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Veröffentlicht: 17.05.2012, 14:07 Uhr

Rollstuhlbasketball „Wir schenken uns wirklich nichts“

Rollstuhl-Basketball ist hart und schnell: Der Frankfurter Sebastian Wolk hat im Olympia-Sommer Großes vor.

© Bergmann, Wonge Spitzenspieler: Mitglieder des RSV Frankfurt.

Sebastian Wolk hat viel zu tun in den kommenden Wochen und Monaten. An diesem Wochenende steht mit dem „Vier-Nationen-Turnier“ in Frankfurt ein wichtiger Termin an. Nicht nur weil der Wettbewerb der Frauen und Männer ein Testlauf für die im kommenden Jahr in Frankfurt stattfindenden Europameisterschaften im Rollstuhl-Basketball ist. Am Montag geht die Reise gleich weiter nach Manchester, wo der „Paralympic World Cup“ gespielt wird. Dann folgt am 9. Juni beim Hessentag in Wetzlar ein Länderspiel gegen Frankreich. Die Aufzählung ließe sich noch beträchtlich ausweiten, denn der Kalender des Frankfurters ist prallvoll und zielt auf die wichtigste Veranstaltung hin: die Paralympischen Spiele in London. Wolk ist Rollstuhl-Basketball-Nationalspieler und wird dort vom 29. August bis zum 9. September mit der deutschen Auswahl antreten. Das Ziel: „Eine Medaille“. Der Platz auf dem Siegerpodest ist keineswegs eine überzogene Wunschvorstellung. Denn bei der Europameisterschaft im vergangenen Jahr in der israelischen Stadt Nazareth sind die deutschen „Rollis“ Zweiter geworden.

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Sebastian Wolk ist 30 Jahre alt und spielt seit rund einem Dutzend Jahren Rollstuhl-Basketball. 1995 war ihm ein Tumor aus der Hüftgegend entfernt worden. Seitdem ist der Frankfurter gehbehindert - und einer von jenen Athleten, die zwar Sport in Rollstuhl betreiben, aber nicht auf ihn angewiesen sind. Gespielt hat der Erzieher zunächst in Darmstadt in einer Freizeitmannschaft, später bei den Mainhatten Skywheelers in der Bundesliga. Fünfte sind die Frankfurter geworden in dieser Saison - eine etwas enttäuschende Plazierung, weil die Mannschaft knapp an der Qualifikation für die Play-offs gescheitert ist; ganz ähnlich wie ihre Profikollegen von den Skyliners, welche in der Bundesliga die Runde der besten acht Teams verpassten.

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Wichtiges Turnier am Wochenende

Dafür haben Wolk und die deutschen Rollstuhl-Basketballspieler aber etwas geschafft, was ihren nichtbehinderten Kollegen verwehrt geblieben ist: die Startberechtigung für die Spiele in London. Bei den Rollis sind sowohl die Männer wie die Frauen in der Stadt an der Themse mit von der Partie. „Ansonsten sieht es im Behinderten-Sport aber ganz ähnlich aus wie bei den Nicht-Behinderten“, sagt Nicolai Zeltinger, der Bundestrainer der Rollstuhl-Basketball-Männer. Außer den beiden Basketballteams sei nur noch die Sitz-Volleyball-Nationalmannschaft qualifiziert. Ein Grund für die paralympische Qualifikation der Rollstuhl-Basketballer liegt sicher in den fast professionellen Strukturen, die in dieser Sportart in Deutschland herrschen. Zu den Ligaspielen des Meisters RSV Lahn-Dill, der von Bundestrainer Zeltinger trainiert wird und am Wochenende im Champions-League-Finale bei Galatasaray Istanbul triumphierte, kommen zu normalen Ligaspielen mehr als tausend Fans; bei den Saisonhöhepunkten können es gut und gerne viertausend Zuschauer sein. „Die Liga ist zudem spannend“, sagt Wolk, „die Leistungsdichte ist sehr hoch.“ Was er und sein Team wegen des verpassten Sprung in die Play-offs härter zu spüren bekommen haben, als es ihnen lieb war. Doch Männer wie Wolk wollen vor allem an einem gemessen werden: an ihrer Leistung. „Früher haben die Medien immer unsere Siege bejubelt; und wenn wir verloren haben, wurde dann über die Menschen geschrieben, die mit ihrem Leben etwas Gutes anfangen“, sagt Zeltinger. Das Klischee von den behinderten Freunden, die ein bisschen Rollstuhl-Basketball spielen, passt Wolk überhaupt nicht. „Wir schenken uns auf dem Feld wirklich nichts“, sagt er. Rollstuhl-Basketball sei ein dynamischer Sport, der Athletik und Können fordert: „Da fliegen die Stühle, da kracht man zusammen.“ Mit den bis zu 7000 Euro teuren High-Tech-Sportrollstühlen zaubern die Spieler eine Mischung aus Athletik und Tempo aufs Parkett. „Wir sind sehr schnell unterwegs“, sagt Wolk, der in seiner Mannschaft auf der Position des Power-Forward spielt. „Rollstuhl-Basketball ist ein absolutes Top-Produkt, das sich exzellent vermarkten lässt“, sagt Zeltinger. Tatsächlich hat sich mit der ING DiBa jener Sponsor der behinderten Basketballer angenommen, der auch die deutschen Korbjäger ohne Behinderung unterstützt. Zudem zeichnet sich beim paralympischen Turnier eine Berichterstattung über die Spiele der Rollis ab. Die ARD plane täglich mehr als sechs Stunden aus London zu übertragen, sagt Zeltinger. Und dass dort Basketballspiele um Medaillen ins Programm rutschen, ist alles andere als ausgeschlossen.

Wie gut die deutschen Mannschaften sind, wird sich vielleicht schon in Frankfurt beim Turnier am Wochenende zeigen. In der Carl-von-Weinberg-Schule kämpfen von Samstag an bei den Männern neben Deutschland Asienmeister Japan, Europameister England und das für die Paralympischen Spiele favorisierte Team aus den Vereinigten Staaten um den Einzug ins Endspiel am Sonntag (16.15 Uhr). Bei den Frauen treten Mannschaften aus Australien und den Niederlanden als Konkurrenten des deutschen Teams an. Ein Turnierhöhepunkt wird schon am Samstag geboten: Das Spiel zwischen den deutschen Frauen und denen aus den Vereinigten Staaten ist eine Neuauflage des WM-Finales von 2010, in dem die Amerikanerinnen 14 Sekunden vor Spielende den entscheidenden Korb zum knappen Sieg schafften. Das Finale der Frauen im Vier-Nationen-Turnier wird am Sonntag um 18.30 Uhr angepfiffen.

Quelle: F.A.Z.

 

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