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Sanofi Satte Zuwächse mit längst eingeführter Allergiearznei

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Auch und gerade mit Arzneimitteln aus Frankfurt-Höchst hat der französische Pharmakonzern Sanofi im vergangenen Jahr weiteres Wachstum erzielen können. Dies gilt vor allem für den Verkaufsschlager des Unternehmens: Mit dem Langzeitinsulin Lantus erlöste Sanofi gut 3,9 Milliarden Euro - 15 Prozent mehr als vor Jahresfrist. Im vierten Quartal überstieg der Umsatz zum ersten Mal die Milliardengrenze.

Das kürzer wirksame Insulin Apidra legte ebenfalls weiter zu. Es ist aber nach wie vor wirtschaftlich bei weitem nicht so bedeutend wie Lantus, zudem drückten technische Fehler in Frankfurt auf die Umsätze. Aber auch mit dem im wichtigsten Pharmamarkt Amerika längst aus dem Patent gelaufenen Allergiemittel Fexofenadin verzeichnete der Konzern nach einer längeren Durststrecke wieder deutliche Zuwächse.

Hohe Zuwächse auch in Japan

Konzernchef Christopher Viehbacher sprach vor der Presse in Paris bei der Vorlage der Jahresbilanz 2011 von einem "großartigen Jahr" für den Wirkstoff, der in Deutschland unter der Marke Telfast verkauft wird, im Ausland als Allegra. Wie Sanofi berichtet, spielte das Allergiemittel zuletzt einen Gesamtumsatz von 825 Millionen Euro ein nach 607 Millionen Euro im Vorjahr. 580 Millionen Euro entfielen demnach auf verschreibungspflichtige Versionen und der kleinere Teil auf frei verkäufliche Ausgaben. Das Plus resultiert aus der Entscheidung, das Mittel im Frühjahr in den Vereinigten Staaten von Amerika in den freien Verkauf zu geben.

In der Folge kletterten dort die Erlöse mit Allegra von 147 Millionen Euro auf 211 Millionen Euro; weitere bedeutende Zuwächse erzielte Sanofi mit dem ausschließlich in Höchst hergestellten Medikament in Japan, wo es 2011 noch unter Patentschutz gestanden hat.

Laut Viehbacher ist Allegra infolge der neuen Marketingstrategie in den Vereinigten Staaten wieder eine "kraftvolle Plattform". Um die weltweite Nachfrage zu bedienen, seien im vergangenen Jahr 800 Lastwagen voll mit Fexofenadin aus dem Werk Höchst abgefahren. Durch den jüngsten Zuwachs sei Allegra zur Nummer zwei unter den Allergiemitteln in den Vereinigten Staaten von Amerika aufgestiegen. Wie er weiter sagte, erwartet der Vorstand weiteres Wachstum mit Fexofenadin, da es nach amerikanischem Vorbild in weiteren Märkten wie Kanada und Europa ausgeboten werden solle. Die Zuwächse dürften aber schwächer ausfallen als 2011.

Bis zu 300 Stellen hängen an Arznei

Seinen Spitzenumsatz von mehr als zwei Milliarden Euro weltweit lieferte Fexofenadin 2002, als es noch unter Patentschutz stand und dadurch teurer verkauft werden konnte. Wie viele Tonnen im vergangenen Jahr hergestellt wurden, behält das Unternehmen zu für sich. Wie der für die Produktion zuständige Geschäftsführer der Sanofi-Aventis Deutschland GmbH, Matthias Braun, vor Jahresfrist sagte, rechnete er mit mehr als 200 Tonnen - nachdem die Prognose vor der Zulassung zum freien Verkauf in Amerika bei weniger als 100 Tonnen gelegen hatte.

"Die Anlagen hier fahren auf einem hohen Auslastungsgrad", sagte Braun nun in Frankfurt auf Anfrage. "Die Produktion liegt nun sogar leicht über der Menge, die in Spitzenzeiten unter Patentschutz hergestellt wurde", hob er hervor. Der Schub für die Produktion sichert nach seinen Worten die 80 von einst 110 Stellen im Fexofenadin-Betrieb - und zudem bis zu 200 Arbeitsplätze an anderer Stelle im Höchster Werk. Schließlich muss der Wirkstoff durch die Qualitätskontrolle, und die Anlage muss regelmäßig gewartet werden.

Lieferengpass durch Technik-Fehler

Während das Langzeitinsulin Lantus seine Spitzenstellung unter den Sanofi-Arzneien ausbaute und zuletzt fast doppelt so hohe Umsätze erzielte wie das zweitstärkste Medikament, der Blutverdünner Lovenox, verhagelten Schwierigkeiten in der Produktion in Höchst die Bilanz des kurzwirksamen Diabetesmittels Apidra. Der Konzern musste einen Engpass bei Kartuschen melden, in die Apidra abgefüllt wird. Aufgrund dessen sanken die Erlöse im Schlussquartal um fast 29 Prozent im Vergleich zum Vorjahr auf nur 35 Millionen Euro; im Gesamtjahr spielte diese Arznei 190 Millionen Euro ein, knapp ein Zehntel mehr als zuvor. Wie Viehbacher sagte, sei die Ursache des Fehlers mittlerweile erkannt. Sanofi werde aber erst im April wieder voll lieferfähig sein.

Alles in allem lieferte Sanofi mit der Jahresbilanz 2011 gemischte Geschäftszahlen ab. Der Umsatz stieg um gut drei Prozent auf 33,4 Milliarden Euro. Der Überschuss aus der Geschäftstätigkeit sank dagegen um 4,6 Prozent auf knapp 8,8 Milliarden Euro. Um Sondereffekte bereinigt, stieg jedoch der Gewinn je Aktie um drei Prozent auf 4,31 Euro. Summiert auf alle Aktien, entspricht dies 5,7 Milliarden Euro.

„Produktiver durch neue Forschungszentren“

Während das Unternehmen noch mit Arbeitnehmervertretern über den Abbau von mehr als 300 Forscherstellen in Frankfurt verhandelt, zahlt sich die Umorganisation von Forschung und Entwicklung im Werk Höchst und im Sanofi-Konzern schon aus. Dies sagte Eliyas Zerhouni, der im Konzern die Forschungssparte verantwortet, gestern in Paris. Auf Anfrage bezifferte er den Produktivitätsfortschritt auf 15 Prozent.

Der Konzern hat seine Forschungsstandorte von einstmals 22 auf nur noch vier reduziert; eines dieser neuen Forschungszentren befindet sich in Höchst. Dies straffe Abläufe in der Forschung, sagte Zerhouni. Zudem erhoffe sich der Konzern nicht nur durch einen besseren Austausch von Ideen unter den Forschern Fortschritte, sondern auch durch eine Öffnung der Forschung. Als Beispiel nannte Vorstandschef Viehbacher die Zusammenarbeit mit dem Berliner Großklinikum Charité und brachte auch die Max-Planck-Institute in Rhein-Main und das Uni-Klinikum Heidelberg.

Infolge solcher Kooperationen werde Sanofi früher als bisher erfahren, wie sich Ideen der Forschung auf die Therapie übertragen ließen und ob sie fruchteten. Erste sichtbare Erfolge erwartet Zerhouni für das Jahr 2015. Dann werde sich zeigen, was in der sogenannten Forschungs-Pipeline neu angekommen sei. Sanofi zählte zuletzt noch 1580 Stellen in Forschung und Entwicklung. (thwi.)

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Jahrgang 1967, Wirtschaftsredakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

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