Die spannendste Frage lautet jetzt, da der Bund nicht mehr zum Kreis der Fraport-Besitzer zählt, wer dessen Anteile übernimmt. Es kann sein, daß die Papiere lediglich den Streubesitz erhöhen, was das Unternehmen selbst und alle anderen Anteilseigner freuen würde, weil dies tendenziell den Kurs begünstigt. Wahrscheinlicher scheint aber, daß es demnächst einen neuen Aktionär mit Gewicht geben wird. In der Wertschöpfungskette des Luftverkehrs haben zuletzt die Flughäfen besser verdient als die Luftverkehrsgesellschaften selbst - und zwar vor allem, weil sich erstere zunehmend zu Einkaufszentren mit angeschlossenem Flugbetrieb wandeln, während der Konkurrenzkampf unter letzteren immer härter wird. Wer nach einem sinnfälligen Beleg für die unterschiedliche Entwicklung sucht, kann den Aufwärtstrend der Fraport-Aktie mit dem Kursverlauf des Lufthansa-Papiers vergleichen, das mit gut elf Euro seit geraumer Zeit weit unter alten Höchstständen dümpelt.
Zu hören ist nun, daß die Lufthansa interessiert sei. Ein Einstieg des Konzerns wäre zwar einerseits ein Bekenntnis zu Frankfurt, wo die Gesellschaft ohnedies stärker vertreten ist als an ihrem Sitz in Köln; mit 35 000 Beschäftigten ist die Lufthansa sogar der größte Arbeitgeber Hessens. Andererseits aber wäre die Verbindung des Flughafenbetreibers mit seinem wichtigsten Kunden nicht unproblematisch, denn im Interesse der Fraport AG ist es erstens, alle Kunden in gleicher Weise zu behandeln, und zweitens, eigene Gewinne zu erwirtschaften und nicht durch niedrige Start- und Landegebühren einen Teil davon abzutreten.
In weiter Ferne steht die grundsätzliche, am Mittwoch von der FDP aufgeworfene Frage, ob sich die öffentliche Hand ganz vom Flughafen zurückziehen sollte. Denn das Land Hessen und die Stadt haben sich gegenseitig versprochen, bis 2011 die Mehrheit zu behalten. Dann sollte auch der Ausbau, der den Flughafen ohnedies in besonderer Weise zu einem politischen Unternehmen macht, abgeschlossen sein. Jedenfalls wird der Verkauf der Bundesanteile deutlich machen, daß die Welt nicht zusammenbricht, wenn der Staat seinen Einfluß zurücknimmt. Daß dies in Berlin nicht aus höherer Einsicht geschieht, sondern aus purer Not, ist eine andere Geschichte. MANFRED KÖHLER

