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Römisches Theater in Mainz Die Mauer ist weg

Am Bahnhof „Römisches Theater“ in Mainz entsteht ein Schaufenster in die Vergangenheit. Das rund 2000 Jahre alte Bühnentheater soll einst das größte nördlich der Alpen gewesen sein.

© Kretzer, Michael Vergrößern Im Vorbeifahren: Aus dem Zug können Reisende in Mainz einen Blick auf Reste des römischen Theaters werfen.

Man darf es getrost eine Herkulesaufgabe nennen, wenn zwei rüstige Pensionäre innerhalb weniger Wochen eigenhändig eine sechs Meter hohe Wand abtragen und dabei rund 100 Tonnen Gestein bewegen. Seit gestern ist das Werk so weit beendet, dass Reisende - wenn sie in einem Zug sitzen, der am Mainzer Bahnhof „Römisches Theater“ vorbeikommt - en passant einen Blick auf die Reste des gut 2000 Jahre alten Bühnentheaters werfen können. Es soll einst das größte nördlich der Alpen gewesen sein.

Weil Gerd Rupprecht und Hans Marg, der Vorsitzende der Initiative Römisches Mainz und sein Stellvertreter, nicht nur geschickte Handwerker, sondern zudem findige Geschäftsleute sind, haben sie ihren Steinbruch „vergoldet“. Wer Interesse hatte, durfte sich einen der behauenen Quader mit nach Hause nehmen; musste allerdings für jeden Stein aus der nicht mehr benötigten Stützmauer am Bahnsteig 4 fünf Euro spenden. So kamen, wie Rupprecht gestern berichtete, mehr als 2000 Euro zusammen, die nun für andere Projekte im römischen Mainz verwendet werden sollen.

Römisches Erbe in der Landeshauptstadt

Dass die nicht mehr benötigte Stützmauer aus dem Jahr 1884 fallen konnte, sei einer einmaligen Gelegenheit geschuldet gewesen, erklärte Denkmaldezernentin Marianne Grosse (SPD): der barrierefreien Umgestaltung des Haltpunkts durch die Bahn. Parallel zu den Arbeiten an Gleis 4 erhielten Stadt und Initiative die Erlaubnis, den lange gehegten Plan zu realisieren und für freie Sicht auf die 2000 Jahre alte Spielstätte zu sorgen. Irgendwann einmal sollen Glaselemente zwischen Bahnsteig und Bühne dafür sorgen, dass man die Vergangenheit wie in einem Schaufenster präsentieren könne, so Rupprecht, der sich dort auch kleine Kulturveranstaltungen vor bis zu 500 Zuschauern vorstellen kann. Bis es so weit ist, wird ein Gitterzaun genügen müssen.

In den nächsten Monaten soll die Anlage zunächst sauber gemacht werden, kündigte Rupprecht an. Für den unteren Teil sei eine modellhafte Rekonstruktion vorstellbar, die weiter oben am Hang gelegenen Abschnitte will man dagegen weitgehend unverändert lassen. Letztlich gehe es darum, „dass das Ganze sprechend wird“, sagte der frühere Landesarchäologe, der sich seit einem Jahr ehrenamtlich im Auftrag der Stadt Mainz um das römische Erbe kümmert.

Dazu gehören etwa der Drususstein in der Zitadelle, dessen Schäden in den vergangenen Monaten genau ermittelt wurden, sowie die Römersteine genannten Reste eines Aquädukts, von denen mittlerweile ein Viertel der 60 noch vorhandenen Stützen konserviert worden sind. Nebenbei arbeitet der Achtundsechzigjährige gleich an mehreren Publikationen zur Geschichte der 2000 Jahre alten Stadt. Doch weil er immer damit rechnen muss, unerwartet vor bis dato nicht gekannten Fundstelle zu stehen, will sich Rupprecht auch als Autor nicht in ein starres Zeitkorsett pressen lassen.

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Quelle: F.A.Z.

 
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