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Schlafforscher Ulrich Koehler im Gespräch : „Sechs Stunden Ruhe reichen nicht aus“

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Schlaf ist messbar: Die moderne Medizin hat viele Möglichkeiten zu erforschen, woran es liegt, wenn Körper und Geist nicht zur Ruhe kommen wollen. Bild: dpa

Der Schlafforscher Ulrich Koehler darüber, wie wichtig Phasen der Regeneration sind, wie verschieden Menschen auf Störungen durch Fluglärm reagieren und zu welchen Erkrankungen Schlafmangel führen kann. Und weshalb die Schule zu früh beginnt.

          Wann und wodurch werden Sie morgens meistens wach?

          In der Regel durch den Wecker um 6.30 Uhr. Am Wochenende jedoch, wenn ich länger schlafe, spontan.

          Wie lange schlafen Sie?

          Im Durchschnitt sechseinhalb Stunden. Ich gebe allerdings zu bedenken, dass sowohl Ärzte als auch Pflegepersonal durch den Schichtdienst in der Klinik oft eher unphysiologisch schlafen.

          Das heißt?

          Es entspricht nicht dem normalen Ablauf, der Schlaf ist nicht, wie bei allen Schichtarbeitern, an die normale Tag- und Nachtrhythmik angepasst.

          Was zeichnet guten Schlaf aus?

          Dazu muss man etwas über die Physiologie des Schlafes wissen. Früher hatte man geglaubt, Schlaf sei nur ein passiver Zustand, bei dem sämtliche Aktivitäten - körperlich und geistig - reduziert seien. Das war ein Trugschluss. Ganz im Gegenteil, Schlaf ist kein passiver Ruhezustand. Unser Organismus, insbesondere das Gehirn, ist höchstgradig aktiv und bereitet uns, wenn alles zur Zufriedenheit läuft, sozusagen optimal auf den nächsten Tag vor. Im Schlaf durchlaufen wir verschiedene Stadien, zum einen die Leicht- und Tiefschlafstadien, zum anderen die Traumschlafstadien; Letztere sind benannt nach den schnellen Augenbewegungen (REM, rapid eye movement).

          Was passiert wann?

          Die typische Nacht, die in der Regel gegen 23 Uhr beginnt, hat zwei bis drei Tiefschlafphasen in der ersten Nachthälfte, die unterbrochen werden durch Traumschlafphasen. Diese Traumschlafphasen kommen, in etwa neunzigminütigem Abstand, wieder und werden zum Morgen hin immer länger. In der zweiten Nachthälfte haben wir dann vermehrt leichten Schlaf und kaum noch Tiefschlaf.

          Wie erholt man sich am besten?

          Schlaf ist dann gut und effektiv, wenn man am folgenden Tag ausgeschlafen und leistungsfähig ist. Ausreichender Tief- und REM-Schlaf sind für die in unserem Körper ablaufenden Prozesse dabei von elementarer Bedeutung. Der Tiefschlaf als eigentlich „erholender und entmüdender“ Schlaf muss ausreichend vorhanden sein. Ebenso auch der REM-Schlaf, der, nach heutigen Kenntnissen, wichtig ist für die tagtägliche Verarbeitung der im Gehirn eintreffenden Informationen sowie deren Speicherung und Löschung.

          Zehntausende Menschen im Rhein-Main-Gebiet, die in den Einflugschneisen des Frankfurter Flughafens leben, müssen für ihren Schlaf mit der Zeit zwischen 23 und 5 Uhr, während ein Flugverbot herrscht, auskommen. Reicht das?

          Wenn man die Schlafphysiologie und die biologischen Rhythmen berücksichtigt, so ist das pauschalierte Zeitsegment von 23 bis 5 Uhr sicherlich nicht ausreichend. Die im Organismus der Lebewesen ablaufenden Prozesse wie Regelung der Körpertemperatur, des Blutdrucks, der Hormone, des Schmerzempfindens, des Immunsystems und anderes werden durch eine innere Uhr als Taktgeber geregelt. Diese innere Uhr wird durch äußere Zeitgeber wie den Licht-Dunkel-Wechsel beeinflusst und entspricht in etwa einem 24-Stunden Rhythmus.

          Aber jeder reagiert darauf verschieden?

          Der Chronotyp eines Menschen gibt Auskunft darüber, wie die innere Uhr seinen individuellen Tagesrhythmus bestimmt. Das bedeutet: Wann ist seine bevorzugte Schlaf- und wann seine Wachzeit. Späte Chronotypen, sogenannte Eulen, gehen spät zu Bett und schlafen morgens dementsprechend länger. Frühe Chronotypen, „Lerchen“, gehen früh zu Bett und stehen früh wieder auf.

          Ist diese Typisierung naturgegeben?

          Der Chronotyp eines Menschen ist sowohl alters- als auch geschlechtsabhängig. Kleine Kinder sind relativ frühe Chronotypen, die sich in der Schüler- und Auszubildendenzeit immer mehr in Richtung späte Chronotypen entwickeln. Bei Jugendlichen besteht die mit Abstand größte Diskrepanz zwischen Bedarf und Dauer des Schlafs. Viele Schüler und Auszubildende leiden demzufolge unter Schlafmangel, da sie abends nicht in die Federn kommen und morgens zu früh in die Schule oder an den Ausbildungsplatz müssen.

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