Home
http://www.faz.net/-gzg-6lkpt
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, FRANK SCHIRRMACHER, HOLGER STELTZNER

Salzwasser könnte zur Nordsee fließen

16.12.2010 ·  Der Düngemittelproduzent K+S aus Kassel bereitet Anträge für eine Salzwasser-Pipeline zur Nordsee vor, um die Werra zu entlasten.

Artikel Lesermeinungen (0)

cpm. KASSEL / ERFURT. Die K+S Kali GmbH, eine Tochter der Kasseler K+S AG, will den Bau einer Rohrleitung für salzhaltige Abwässer aus der Kaligewinnung vom Werra-Revier bis zur Oberweser und der Nordsee beantragen. Das Unternehmen teilte in Kassel mit, es bereite die Genehmigungsanträge für Salzabwasser-Fernleitungen vor. Das sei aber keine Entscheidung für den Bau der Leitung. K+S erwartet dafür Planungssicherheit, die nur die Politik schaffen kann. Während Hessen, Thüringen und Nordrhein-Westfalen für den Bau der Pipeline sind, stellt sich Niedersachsen bisher dagegen. Dies führte zu dem Vorschlag aus der hessischen CDU, die Salzabwässer in einer Leitung zu bündeln und an der Nordspitze Hessens in die Weser einzuleiten.

Unabhängig von der Pipeline strebt K+S nach eigenen Worten an, im ersten Quartal 2011 die Abstimmung des "Integrierten Maßnahmekonzepts" (IMK) zur Senkung der Salzbelastung der Werra mit den Ländern Hessen und Thüringen abzuschließen, um dem Unternehmen die erforderliche Planungssicherheit für die damit verbundenen Investitionen von bis zu 360 Millionen Euro zu geben. K+S wolle die Salzabwassermenge in den nächsten fünf Jahren halbieren.

Unterdessen begrüßten in Erfurt die Umweltpolitiker von CDU und SPD, die in Thüringen koalieren, die Nachricht aus Kassel. "Mit dem heutigen Tag ist eine dauerhafte und umweltverträgliche Entsorgung von Salzabwässern aus der Kaliproduktion in greifbare Nähe gerückt", teilten Egon Primas (CDU) und Eleonore Mühlbauer (SPD) in einer gemeinsamen Stellungnahme mit. Mit der Ankündigung, den Bau einer Nordsee-Pipeline zu beantragen, gehe K+S "erstmals einen Schritt" in diese Richtung. "Das ist seit langem der erste vernünftige Schritt von K+S in einer seit vielen Jahren laufenden Debatte", teilten Primas und Mühlbauer mit. Die Koalitionsfraktionen sehen in der Pipeline einen entscheidenden Baustein in einem Gesamtentsorgungskonzept, mit dem die Wasserqualität von Werra und Weser dauerhaft verbessert werden kann. Dies decke sich mit den Empfehlungen des runden Tischs "Gewässerschutz und Kaliproduktion". Mühlbauer verwies darauf, dass die Einleitgenehmigung für salzhaltige Abwässer in die Werra 2012 auslaufe. Primas sagte, dass "viel Beharrungs- und Überzeugungskraft dazu gehören wird, die Pipeline durchzusetzen". Umso wichtiger sei es, den Bau der Pipeline geschlossen zu vertreten.

K+S teilte mit: Da die dauerhafte lokale Entsorgung von einigen Seiten in Frage gestellt werde, könne eine langfristige Genehmigung des derzeitigen Konzeptes zur Minderung der Salzbelastung der Werra nicht als gesichert angenommen werden. Deshalb habe sich K+S entschlossen, parallel auch Genehmigungsanträge für Fernleitungen zur Oberweser und zur Nordsee vorzubereiten. Dies geschehe, obwohl die mit den Ländern Hessen und Thüringen definierten und vom runden Tisch akzeptierten Prüfkriterien für Fernleitungen heute weder objektiv noch aus Sicht des Unternehmens erfüllt sind. (Siehe Artikel auf dieser Seite).

  Weitersagen Kommentieren Merken Drucken
Weitersagen

Und sie drehen sich wieder im Kreis

Von Mechthild Harting

Zwar verkünden die Vertreter von Städten und Kreisen in Rhein-Main immer wieder, nun werde endgültig über Sachthemen diskutiert. Doch es geht immer wieder um Strukturen und Finanzen. Mehr 1 1