Es ist ja nicht so, daß die Frankfurter es noch nie versucht hätten. Schon im Frühjahr 1389 gab es Bestrebungen wie heute, sich gegen vermeintlich räuberisches Verhalten der Umlandbewohner zu stellen und sie stärker an den Kosten der Stadt zu beteiligen. Damals allerdings ging die Sache gründlich nach hinten los.
Das kam so: Die „wehrhaften Bürger“ der Stadt Frankfurt - ungefähr 2000 Patrizier und Handwerker mit Hellebarden, Schwertern und Äxten - waren nach Kronberg gezogen, um den dortigen Adeligen eins aufs Haupt zu schlagen. Man warf den Herren von Cronberg „Raubrittertum“ vor. Zufälligerweise stammten die Adeligen ursprünglich auch noch aus Eschborn, einer Stadt, die auch heute im Umlandstreit wieder nicht unbeteiligt ist.
Plünderung der umliegenden Höfe
Von Frankfurt ging es über Rödelheim und Schwalbach nach Kronberg, zum Fuß der Burg. Nach kurzen Gefechten zogen die Kronberger sich hinter die Burgmauern zurück. Die Frankfurter plünderten die umliegenden Höfe, eine gleichsam mit einem gewissen Druck eingetriebene Beteiligung an den stets hohen Kosten der schon damals nicht kleinen Stadt. Zumindest die Legende behauptet weiter, die Frankfurter hätten dabei große Mengen Weins erbeutet und den Sieg erst einmal kräftig gefeiert.
Egal, ob das stimmt, schon damals galt: Zu früh freuen lohnt sich nicht. Die Kronberger in ihrer Not hatten sich nämlich an eine südwestliche Nachbargebietskörperschaft gewandt und den Pfalzgrafen Rupert um Hilfe gebeten. Der kam auch - und zwar mit 200 schwerbewaffneten Profi-Rittern, unterstützt von Reitern aus Hanau. Die angeblich noch verkaterten Frankfurter brachen die Belagerung kurzerhand ab und zogen Richtung Heimat - in drei Trupps, damit die einen nicht auf die anderen warten mußten. Geteilt und geschwächt, waren die Nebenerwerbskrieger aus der Stadt ein leichtes Opfer für die Ritter. 620 Bürger gerieten in Gefangenschaft. Daß darunter der Bürgermeister gewesen sein soll, wird nur am Rand erwähnt. Härter traf die Frankfurter offenbar, daß alle Bäcker gefangen wurden: Das Brot in der Stadt wurde knapp.
Das Ende vom Lied war schließlich, daß sich die Frankfurter an den hohen laufenden Kosten des Umlands beteiligen mußten. 73000 Goldgulden Lösegeld hatten sie in sechs Raten aufzubringen. Den städtischen Haushalt soll das fast 100 Jahre lang belastet haben.

