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Schmiergeldaffäre Emig wieder in Untersuchungshaft

26.07.2005 ·  Jürgen Emig ist wieder im Gefängnis. Hintergrund sind neue Vorwürfe der „gewerbsmäßigen Bestechlichkeit“ und der „Beihilfe zur Steuerhinterziehung“. Schon in der Nacht zum Dienstag mußte er wieder in der Polizeizelle schlafen.

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Das Wochenende hatte der frühere Sportchef des Hessischen Rundfunks, Jürgen Emig, in Freiheit verbracht, dann überzeugte die Staatsanwaltschaft am Dienstag eine Ermittlungsrichterin von der Stichhaltigkeit neuer Korruptionsvorwürfe. Am frühen Nachmittag entschied sie, der Neunundfünfzigjährige müsse zurück in die Justizvollzugsanstalt Weiterstadt. Schon in der Nacht zum Dienstag hatte der Journalist in einer Polizeizelle geschlafen.

Die Strafverfolger hatten die am Freitag von einem anderen Richter angeordnete Haftverschonung nicht akzeptieren wollen. Ihrer Beschwerde half, wie es in der Juristensprache heißt, das Amtsgericht am Montag nachmittag ab, Emig wurde noch am Abend in seinem Haus festgenommen.

„Volle Unterstützung“ bei der Aufklärung

Die Affäre um Schmiergeld für Fernsehübertragungen pulsiert seit etwa vier Wochen mit hoher Frequenz, was um so erstaunlicher ist, als sie mehr als ein Jahr geschlummert hatte. Am Dienstag durchsuchten Staatsanwälte aus Dresden die Räume der Stiftung Deutsche Sporthilfe in Frankfurt nach Beweismaterial.

Der Leiter des sächsischen Sonderdezernats, Claus Bogner, wollte dazu am Dienstag noch nichts sagen, er kündigte für Mittwoch eine Erklärung an. Erst am Abend bestätigte die Sporthilfe die Durchsuchung: Man habe sämtliche Unterlagen zum „Fall Mohren“ zur Verfügung gestellt und die „volle Unterstützung“ bei der Aufklärung des Falles zugesagt.

Zahlungen bestätigt

Sporthilfe-Vorsitzender Hans-Ludwig Grüschow hatte vor einigen Tagen Zahlungen an den ehemaligen, inzwischen ebenso wie Emig fristlos erlassenen Sportchef des Mitteldeutschen Rundfunks, Wilfried Mohren, bestätigt. In einem Brief an die deutschen Spitzensportverbände widersprach Grüschow dem Eindruck, die Sporthilfe habe auf die Unabhängigkeit von Redaktionen Einfluß nehmen wollen.

Grüschow rechtfertigte die Zahlungen von 15000 Euro jährlich an den Fernsehjournalisten damit, er habe sich als Sporthilfe-Vorsitzender „um gute Kontakte zu den Medien bemüht und auch professionellen Rat gesucht“. Die „Kooperation“ mit Mohren sei aus den Bemühungen entstanden, die „allein dem Nutzen und den uneigennützigen Zielen der Sporthilfe ... galten“. Mohrens Entlassung begründete der MDR auch mit diesen Zuwendungen. Grüschow behauptet, es habe sich um eine genehmigte Nebentätigkeit Mohrens gehandelt, MDR-Intendant Udo Reiter bestreitet dies.

„Gewerbsmäßige Bestechlichkeit“

Die dynamische Entwicklung der vergangenen Tage läßt erwarten, daß weitere Querverbindungen publik werden. Der Sprecher der Frankfurter Statsanwaltschaft, Thomas Bechtel, mochte am Dienstag die neuen Vorwürfe, die abermals zur Verhaftung Emigs geführt hatten, lediglich abstrakt benennen: Es sei ein weiterer Fall von „gewerbsmäßiger Bestechlichkeit“ und „Beihilfe zur Steuerhinterziehung“ hinzugekommen.

Emig war bisher beschuldigt worden, in den Jahren 2000 bis 2004 von Vereinen und Verbänden sogenannter Randsportarten wie Triathlon, Marathon, Tanzen oder Reiten den Abschluß von Verträgen mit Sportsponsoring-Agenturen dafür verlangt zu haben, daß über sie im Fernsehen berichtet werde. Über die Agenturen, die seiner Frau und dem ebenfalls verhafteten, inzwischen suspendierten Präsidenten des Tanzsportverbandes, Harald Frahm, gehören, sollen Emig 400000 Euro zugeflossen sein.

Parallelen zwischen den Affären in Frankfurt und Leipzig

Unterlagen, die bei Durchsuchungen Ende Juni sichergestellt wurden, ergaben einen ähnlichen Verdacht gegen Mohren, der ebenfalls mit der Agentur Frahms kooperiert haben soll. Die Anzeichen verdichten sich, daß die Affären der Rundfunkanstalten in Frankfurt und Leipzig mehr als nur Parallelen aufweisen.

Quelle: hs., F.A.Z. vom 27. Juli 2005
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