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Schauspieler Isaak Dentler Nicht du findest die Rolle, die Rolle findet dich

Der neue Vorstellungskönig: Isaak Dentler ist Ensemblemitglied des Frankfurter Schauspiels. Nach sechs Rollen in der ersten Spielzeit war er angekommen.

© Fricke, Helmut „Man muss immer Reiter und Pferd zugleich sein bei seiner Figur“: Schauspieler Isaak Dentler im Foyer des Frankfurter Sprechtheaters.

Mit dem Badminton wird es heute nichts. Regisseur Michael Thalheimer klopft übermütig an die Fensterscheibe der Schauspiel-Kantine, um Isaak Dentler daran zu erinnern, dass er eigentlich sportlich mit ihm verabredet war. Der Schauspieler zuckt mit den Schultern: Er hat einen Pressetermin, und Thalheimer hat ohnehin schon so viel abgenommen, dass man ihn kaum wiedererkennt. Als wäre es dem Schauspieler peinlich, gesteht er später leise im Gespräch, dass er diesem Regisseur seine berufliche Initialzündung verdankt: Damals, als er seinen Zivildienst zwischen Hamburg und Kiel ableistete, sah er Thal-heimers „Liliom“ und kündigte seinen feste Stelle bei der Ulmer Volksbank, um Schauspieler zu werden - was vorher für ihn undenkbar gewesen wäre.

Claudia Schülke Folgen:

Dentler ist ein gebranntes Kind. 1980 in eine Ulmer Schauspieler-Familie hineingeboren, war er von klein auf häufig allein. Oder er saß Abend für Abend in der ersten Zuschauerreihe und hatte auf vorlaute Kommentare zu verzichten. „Immer musste ich als Schauspielersohn in der Schule Gedichte aufsagen“, erinnert er sich missmutig und denkt auch zurück an die vier Umzüge allein in den Grundschuljahren. Aber er weiß auch, dass er manchmal privilegiert war. Eine sechswöchige Tournee durch Kuba und ein Gastspiel der Eltern bei Lee Strasberg in New York hat er in besserer Erinnerung. Dennoch: „Ich wollte was Anständiges machen“, begründet er seine Entscheidung für die Banklehre. Seine Kinder sollten es besser haben.

In Frankfurt endlich angekommen

Doch dann kam alles anders. Seit „Liliom“ wusste Dentler: „Ich will zum Stadttheater.“ Der gelernte und bereits angestellte Bankkaufmann besuchte das private Schauspielstudio Frese in Hamburg, finanzierte sein Studium mit kleinen Drehs und anderen Jobs. Er versuchte sich bei Kampnagel. Im Stadttheater Gießen debütierte er 2004 in „Frühlingserwachen“ und trat gleich darauf in Schillers „Don Karlos“ als Titelheld auf: „Ich hatte eine gute Zeit in Gießen. Aber ich wollte weiter.“ Deshalb bewarb er sich 2009 beim designierten Intendanten des Frankfurter Schauspiels. Oliver Reese eröffnete seine erste Spielzeit mit Sophokles: Dentler spielte im „Ödipus“ den Kreon und in der „Antigone“ den Haimon. Regie führte Michael Thalheimer - wer sonst?

Der Schauspieler war angekommen. Sechs Rollen in der ersten Spielzeit, darunter der Alfred in Horváths „Geschichten aus dem Wiener Wald“ und Tessmann in Ibsens „Hedda Gabler“, drei weitere in der zweiten Saison, darunter Mortimer in Schillers „Maria Stuart“, Fritz in Schnitzlers „Liebelei“ und „Werthers Leiden“ als Solo führten dazu, dass er in der vorigen Spielzeit mit 128 Vorstellungen zum „Vorstellungskönig“ gekürt wurde. Eine Flasche Schampus aus der Hand des Intendanten war fällig. Noch immer hat Dentler zehn Rollen im Repertoire. Und wie findet das seine sechs Jahre alte Tochter Fanny? Er seufzt. „Ich versuche so oft wie möglich bei ihr zu Hause zu sein.“ Dann aber richtig und nicht mit dem Kopf schon wieder in der nächsten Rolle.

Ein Kleingarten für die „Work-Life-Balance“

Überhaupt: Zu Hause sein. Es hat zwei Jahre gedauert, bis Dentler auch in Frankfurt angekommen war. Zunächst musste er feststellen, dass Paare mit Kindern bei hiesigen Vermietern nicht erwünscht sind. Zudem seien die Mieten für einen jungen Schauspieler mit Familie schier unerschwinglich. Heute lebt sie zu dritt auf 60 Quadratmetern. Zudem war ein erreichbarer Platz in einem Kindergarten kaum zu finden. Und obendrein wurden ihm gleich im ersten Jahr fünf Fahrräder geklaut. „Jetzt habe ich mich daran gewöhnt“, sagt er leicht resigniert und fügt fast entschuldigend hinzu: „Ich finde es aber toll, dass Frankfurt die kleinste Metropole der Welt ist.“ Oder war das Ironie? Jedenfalls hat er in Bornheim einen Kleingarten für die „Work-Life-Balance“ gefunden und erkundet den Taunus mit dem Mountainbike.

Um das kostspielige Leben in Frankfurt finanzieren zu können, arbeitet Dentler auch als Synchronsprecher in Filmen und Dokus. Er bestritt mit Navid Kermani dessen Poetik-Vorlesung an der Frankfurter Goethe-Universität und nahm teil an einem Thomas-Brasch-Abend im Frankfurter Literaturhaus. Er liebt Autoren wie Gerhart Hauptmann und Schiller. Auch Horváths „Kunstsprache voll Wahrheit und Realität“ imponiert ihm. Gerade probiert er mit Regisseur Christoph Mehler das Stück „Kasimir und Karoline“. Auch Tschechows „Iwanow“ hat er mit Mehler erarbeitet und sich mit dem leidenschaftlichen Monolog des Titelhelden bis an die psycho-physische Grenze verausgabt: „Noch nie habe ich einen Text so tief verstanden wie diesen Monolog.“

Reiter und Pferd zugleich sein

Doch Dentler weiß: „Man muss immer Reiter und Pferd zugleich sein bei seiner Figur.“ Man darf sich niemals in ihr verlieren. Auch wenn man seit dem 15. Lebensjahr geschuftet hat und so gut verstehen kann, warum Iwanow schon mit 30 fertig ist. „Nicht du findest die Rolle. Die Rolle findet dich“, zitiert der Schauspieler eine alte Theaterweisheit. Seine frühen Idole haben ihn offenbar auch gefunden: Sascha Nathan, den er einst als Shakespeares Shylock in Kiel bewundert hatte, spielt heute mit ihm im selben Ensemble; Marthaler, der „Liliom“-Berserker, der ihn bei den „Stuart“-Proben so gejagt hatte, liefert sich ihm nun ganz kollegial beim Badminton aus. Dentler grient: „Ich will ihn auch mal jagen.“

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Am 2. Februar um 19.30 Uhr hat Horváths „Kasimir und Karoline“ Premiere im Schauspielhaus.

Quelle: F.A.Z.

 
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