeitsstudie vorliegen. Der Arbeitskreis „Radanbindung an den Flughafen“ plant mindestens eine Strecke von Frankfurt. Parallel gibt es ein Bundesprojekt, wie der Flughafen und das angrenzende Gewerbegebiet Gateway Gardens den Tausenden von Mitarbeitern Radangebote machen können. Im Gespräch ist auch eine Trasse von Friedrichsdorf nach Frankfurt. Sanden hält auch die Verbindung Frankfurt–Hofheim–Wiesbaden für sinnvoll.

          Vieles hängt davon ab, wie schnell und konfliktfrei die erste Route gebaut wird. „Wir sind in der Phase von Versuch und Irrtum“, sagt Sanden. Er gibt sich dennoch optimistisch, dass die breite Zustimmung zu Radschnellwegen trägt und „wir eine gute Lösung finden – auch durch den Frankfurter Stadtwald“, was derzeit noch strittig ist. Es müsse auch klar sein, dass ein Schnellweg nicht am Stadtrand enden darf. „Der Radler muss gut in die Innenstädte kommen“, verlangt er. Er hofft, dass die mitunter endlosen Debatten über Radwege in den Städten durch den Hype um die Schnellwege beflügelt werden.

          Quelle: F.A.Z.

          Weitere Themen

          Eine Helmpflicht würde Leben retten

          Gefährliches Radfahren : Eine Helmpflicht würde Leben retten

          Die Gegner der Helmpflicht sagen: Mit ihr würden weniger Menschen Radfahren – und das schade der Umwelt und führe zu einer Zunahme von Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Doch reichen diese Argumente angesichts der hohen Zahl an Unfällen aus?

          Topmeldungen

          Brexit-Verhandlungen : Die EU und ihr hohes Ross

          Bei einem „harten“ Brexit verlieren alle – deshalb sollte das starke Brüssel auf das geschwächte London zugehen. Nur so lässt sich ein Showdown im Herbst vermeiden. Ein Kommentar.

          Zukunft der Kanzlerin : Die zweite CDU-Reihe macht gegen Merkel mobil

          In der Union regt sich Widerstand gegen die Kanzlerin: Ein Ministerpräsident will über mögliche Merkel-Nachfolger debattieren, ein Innenminister erklärt die mögliche Jamaika-Koalition zum Sicherheitsrisiko. CDU-Generalsekretär Tauber versucht zu schlichten.
          Demo am spanischen Nationalfeiertag (12. Oktober) in Barcelona

          Krise in Spanien : Operation am offenen Herzen

          An diesem Donnerstag droht Katalonien die Entmachtung durch die Zentralregierung in Madrid. Doch das birgt große Risiken. Ein Kommentar.
          Sandra Maischberger diskutiert am Mittwochabend mit ihren Gästen über die Notwendigkeit eines Einwanderungsgesetzes.

          TV-Kritik: „Maischberger“ : Wenn Konfusion zur Methode wird

          Das Bild im Studio zeigt einen Flüchtlingstreck aus dem Jahr 2015 – musikalisch untermalt von der düsteren Melodie der amerikanischen Serie „House of Cards“. Die Sendung von Sandra Maischberger zum Thema „Einwanderungsgesetz“ stiftet große Verwirrung.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.