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Schauspieler Peter Fricke : Ein erklärter Gegner der Zerstreuungskultur

Empfindet Trauer ob der schwindenden Hochkultur: Peter Fricke. Bild: Wonge Bergmann

Der Schauspieler Peter Fricke spielt im Fritz-Rémond-Theater in Frankfurt den „Mentor“. Ein Porträt.

          Der Schauspieler ist enttäuscht. „Schade, dass der Autor schon nach zehn Minuten gegangen ist. Er hätte doch wenigstens bis zur Pause warten können, um sich ein Urteil zu bilden über unsere Umsetzung seines Stücks.“ Peter Fricke, der bis zum 20. Oktober in Frankfurt als „Der Mentor“ auf der Bühne des Fritz-Rémond-Theaters steht, nickt, wenn man ihn auf die Parallelen zwischen seinem Antagonisten im Stück und dem Verfasser desselben aufmerksam macht: zwei Autoren, die ihr Werk als „Material“ missverstanden sehen und deshalb vorzeitig das Feld räumen. Jungautor Martin lässt seinen Mentor sitzen, weil dieser ihn schroff kritisiert hatte, Bestsellerautor Daniel Kehlmann lässt sein Publikum sitzen, weil Regisseur Michael Wedekind seinen Text bei der Inszenierung ohne Rücksprache verändert hatte.

          Claudia Schülke

          Feste freie Redakteurin in der Rhein-Main-Zeitung.

          Peter Fricke ist der geborene Mentor. Jedenfalls wenn es um Sprache geht. Nicht zufällig hat er den Henry Higgins am liebsten gespielt: zweimal in dem Musical „My Fair Lady“ und einmal in dem Schauspiel „Pygmalion“ von George Bernard Shaw. „Der hat viel mit mir zu tun“, verrät er fast ein wenig verlegen. Es fällt schwer, sich diesen freundlichen Schauspieler als chauvinistisch-sadistischen Sprachlehrer vorzustellen. Doch Fricke hat Erfahrung mit zwielichtigen Charakteren. Er hat sie zuhauf gespielt: in den Krimiserien „Der Kommissar“ und Tatort“. Lauter Männer, die ganz anders sind als er. Dafür ist er schließlich Schauspieler, dass er fremde Persönlichkeitsfacetten in sich selbst entdeckt und sie auf der Bühne und vor der Kamera aus dem eigenen Potential belebt.

          Der poetische Raum über den Wolken

          Dabei hat es ihm besonders die Sprache angetan. „Das Poetische ist ein wesentlicher Teil meines Lebens“, gibt er zu. Das neue Buch von Botho Strauß trägt er gerade bei sich, um jederzeit darin lesen zu können. Nur wenige Tage vor Beginn des Zweiten Weltkriegs als Sohn eines schwedischen Journalisten und Regisseurs in Berlin-Charlottenburg geboren, wuchs er mit Büchern auf und lebt auch jetzt noch zwischen den Büchern seiner Eltern am Isarhochufer in München. Schon während des Kriegs war seine Mutter mit ihm ins Haus ihrer Eltern ins oberbayrische Murnau gezogen. Den Blick auf das Wettersteingebirge hat er damals genossen, die sonntäglichen Ausflüge mit dem Großvater in die Berge mitnichten. „Ein Bergwanderer ist nicht aus mir geworden. Ich liebe das Meer, die Weite, den Horizont.“

          Wollte er deshalb Pilot werden? Oder um der Enge der Internate zu entkommen, in denen er so unglücklich war? „Ich habe den poetischen Raum über den Wolken gesucht“, sagt er. Als sein Vater aus russischer Kriegsgefangenschaft heimkehrte, zerbrach die Ehe der Eltern. „Das habe ich nicht verkraftet“, erinnert sich Fricke. Er litt, wurde störrisch, aber die Internate konnten ihn auch nicht disziplinieren. Zuletzt brachte ihn sein Vater in eine Waldorfschule in Stuttgart. Dort lernte er die venezianische Kunst der Glasbläserei, dort spielte er Theater: den Shylock im „Kaufmann von Venedig“. Den Süddeutschen Rundfunk beeindruckte er dermaßen, dass er auch gleich noch den „Kleinen Prinzen“ aufnehmen konnte. Danach wollte er nicht mehr Pilot werden. Aber das Abitur machte er noch.

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