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Mainz 05-Trainer Schwarz : Beharrlich in den Widerstandskampf

  • -Aktualisiert am

„Widerstandsgeist“: Sandro Schwarz lässt seine Spieler laufen. Bild: Huebner/Voigt

Sandro Schwarz ging schon in jungen Jahren als Fan zu Mainz 05. Doch trotz seiner Jahre als Profi im FSV-Trikot muss der heutige Trainer um das Vertrauen der Fans kämpfen. Im Abstiegskampf könnte das nun gelingen.

          Sandro Schwarz steht immer etwas in sich gekrümmt am Spielfeldrand, wenn seine Mannschaft des Fußball-Bundesligaklubs Mainz 05 spielt. Das ist die Folge des Spielstils, den der Bundesligatrainer in mehr als einem Jahrzehnt als Zweitligaprofi pflegte. Schwarz grätschte einst übers Feld. Kratzen, Kämpfen, Beißen waren seine Tugenden, dazu ein gewisses strategisches Talent als Mann im defensiven Mittelfeld. Dafür wurde er geschätzt, aber nicht geliebt, obgleich er 101 mal für Mainz 05 spielte und einer der Aufstiegshelden von 2004 ist.

          Schwarz‘ Spielstil war damals so intensiv, dass er mehrere Knieoperationen über sich ergehen lassen musste und schon im Alter von 39 Jahren erhebliche gesundheitliche Einschränkungen aufweist. „Ich kann mein Knie nicht gerade durchdrücken, da fehlen gut 30 Grad“, verriet er in der vergangenen Woche bei einem Krisentreffen mit Anhängern. Er erläuterte auf diese Weise, weshalb er so am Spielfeldrand steht, wie er nun mal dort steht, und eben nicht so aufrecht wie einst seine Vorgänger Jürgen Klopp oder Thomas Tuchel. Die Erklärung war nötig, weil ein Fan frank und frei, wie es in jener Runde möglich war, seine Körpersprache kritisiert hatte.

          Ausstrahlung ein großes Thema

          Die Ausstrahlung von Schwarz ist seit Dienstantritt im vergangenen Sommer ein großes Thema unter Mainzer Fans. Manchen fehlt das wilde Gestikulieren mit gelegentlich hässlichen Fratzen, die den Auftritt von Schwarz‘ ehemaligem Mitspieler und späteren Trainer Klopp prägten. Anderen fehlt die wilde Zeichensprache Tuchels, mit denen der Trainer sein Team pausenlos zu coachen pflegte. Schwarz wirkt im Vergleich dazu ruhig und manchen eben zu ruhig.

          Das Knie ist schuld: Die Körpersprache von Sandro Schwarz irritiert die Fans

          Diese Ruhe ist freilich die große Stärke von Schwarz. So wirkt er nun nicht gestresst von der brenzligen Lage und den ständigen Diskussionen um seine Jobsicherheit. Er erklärt authentisch, dass er keinerlei Gedanken zu seiner Zukunft anstelle, sondern sich allein um Mainz 05 sorge. Er würde wohl auch Rouven Schröder zustimmen, der kürzlich sagte: „Wenn Sandro oder ich im Weg stehen würden, müssten wir gehen. Wir sind im Klub aber von Sandros Arbeit überzeugt. Nur weil alle schreien, dass jeder im Keller den Trainer gewechselt hat, machen wir es nicht“, sagte der Sportvorstand.

          Schröder und Schwarz, die als Spieler sehr viel gemein hatten, wollen die missliche Lage, hervorgerufen auch durch Schröders Fehlgriffe in der Kaderplanung, gemeinsam überstehen. „Sandro und ich haben Fußball gerumpelt, aber immer mit dem Herz bei der Sache“, sagt der ehemalige Bochumer Schröder. Genau jene Einstellung vermisst Schwarz nun bei einigen seiner Spieler, die sich zwar auf dem Trainingsplatz nichts zuschulden kommen lassen, aber mit Ende der Übungseinheit allzu schnell auf Privatleben umschalten. „Unsere Trainingseinheiten sind gut, da ist alle drei Wochen mal eine, wo ich mich frage, was wir machen. Aber es geht um die Kleinigkeiten: Ernährung, das Verhalten im Fitnessraum, wenn der Trainer nicht dabei ist“, sagt er.

          Wenig geschenkt

          Bei dem Spieler Schwarz gab es das nicht im Verlauf seiner Karriere. Obgleich im Alter von nur 21 Jahren durch bereits zwei Kreuzbandrisse gebremst, biss er sich in Mainz durch, immer beseelt vom großen Traum Bundesliga. Diszipliniert ging er in jungen Jahren fast jeden Abend um 22 Uhr ins Bett, was seine damalige Freundin ebenso verwundert wie bewundernd zur Kenntnis nahm. Später, als er mit seinem besten Kumpel Marco Rose, mittlerweile Trainer bei Red Bull Salzburg, zusammen ein Haus bewohnte, ergänzten sich zwei Vollblutprofis, die einander „Bruder“ rufen, in ihrem Streben um professionellen Lebensstil. Das Ziel Bundesliga verfehlte er als Spieler dennoch und erreichte es nun als Trainer. Schwarz, der aus dem gleichen Jahrgang wie der spätere erste Mainzer Nationalspieler Manuel Friedrich den Sprung zu den Zweitligaprofis schaffte, bekam wenig geschenkt in seiner Laufbahn. Er weiß auch um die Schwierigkeit eines Eigengewächses im eigenen Klub. Und gerade deshalb hoffen sie im Verein, dass der gebürtige Mainzer, der schon in jungen Jahren als Fan zum Bruchweg gepilgert war, nun die Kurve bekommt und den Abstieg verhindern kann.

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