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Rollstuhlbasketball-EM Mutige Prognosen und ein erster Dämpfer

 ·  Bundespräsident Gauck eröffnet in Frankfurt die EM im Rollstuhlbasketball. Die deutschen Herren starten mit 51:74 gegen Großbritannien. Nur spärlich besucht ist die Halle am Ratsweg.

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© dpa Vergrößern Tempomacher: Die Rollstuhlbasketball-EM in Frankfurt soll der Sportart einen Schub verleihen.

Seit dem vergangenen Jahr, seit den Paralympischen Spielen in London, sei er gewissermaßen infiziert, sagte Joachim Gauck am Freitagabend in Frankfurt. „Ich habe mich anstecken lassen“, berichtete der Bundespräsident in der Eissporthalle am Ratsweg. Er war hier, um die Europameisterschaft im Rollstuhlbasketball zu eröffnen, und dass er wusste, was ihn erwartet, lag an London 2012, als auch er sich von den Spielen zwischen den Körben mitreißen ließ. Wie so viele damals. Auch Jan Berteling, der Präsident des Europäischen Rollstuhlsport-Verbandes, hieß die zwanzig Mannschaften willkommen, und der ist natürlich von Amts wegen schon länger Experte auf diesem Gebiet.

Dass der Bundespräsident nach Frankfurt kam, passte in eine Reihe von Hinweisen, dass hier einerseits ein kontinentales Turnier stattfindet, andererseits aber auch eine neue Stufe der Weiterentwicklung in Aussicht steht. Diese 21. Europameisterschaft hat mit den Anfängen, also etwa mit dem ersten Kräftemessen dieser Art 1970 in Brügge, nicht mehr allzu viel gemein. Zu verdanken ist das aus deutscher Sicht den Paralympics im vergangenen Jahr. Vor allem der Endspielsieg der deutschen Frauen gegen Australien wirkte wie der Beginn einer möglichen Zeitenwende. Zuschauerzahlen um 15.000 waren keine Seltenheit, und sie zeigten, was möglich sein kann.

© dpa Vergrößern „Frankfurt dreht am Rad“: Junge Rollstuhlbasketballer bei der Eröffnungsfeier in der Eissporthalle.

Frankfurt wird, gemessen daran, natürlich nicht mithalten können, auch wenn schon über 5000 Dauerkarten verkauft wurden. Ulf Mehrens, der Vorstandsvorsitzende des Deutschen Rollstuhl-Sportverbandes, sagt: „Das Interesse an diesem Turnier ist enorm.“ Und das sogar beim Fernsehen. Die ARD und der Hessische Rundfunk berichten ausführlich, und vom Viertelfinale an planen sie Live-Übertragungen. Das hat es bei Spielen auf deutschem Boden noch nicht gegeben. „Die Veranstaltung könnte ein Meilenstein für den Behindertensport in Deutschland bedeuten“, sagt Mehrens.

Früher Dämpfer: nur spärlich besuchte Eröffnungsfeier

Dazu soll, geht es nach den Beteiligten, auch der Zuschauerzuspruch zählen, der sich an der EM 2007 in Wetzlar orientiert. Damals kamen - in dieser Hochburg des deutschen Rollstuhlbasketballs - an neun Wettkampftagen insgesamt 32.000 Zuschauer. Diesmal sollen es ein paar mehr werden - bei zehn Tagen, an denen gespielt wird. Die Zufriedenheit dürfte bei einer Zahl über 35.000 beginnen. Diese Marke wirkt allerdings nach der Eröffnung wesentlich optimistischer als davor, denn die eigens umgerüsteten Tribünen in der Eissporthalle waren nur spärlich besetzt. Es war ein früher Dämpfer bei einer ambitionierten Veranstaltung.

Den deutschen Damen werden allgemein größere Chancen eingeräumt, im Turnier sehr weit zu kommen, denn sie sind nicht nur Olympiasieger, sondern auch achtmaliger Europameister. Deutschland gewann die vergangenen sechs Titelkämpfe, ein größerer Favorit ist also kaum denkbar - auch wenn der Bundestrainer Holger Glinicki warnt, die starken Niederländerinnen nicht außer Acht zu lassen. Das Nachbarland gilt als Vorbild in Sachen Professionalisierung, dort wird wesentlich mehr investiert als in Deutschland, und eine Wachablösung wäre bei diesen Bedingungen längst keine Überraschung mehr.

Deutsche Männer haben den Titel noch nie geholt

Die deutschen Männer, trainiert von Nicolai Zeltinger aus Wetzlar, haben den Titel dagegen noch nie gewonnen. Zweimal Platz zwei, dreimal Platz drei - Basketball-Großmächte haben andere Bilanzen. Hier ist eine Medaille das Ziel, mehr wäre vermessen. Schon der starke Auftaktgegner Großbritannien am Freitagabend war ein schwereres Kaliber, am Ende stand eine 51:74-Niederlage. Was keine allzu große Überraschung war, denn die Briten haben bei der bislang letzten EM 2011 in Nazareth den Titel gewonnen - im Finale gegen Deutschland.

Sei’s drum, bis zum Finalwochenende in einer Woche werden alle Männer-Mannschaften aus den beiden Sechsergruppen fünf Spiele in den Knochen haben, die besten vier erreichen jeweils das Viertelfinale. Dann werden die Karten neu gemischt. Bei den Frauen besteht das Feld aus zwei Vierer-Gruppen. Erster deutscher Gegner an diesem Samstag ist Frankreich. Bundestrainer Glinicki sagt, Großbritannien, die Niederlande und sein Team können den Titel holen, darüber hinaus sei kein ernsthafter Rivale in Sicht. Was die Gruppenspiele betrifft, legt er sich schon mal fest: „Wir werden überlegen Erster.“ Und im Viertelfinale werde seine Mannschaft nur dann scheitern, wenn sie ganz viel falsch mache. Er rechnet nicht damit. Das kann ja heiter werden für die Konkurrenz. Den Machern bei dieser WM wäre das nur recht.

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