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S-Bahn-Werkstatt Frankfurt : „Grüner geht’s fast nicht“

Strom vom Dach: Auf zehntausend Quadratmetern reihen sich auf der S-Bahn-Werkstatt die Sonnenkollektoren. Bild: Cornelia Sick

Die S-Bahn-Werkstatt der Deutschen Bahn im Frankfurter Stadtteil Gallus ist ökologisch ausgerichtet. Mit konsequentem Klima- und Umweltschutz spart der Betrieb sogar Kosten ein.

          Das Dach der Halle ähnelt einem riesigen Spiegel. Dicht an dicht reihen sich auf der S-Bahn-Werkstatt nördlich des Hauptbahnhof-Vorfeldes an der Mainzer Landstraße die Sonnenkollektoren. Insgesamt zehntausend Quadratmeter, also eine Fläche von gut drei Fußballfeldern, umfasst diese größte Photovoltaikanlage im Rhein-Main-Gebiet auf einem Dach. Jedes Jahr produziert sie rund 900 000 Kilowatt Strom.

          Hans Riebsamen

          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

          Wäre die Deutsche Bahn AG eine normale Firma, würde sie den Sonnenstrom selbst verwenden. Weil sie vom Staat Subventionen erhält, darf sie jedoch keinen subventionierten Strom erzeugen und verbrauchen. Deshalb hat das Staatsunternehmen das Dach der Werkstatt einfach an die Firma Mainzer Juwi, einen Spezialisten für erneuerbare Energien, verpachtet – und kassiert dafür eine monatliche Miete. Juwi leitet den Strom in das normale Netz ein und bekommt dafür den vorgesehenen subventionierten Preis.

          Eine Frage des Preises

          Im Prinzip könnte die S-Bahn-Werkstatt den Sonnenstrom vom Dach gut gebrauchen. Denn der Betrieb verbraucht jedes Jahr gut 2,5 Millionen Kilowatt und setzt dafür nur Ökostrom ein.

          Im Gegensatz zu den S-Bahn-Zügen, die in der riesigen Halle gewartet und repariert werden. Der Strom, den sie aus der Oberleitung beziehen, stammt nämlich nicht aus Wasserkraftwerken oder Solaranlagen, sondern wird mit Gas oder Kohle hergestellt. Das ist eine Frage des Preises, wie auch das Beispiel der Stadt Frankfurt zeigt, die ihren U-Bahn- und Straßenbahn-Betrieb schon einmal ganz auf Ökostrom umgestellt hatte, dann aber zu einem guten Teil wieder zum günstigeren Kohlestrom aus dem Heizkraftwerk West zurückkehrte, weil das Defizit der Verkehrsgesellschaft immer größer wurde.

          Ambitionierte Öko-Ziele

          Auch die Bahn ist faktisch gezwungen, den billigeren Kohlestrom im S-Bahn-Verkehr einzusetzen. Denn die S-Bahn-Linien sind vom Rhein-Main-Verkehrsverbund (RMV) ausgeschrieben worden, und mit teurerem Ökostrom wäre die Bahn wohl von den Mitbewerbern ausgestochen worden. Immerhin hat sich der Konzern ambitionierte Öko-Ziele gesetzt: Bis zum Jahr 2030 will er 70 Prozent seines Strombedarfs mit erneuerbaren Energien bestreiten und seinen Ausstoß an Kohlendioxid im Vergleich zum Jahr 2006 um die Hälfte reduziert haben.

          In der S-Bahn-Werkstatt wird Umweltschutz und Nachhaltigkeit allerdings schon jetzt mit großen Buchstaben geschrieben. Die Bahn spricht von einer „grünen Werkstatt“, die seit Jahren konsequent klima- und umweltschonend ausgerichtet sei. „Grüner geht’s fast nicht“, sagt Werkstatt-Chef Marco Brands. Sein Betrieb gehört dem Unternehmensnetzwerk „Ökoprofit-Klub“ an, einem Kooperationsprojekt zwischen der lokalen Wirtschaft und der Stadt Frankfurt. „Wir wollen mit Ökoprofit den Betrieben zeigen, dass sich Umweltschutz und Energieeffizienz nicht nur für das Klima rechnen, sondern auch die Kosten senken“, sagt Florian Unger vom städtischen Energiereferat.

          Umweltschutz lohnt sich

          „Ökoprofit“ bedeutet, nicht nur ökologisch, sondern auch profitabel zu handeln. Das heißt für den Werkstattchef Brands und den Umweltkoordinator Rüdiger Furch, dass sie beim Umkrempeln des Betriebs auf Nachhaltigkeit auch auf das Geld schauen müssen. Längst wissen sie, dass sich Investitionen in den Umweltschutz und in Energiesparprojekte tatsächlich lohnen. 100 000 Euro spare die Werkstatt jetzt jedes Jahr bei den Stromkosten, berichtet Brands.

          Öffnen

          Energiesparen fängt dort beim Hallentor an, das in der kalten Jahreszeit nie lange offen steht, weil sich die Schnellroll-Tür zehn Sekunden nach der Nutzung wieder schließt. Und es geht weiter mit der Umrüstung der Halle auf eine LED-Beleuchtung, die Kosten spart, weil die Lampen viel länger halten. Jüngst hat die Werkstatt zudem eine Solarthermie bekommen, die das Wasser zum Duschen und Waschen erwärmt.

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