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Sana AG : Offenbach verkauft Klinikum für einen Euro

Rote Bauten, rote Zahlen: Die Stadt Offenbach gibt nach 155 Jahren ihr Krankenhaus in fremde Hände. Bild: Wresch, Jonas

Der neue Besitzer Sana AG will 110 Millionen Euro investieren. Zu einem möglichen Stellenabbau äußert sich der Konzernchef nur vage.

          „Das Klinikum Offenbach bleibt das Klinikum der Offenbacher.“ Mit diesem Bekenntnis hat Michael Philippi, Vorstandsvorsitzender der Sana Kliniken AG, am Freitag im Rathaus beim ersten Auftritt seines Unternehmens in der Region um das Vertrauen der Patienten und Mitarbeiter dieses seit langem defizitären Krankenhauses geworben. Es gelte neue Patienten von der Qualität des medizinischen Angebots zu überzeugen. Laut Sana liegt der Anteil von Kranken, die durch niedergelassene Ärzte ins Offenbacher Klinikum überwiesen werden, mit 45 Prozent unter dem üblichen Wert von 60 Prozent. Außerdem will der neue Klinikbetreiber mit den Krankenhäusern in der Rhein-Main-Region zusammenarbeiten.

          Anton Jakob Weinberger

          Freier Autor für die Rhein-Main-Zeitung in Offenbach.

          Philippi äußerte sich zufrieden darüber, dass am Donnerstagabend eine große Mehrheit der Stadtverordneten dem Verkauf von 90 Prozent der Gesellschaftsanteile an der Klinikum GmbH zugestimmt haben. Dies sei ein „Vertrauensvorschuss“, der nach langen und schwierigen Diskussionen zustande gekommen sei und dem sein Unternehmen gerecht werden wolle.

          25 Millionen Euro zur Liquiditätssicherung

          Die Sana Kliniken AG, viertgrößter privater Krankenhausbetreiber in Deutschland, will zum 1.Juli, womöglich auch früher, den Geschäftsbetrieb des Klinikums übernehmen und die Gesellschaftsanteile zum Preis von einem Euro erwerben. Voraussetzung ist unter anderem, dass das Bundeskartellamt der Übernahme zustimmt. Sana-Finanzvorstand Thomas Lemke erwartet die Entscheidung innerhalb der nächsten vier Wochen.

          Außerdem will der Krankenhauskonzern, der bundesweit 60 Kliniken unterhält, mehr als 26000 Mitarbeiter beschäftigt und im vergangen Jahr 1,8 Milliarden Euro Umsatz erzielte, die Liquidität des Offenbacher Klinikums kurzfristig mit 25 Millionen Euro sicherstellen. Für die Dauer von zehn Jahren übernimmt Sana die Abwendung einer Insolvenz des Klinikums.

          Keine Einkaufstour bei notleidenden Kliniken

          Was die Frage des Stellenabbaus an der Offenbacher Klinikumsgruppe mit ihren zirka 2300Mitarbeitern betrifft, äußerte sich Philippi zurückhaltend. Es werde Veränderungen geben, doch der Umfang sei auch von Gesprächen mit dem Betriebsrat abhängig. Für einen „Sozialfond“ stelle der Sana-Konzern 20Millionen Euro bereit, nicht nur zur Aus- und Fortbildung, sondern auch für die Abfindung von Mitarbeitern.

          Philippi machte zugleich deutlich, dass der Einstieg in Offenbach für sein Unternehmen nicht der Auftakt zu einer Einkaufstour bei finanziell notleidenden Kliniken in der Rhein-Main-Region sei, sondern einer auf Kontinuität angelegten Strategie folge. Dem symbolischen Kaufpreis von einem Euro für das Klinikum steht laut Philippi ein ambitioniertes Konzept zur Weiterentwicklung des Krankenhauses gegenüber. Um für das Klinikum, das trotz der Bemühungen der Interimsgeschäftsführerin Franziska Mecke „in tief roten Zahlen“ stecke, eine „schwarze Null“ zu schreiben, brauche es drei bis fünf Jahre. Wie Philippi weiter sagte, soll das Offenbacher Klinikum als Krankenhaus der Maximalversorgung ausgebaut werden. In die Errichtung eines Gesundheitscampus will Sana in den nächsten Jahren mindestens 110 Millionen Euro investieren. Zunächst müsse aber der 2010 eröffnete Neubau fertiggestellt werden. Dazu gehöre vor allem der Abriss des Altbaus. Dabei handelt es sich um das 1974 als größtes Krankenhaus Hessens errichtete Hochhaus. Mit dem Abriss soll laut Philippi so schnell wie möglich begonnen werden. Auf der Prioritätenliste ganz oben stehe außerdem die Erweiterung der Psychiatrischen Klinik. Hierfür sind bereits Zuschüsse des Landes bewilligt.

          Eine „schmerzhafte Zäsur“

          Der Offenbacher Oberbürgermeister Horst Schneider (SPD) sprach davon, die Sana Kliniken böten die Gewähr, dass das Klinikum „in guten Händen“ sei. Die Kommune gebe mit dieser Entscheidung nach 155Jahren ihr Krankenhaus preis: „Das ist ein Einschnitt in der Kommunalgeschichte.“

          Bürgermeister und Klinikdezernent Peter Schneider (Die Grünen) sprach von einer „schmerzhaften Zäsur“. Wie es dazu habe dazu kommen können, sei eine Frage der Vergangenheitsbewältigung, die noch bevorstehe. Doch mit der Entscheidung für die Sana Kliniken AG sei gesichert, dass ein zukunftsträchtiges medizinisches Konzept vorliege.

          Der Mediziner Friedrich Grimminger, der das Verkaufsverfahren im Auftrag der Stadt leitete, sagte, der Verkauf sei ein Signal, dass Offenbach in den Wettbewerb der Kliniken in der Rhein-Main-Region mit voller Kraft einsteige. Doch dürfe es nicht zur „Kannibalisierung“ innerhalb der Region kommen. Da die Rhein-Main-Region sich gegenüber Ballungsräumen wie Hamburg, Berlin und München behaupten müsse, bedürfe es vor allem der Kooperation.

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