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Veröffentlicht: 10.03.2017, 10:42 Uhr

Forstwirtschaft im Klimawandel Schlechte Aussichten für Fichten

Der Klimawandel stellt die Förster vor neue Herausforderungen. Zum Beispiel siedeln sich exotische Gehölze in Deutschland an. Immerhin: Manche davon ergeben gutes Brennholz.

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© Wonge Bergmann Ernte: Holzrücken von Douglasienstämmen mit einem Forstspezialschlepper im Waldgebiet des Forstamtes Hanau-Wolfgang

Spaziergänger im Wald von Hanau-Wolfgang können in diesen Tagen ein beeindruckendes Schauspiel erleben. Noch sind die großen Maschinen unterwegs, die in Minutenschnelle Bäume nicht nur fällen, sondern diese auch von Ästen befreien und in Stücke zerteilen. Die Holzernte neigt sich für diesen Winter ihrem Ende zu, und an den Wegesrändern stapelt sich fein säuberlich das Gold des Waldes. Auch größere Stämme liegen am Wegesrand. Sie werden bald von den Käufern mit großen Lastwagen abgeholt.

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Mit sogenannten Rückefahrzeugen wurden die mächtigen Stämme an eine zentrale Stelle im Wald geschafft und sortiert. Das sieht aus, als würde ein Riese Mikado spielen. Doch aus dem scheinbaren Wirrwarr wird schnell ein ordentlicher, für den Abtransport hergerichteter Stapel. Alles ist markiert, so dass es keine Verwechslungen geben kann. Wer wie viel und welches Holz abholen wird, das sei vertraglich genau festgelegt, sagt Stefan Brinkmann, stellvertretender Leiter des Forstamts Wolfgang. Das beste Holz ist bestimmt für die Möbelindustrie. Aber auch Papierfabriken werden vom Forstamt Wolfgang beliefert, außerdem unter anderem Hersteller von Holzpaletten und Spanplatten. Privatleute, die einen Kamin zu Hause haben, können beim Revierleiter Kleinholz bestellen, jedoch nicht fein abgepackt wie im Baumarkt. Mit der Kettensäge und mit der erforderlichen Schutzkleidung ausgestattet, muss der Kunde schon selbst für handliche Stücke sorgen.

Nichts dem Zufall überlassen

Manchem Naturfreund wird es schwer ums Herz, wenn er miterlebt, wie beispielsweise einer in Saft und Kraft stehenden Douglasie im Handumdrehen der Garaus gemacht wird. Vielleicht wird ihn trösten, dass im Forstamt Wolfgang, Teil des Landesbetriebs Hessen-Forst, nichts dem Zufall überlassen wird. Vor zwei Jahren zählte das Forstamt mit seinen neun Revieren im westlichen Main-Kinzig-Kreis zu den ersten hessischen Staatswaldforstämtern, die mit dem FSC-Zertifikat ausgestattet wurden. FSC steht für „Forest Stewardship Council“ und benennt ein internationales Zertifizierungssystem für eine Waldwirtschaft, die auf den Erhalt gesunder Wälder auch für die nächsten Generationen ausgerichtet ist. Grundlage ist eine nachhaltige Waldbewirtschaftung.

Bei dem Begriff der Nachhaltigkeit handelt sich nicht um ein Modewort. Geprägt wurde er im siebzehnten Jahrhundert von dem Oberbergrat Hans Carl von Carlowitz, der ein Standardwerk der Waldwirtschaft schuf. Auf ihn stützte sich Ende des achtzehnten Jahrhunderts der Forstwissenschaftler Georg Ludwig Hartig. Er formulierte den Grundsatz, dass einem Wald immer höchstens so viel Holz entnommen werden darf, wie nachwachsen kann. Für Hessenforst ist diese Vorgabe selbstverständlich, doch nicht überall wird ihr gefolgt. Weltweit werden Wälder rücksichtslos abgeholzt, deshalb ist es für Forstamtsleiter Christian Schaefer ein Anliegen, den Anteil des heimischen Holzes in der Holzindustrie Deutschlands zu steigern, um zweifelhaften Importen entgegenzuwirken. Eine nachhaltige Waldbewirtschaftung soll sicherstellen, dass die nachfolgenden Generationen einen gesunden Wald vorfinden, der als Holzlieferant ebenso dient wie als Erholungsort.

Ob das gelingen wird, weiß heute niemand, denn der Klimawandel stellt die Forstbewirtschaftung vor große Herausforderungen. Um sie zu bewältigen, setzen Fachleute wie Schaefer und Brinkmann auf einen behutsamen, in Teilen auch experimentellen Umbau des Waldes. Es gilt herauszufinden, welche Bäume sich in der Zukunft für die Böden im Forstamtsbezirk - zum Teil Auengebiete und zum Teil Sandböden - gut eignen und in welchem Mischungsverhältnis sie zueinander stehen sollten. So will man die Voraussetzungen schaffen, dass die Bäume den häufiger werdenden Stürmen, starken Regenfällen und Dürrephasen standhalten können. Schlechte Entwicklungschancen im Forstamtsgebiet gibt Schaefer beispielsweise der Fichte. Sie kann längere Trockenheit nur schlecht verkraften, verliert ohne ausreichende Wasserversorgung schnell ihre Vitalität und wird zu einem willkommenen Opfer von Schädlingen, vor allem des Borkenkäfers. Auch die Buche, die kühle und feuchte Standorte bevorzugt, wird es in Zukunft schwer haben. Im Wald der Zukunft sieht der Forstamtsleiter eher Kiefern, verschiedene Eichenarten und die Douglasie.

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Zur Stabilität des Waldes könnte zunehmend auch die heute eher seltene Weißtanne beitragen, die sich laut Schaefer besonders dazu eignet, zwischen andere Bäume gepflanzt zu werden. Abfinden muss man sich laut Brinkmann mit der Vermehrung der aus Amerika eingeschleppten Traubenkirsche. Diese Baumart breitet sich munter aus, verbuscht schnell und verdrängt andere Sorten. Immerhin, so Brinkmann, liefere sie anständiges Brennholz. Vielleicht könne man diese Eigenschaft ausnutzen. Wie die Traubenkirsche sind auch viele Schädlinge aus der Ferne in den heimischen Wald gekommen. So verursacht ein Pilz aus Japan das Eschentriebsterben. Bisher harmlose Insekten und Pilze könnten Schaefer zufolge durch den Klimawandel gefährlicher werden. Entscheidend sei immer die Gesundheit der Bäume.

Große Zusammenbrüche im Hanauer Wald erwartet das Forstamt in den nächsten Jahren zwar nicht. Gleichwohl müssten heute mit einer intelligenten Planung die Voraussetzungen geschaffen werden, dass der Wald auch für die nächsten Jahrzehnte seinen vielfältigen Aufgaben gewachsen sei. Dabei sorgt das Forstamt für die Qualität des Baum-Nachwuchses weitgehend selbst. Es unterhält die einzige Samendarre des Landes Hessen zur Aufarbeitung, Lagerung und zum Verkauf von Baumsamen. Die meisten Setzlinge zur Aufforstung stammen aus der eigenen Forstbaumschule. Außerdem betreut das Forstamt Wolfgang eine Vielzahl von Naturschutzgebieten, vor allem in den Auen entlang der Kinzig.

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