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Rollstuhlbasketball Hessische Hausnummer

Der RSV Lahn-Dill aus Wetzlar im Finale um die Meisterschaft gegen die Skywheelers aus Frankfurt: In Sachen Rollstuhlbasketball ist kein Bundesland konkurrenzfähiger.

© imago sportfotodienst Vergrößern Zentrale Figur: Malik Zahery, der Trainer der Frankfurt Skywheelers, stimmt seine Spieler auf bevorstehende Aufgaben ein.

Eine Hessenauswahl für Deutschland bei den Olympischen Sommerspielen 2016 in Rio de Janeiro - das wünscht sich Andreas Joneck, der geschäftsführende Gesellschafter beim RSV Lahn-Dill, der Bundesliga-Spitzenmannschaft im Rollstuhl-Basketball. Und aus dieser Vision könnte tatsächlich Wirklichkeit werden, denn seit dem vergangenen Wochenende dominiert Hessen diesen Sport: Nach den Wetzlarern zogen auch die Mainhatten Skywheelers aus Frankfurt in das Finale um die deutsche Meisterschaft ein. Zurück blieben in Zwickau und dem Team Thüringen zwei Klubs, die massiv auf ausländische Spieler setzen. Im Finale um die Meisterschaft - das erste Spiel findet am 6. April in Frankfurt statt - wird allerdings ein gegensätzliches Modell zu sehen sein. „Es trifft die deutsche Nationalmannschaft der Frauen und Männer aufeinander“, sagt Pierre Fontaine, der Teammanager der Skywheelers. Von seinem Klub nahmen alle Spieler am zurückliegenden Lehrgang der Nationalmannschaft teil. Auch Lahn-Dill hat fünf Nationalspieler und zwei Nationalspielerinnen. Kein anderes Bundesland kann da mithalten. „Hessen ist eine Hausnummer in unserem Sport“, sagt Fontaine.

Gemeinsam mit Wetzlar ist Frankfurt paralympischer Trainingsstützpunkt, beide Seiten achten einander. Fontaine spricht sogar von einer Art „Nichtangriffspakt“. Die erklärte Absicht ist es, offen und fair miteinander umzugehen. Die deutlich besseren wirtschaftlichen Möglichkeiten hat Lahn-Dill, trotz mancher Gemeinsamkeit ist das der große Unterschied zwischen den Anführern aus Hessen. Über eine halbe Million Euro - diesen stolzen Etat haben sich die Wetzlarer, die neunmaliger deutscher Meister und Pokalsieger sind, sprichwörtlich verdient. Sie können sich sogar zwei Vollprofis leisten: den Amerikaner Michael Paye und den Engländer Joe Bestwick. Alle anderen Teammitglieder erhalten ebenfalls ein „kleines Salär“, wie es Joneck ausdrückt. Seinen Zuschauerschnitt steigerte der Weltpokalsieger von 2010 in dieser Saison auf 1400; dass in der Bundesliga diesmal die Spannung größer war, kam beim Publikum gut an. Nach der Hauptrunde war Lahn-Dill nur Dritter - mit drei Niederlagen.

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Unberechenbarkeit der Mannschaft

Sogar sechs Niederlagen leisteten sich die Frankfurter, die im Halbfinale dennoch den Spitzenreiter Zwickau aus dem Rennen warfen. Der scheiterte nach dem 54:52 im Hinspiel am Main auch an seiner Überheblichkeit. So verkauften die Sachsen schon vor dem zweiten Duell Bustickets für das Meisterschaftsfinale; das war ein zusätzlicher Ansporn für den engagierten Außenseiter, der dann 70:66 gewann. Zwickau sei ein „professioneller Verein“, sagt Fontaine. „Ich frage mich auch immer, wie sie das finanzieren.“ Der Endspielteilnehmer, der als RSC Frankfurt dreimal deutscher Meister wurde, kommt mit einem Budget von 35 000 bis 40 000 Euro aus. Zu verdienen gibt es für die Spieler nichts. Von ihnen beklagt sich jedoch keiner, ganz im Gegenteil. Sebastian Wolk, der ein Führungsspieler ist, will den Zusammenhalt nicht missen. Daher konnte ihn so manches Angebot auch nicht aus Frankfurt weglocken. „Sebastian hätte gut zu uns gepasst“, findet Joneck. Lahn-Dill aber buhlte offenbar nicht um den Nationalspieler, weil dessen Wechsel Frankfurt „an den Rand des Aus“ gebracht hätte.

Malik Zahary, der mit Nora Schratz das Trainergespann der Skywheelers bildet, schwärmt hingegen von der Unberechenbarkeit seiner Mannschaft. Den Ball zu teilen und nicht abhängig von einem einzelnen Spieler zu sein - so lautet das Motto des Vereins mit dem großen Teamgeist. Die Frankfurter verzichten auch auf Spieler aus dem Ausland, „bei uns entstehen die Dinge aus uns heraus“, sagt Zahary. Die Weiterentwicklung ist jedenfalls rasant, überzeugen die Skywheelers doch mit schnellem und aggressivem Spiel. Im Finale haben sie wohl mehr als eine Außenseiterchance. Vor kurzem lagen sie in Wetzlar schon 31:7 vorne, bevor Frankfurt Angst vor der eigenen Courage bekam und die Begegnung noch verlor.

Für Fontaine ist das hessische Titelduell ein Glücksfall. Als Organisationschef der Europameisterschaft Ende Juni in Frankfurt in der Eissporthalle kann er sich eine bessere Werbung für den internationalen Titelkampf nicht vorstellen. An ihm werden die hessischen Spieler in großer Zahl beteiligt sein. Das Kommando gibt dann Bundestrainer Nicolai Zeltinger, der auch Lahn-Dill betreut. „Für mich ist es schön, dass im Meisterschaftsfinale so viele Nationalspieler dabei sind“, sagt er. Gegen die Wetzlarer in die Ballsporthalle umzuziehen, das haben die Skywheelers überlegt. Nun bleiben sie aber doch in der Franz-Böhm-Sporthalle. Denn seinen Heimvorteil im hessischen Zweikampf um den Titel will Frankfurt nicht gefährden.

Quelle: F.A.Z.

 
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