Die Finanzagentur des Bundes im Frankfurter Mertonviertel wird bald deutlich weniger Mitarbeiter haben. Von der Entscheidung des Bundesfinanzministeriums, über diese Institution kein direktes Geschäft mehr mit Privatkunden zu betreiben, sind knapp 200 der 300 Mitarbeiter betroffen, wie ein Sprecher auf Anfrage sagte. Sie kümmern sich um die Schuldbuchkonten, in denen Privatkunden, ähnlich wie in einem Wertpapierdepot, ihre Bundesanleihen, -schatzbriefe und anderen Produkte aufbewahren und verwalten können. Nach dem Willen des Finanzministerium sollen vom Ende dieses Jahres an keine solchen Konten mehr eröffnet werden können und die bestehenden abgewickelt werden.
Diese Abwicklung kann sich hinziehen, da es den 330.000 Kunden grundsätzlich freigestellt sein wird, ihre Konten weiterzuführen, bis alle darin aufbewahrten Produkte auslaufen. Das am längsten laufende Produkt, das theoretisch noch auf diesen Konten gehalten werden kann, ist nach Angaben des Sprechers der Finanzagentur eine bis Juli 2044 laufende Bundesanleihe. Vom Verhalten der Kunden hängt ab, wie viele Mitarbeiter für die Betreuung der Konten noch wie lange gebraucht werden. Ratschläge dazu, wie sich Kunden verhalten sollen, die noch Produkte der Finanzagentur haben, will die Institution voraussichtlich Anfang nächster Woche herausgeben.
Ab in den Vordertaunus?
Die Agentur erledigt die Kapitalmarktgeschäfte des Bundes und hat bisher außer von institutionellen Investoren wie Banken und Versicherungen auch von Privatanlegern Geld für den Bundeshaushalt eingesammelt, etwa indem sie Anlageprodukte wie den Bundesschatzbrief ausgegeben hat. Seit 2006 ist die Einrichtung als Gesellschaft mit beschränkter Haftung, also privatrechtlich, organisiert. Ähnlich wie bei dem einstigen Staatskonzern Post ist ein großer Teil der Mitarbeiter aber noch öffentlich bedienstet. Sie sind de facto beim Bundesamt für zentrale Dienste und offene Vermögensfragen beschäftigt und der Agentur nur „gestellt“, wie es im Fachjargon heißt.
“Wir werden mit der Finanzagentur besprechen, wie die Weiterbeschäftigung unserer Kollegen aussehen soll“, sagte eine Sprecherin des Bundesamtes in Berlin. Bislang gebe es noch keinen Zeitrahmen, wann welche Mitarbeiter wieder freigestellt würden. Sie zeigte sich aber zuversichtlich, dass jede der Kräfte eine Anschlussbeschäftigung bekommen werde. Das Bundesamt habe eine Reihe von Aufgaben in Bad Homburg, wo auch die Vorgängerinstitution der Finanzagentur, die Bundesschuldenverwaltung, ihren Sitz hatte.
Hier kümmert sich das Bundesamt zum Beispiel um Münzangelegenheiten, worunter etwa der Kauf von Rohmaterial für die Herstellung von Euromünzen fällt, sowie um die Ausschreibung von Wettbewerben zur künstlerischen Gestaltung von Sondermünzen. Auch das Bundesausgleichsamt, das ebenfalls in Bad Homburg sitzt, sei ein möglicher neuer Einsatzort.
Aus familiären Gründen?
Carl Heinz Daube, Geschäftsführer der Finanzagentur, hatte große Pläne, das Privatkundengeschäft zu erweitern. Noch bis vor kurzem sprach er von einem Ausbau der Produktpalette. Die jetzige Entscheidung des Finanzministeriums könnte der Hintergrund für seinen Anfang Juni überraschend bekanntgewordenen Rücktritt sein. Er selbst hatte von familiären Gründen gesprochen.
Unter Daubes Führung hatte die Agentur das Privatkundengeschäft ausgebaut, zum Beispiel 2008 mit der Einführung der Tagesanleihe, einer Art staatlich besicherten Tagesgeldkontos. Schildkröte „Günther“ wurde als Testimonial in der Werbung eingesetzt und stand zeitweise als Skulptur zwischen Bulle und Bär auf dem Frankfurter Börsenplatz, um das Produkt bekannt zu machen.
Anfang des Jahres schien die Einrichtung dann allerdings hoffnungslos überfordert mit der Umstellung auf das neue Geldwäschegesetz. Nicht zuletzt umständliche Kommunikation führte dazu, dass vielen Kunden die Konten gekündigt werden mussten.
Nachtigall ich hör Dir trappsen ... ... !
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- 05.07.2012, 17:38 Uhr