Home
http://www.faz.net/-gzg-6vpe0
Donnerstag, 20. Juni 2013
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, FRANK SCHIRRMACHER, HOLGER STELTZNER

Rot-Grün vorne Keine Mehrheit mehr für Schwarz-Gelb

 ·  In Hessen gibt es derzeit eine deutliche Mehrheit für Rot-Grün. Zwar bleibt die CDU die stärkste politische Kraft, aber sie liegt nur noch knapp vor der SPD.

Artikel Bilder (3) Lesermeinungen (0)

In Hessen gibt es derzeit eine deutliche Mehrheit für Rot-Grün. Zwar bleibt die CDU die stärkste politische Kraft, aber sie liegt nur noch knapp vor der SPD. Das ist das Ergebnis einer Umfrage der Mannheimer Forschungsgruppe Wahlen im Auftrag der Frankfurter Allgemeinen Zeitung und von Hitradio FFH. „Ähnlich wie im Bund erhält auch die schwarz-gelbe Regierung in Hessen - insbesondere die FDP - eine negative Leistungsbeurteilung“, sagte dazu gestern Matthias Jung, der Leiter der Forschungsgruppe Wahlen.

Laut Umfrage könnte die CDU, wenn morgen Landtagswahl wäre, mit 33 Prozent der Stimmen rechnen. Sie fiele damit um etwa vier Punkte hinter ihr Ergebnis bei der Landtagswahl 2009 (37,2 Prozent) zurück. Die SPD würde sich um knapp neun Punkte von 23,7 auf derzeit 32 Prozent verbessern. Hinzugewinnen würden auch die Grünen. Sie liegen bei 19 Prozent, gut fünf Punkte höher als bei der jüngsten Landtagswahl (13,7 Prozent).

Die Piraten kommen groß raus

Dramatisch ist der Absturz der FDP. Sie rangiert derzeit bei drei Prozent und käme auf weniger als ein Fünftel ihres Ergebnisses von 2009, als sie 16,2 Prozent erreichte. Die FDP wäre damit im Landtag nicht mehr vertreten, ebenso wie die Linkspartei, die auch drei Prozent erreicht (5,4 Prozent). Hingegen zögen die Piraten in den Landtag ein, sie liegen bei sechs Prozent.

Gefragt, wie zufrieden sie mit der Landesregierung seien, gaben die Befragten auf einer Skala von plus fünf bis minus fünf die Note minus 0,1. Dabei schneiden die von der CDU geführten Ressorts mit der Gesamtnote plus 0,1 besser ab als die FDP-Ministerien mit minus 1,3. Bei der Bewertung der Oppositionsarbeit schneiden die Grünen mit plus 0,5 etwas besser ab als die SPD mit plus 0,3. Die Linkspartei fällt mit minus 2,1 durch.

Tarek Al-Wazir liegt auf der Beliebtheitsskala weit vorne

Beliebtester Politiker ist der Landes- und Fraktionsvorsitzende der Grünen, Auf einer Skala von plus fünf bis minus fünf rangiert er bei plus 0,9. Der SPD-Vorsitzende Thorsten Schäfer-Gümbel liegt mit plus 0,3 knapp vor Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU) mit plus 0,2. Mit minus 0,4 erhält der FDP-Vorsitzende Jörg-Uwe Hahn den schlechtesten Wert der vier Landesvorsitzenden.

Auf die Frage, wen die Hessen am liebsten als Ministerpräsident hätten, liegt Bouffier mit 37 Prozent allerdings sowohl vor Schäfer-Gümbel (34 Prozent) als auch vor Al-Wazir (33 Prozent). Jeder zweite Befragte findet, Bouffier mache seine Sache „eher gut“. 31 Prozent finden, er sei als Ministerpräsident „eher schlecht“, 19Prozent sagen, sie wüssten es nicht.

Beliebtes Thema: Windenergie

Auf Zustimmung der Hessen stößt die Förderung der Windenergie. 44 Prozent der Befragten finden, der Ausbau der Windkraft solle noch stärker gefördert werden, 35 Prozent halten die gegenwärtige Förderung für genau richtig, und nur zwölf Prozent geht das Ganze zu weit. Diejenigen, die finden, die Windenergie gehörte noch stärker unterstützt, haben in allen politischen Lagern außer der CDU die Mehrheit. 84 Prozent der Befragten sagen, sie empfänden Windräder in der Landschaft nicht als störend. 14 Prozent finden Windräder nicht schön.

Gefragt, wie sie die wirtschaftliche Lage beurteilen, antworten die Hessen nach dem den Demoskopen vertrauten Muster: Die allgemeine Situation ist eher durchwachsen, aber mir geht es eigentlich ganz gut. Die Gesamtsituation sei gut, sagen 39 Prozent, 49 Prozent bewerten sie als teils-teils, elf Prozent empfinden sie als schlecht. Ihre eigene wirtschaftliche Lage beurteilen hingegen 51 Prozent als gut, 40Prozent halten sie für „so lala“, acht Prozent finden, sie sei eher schlecht.

Wirtschaftsaufschwung? - Eher weniger 

Dass es in Zukunft mit der Wirtschaft in Hessen aufwärtsgehe, erwarten 27 Prozent. 17 Prozent rechnen damit, es gehe eher bergab. Die Mehrheit, nämlich 52 Prozent, erwartet weder das eine noch das andere, sondern vermutet, es werde so bleiben. Bemerkenswerterweise sind die meisten Optimisten außer bei der CDU (36 Prozent) bei den Anhängern der Piratenpartei (35 Prozent) zu Hause.

Die Forschungsgruppe Wahlen hat in dieser Woche 1008 zufällig ausgewählte Wahlberechtigte in Hessen telefonisch befragt. Die Fehlermöglichkeit liegt zwischen zwei und drei Prozent nach oben wie nach unten.

  Weitersagen Kommentieren Merken Drucken
Weitersagen
Themen zu diesem Artikel

Der Krach als Chart

Von Helmut Schwan

Gründlichkeit vor Schnelligkeit - das Prinzip hat sich bewährt. Ein großer Wurf wird mit der Norah-Studie aber nur gelingen, falls die Resultate zu gesicherten Grenzwerten und einem neuen Schutzkonzept führen werden. Mehr