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Rocker-Protestfahrt : An den Höllenengeln scheiden sich die Geister

  • -Aktualisiert am

Lautstarke Demonstration: 300 Rocker und andere Motorradfans beim „City Run“ in Frankfurt Bild: Hoang Le, Kien

Lautes Knattern und der beißende Geruch von Benzin liegen in der Luft, Ledermonturen, so weit das Auge reicht. Motorrad-Fans fahren im „City Run“ durch die Frankfurter Innenstadt. Aus Protest.

          Lautes Knattern und der beißende Geruch von Benzin liegen in der Luft, Ledermonturen, so weit das Auge reicht. Um Punkt zwei Uhr lassen ein paar hundert Biker die Motoren ihrer Harleys aufheulen und fahren mit ohrenbetäubendem Dröhnen los. Vor dem Gelände der „Harley-Factory“ in Fechenheim stehen zahlreiche Schaulustige und Pressefotografen Spalier und lassen den Korso auf die Wächtersbacher Straße passieren. Dort reihen sich die Motorräder in eine lange Zweierkolonne, eskortiert von der Polizei.

          Mehr als 300 Motorrad-Fans sind am Samstag zur gemeinsamen Motorradfahrt durch die Frankfurter Innenstadt zusammengekommen. In den vergangenen fünf Jahren hatte diese Fahrt „Crime City Run“ geheißen und war vom Rocker-Klub Hells Angels organisiert worden. Dieses Jahr heißt sie nur noch „City Run“ und ist eine Protestfahrt gegen die „Kriminalisierung und Verbote von Motorradclubs“. Auch wenn es offiziell nicht erwähnt wird, der Hintergrund der Demonstration ist das Verbot der beiden in Frankfurt ansässigen Vereine der „Höllenengel“. Startpunkt der Fahrt ist ein von dem Motorradhändler „Harley-Factory“ organisiertes Sommerfest - wobei der Ladenbesitzer betont, dass er für den „City Run“ zwar sein Gelände zur Verfügung stelle, mit der Organisation der Fahrt aber nichts zu tun habe. Zum Protest-Motto will er keinen Kommentar abgeben.

          Thanksgiving-Essen für Obdachlose

          “Mir wird die Mitfahrt durch diesen Hintergrund unmöglich gemacht“, sagt ein vierundfünfzigjähriger Jurist, der namentlich nicht genannt werden will. Durch Zufall habe er aus der Presse erfahren, dass die Fahrt eine Demonstration gegen die Hells-Angels-Verbote sei. Er hält es für einen geschickten Schachzug der Rocker, die Fahrt kurzfristig zur Protestfahrt in eigener Sache umzufunktionieren. „In den Zeitungen wurde der Eindruck erweckt, dass alle, die hier am Sommerfest oder am ,City Run’ teilnehmen wollen, etwas mit den Hells Angels am Hut haben“ - das sei aber nicht der Fall. Viele seien lediglich begeisterte Motorradfahrer und würden an diesen gemeinsamen Ausfahrten aus reinem Spaß an der Freude mitmachen, sagt der Anwalt. An der Ausfahrt nimmt er nicht teil, weil er „für Verbrecher“ auf keinen Fall fahren will.

          “Die Hells Angels machen auch viele gute Sachen, etwa Thanksgiving-Essen für Obdachlose. Sie setzten sich auch gegen Kindsmissbrauch ein“, sagt dagegen Thomas, ein Fünfundvierzigjähriger, der seinen Nachnamen nicht nennen möchte. Am „City Run“ nimmt er teil, weil er die Verbote der beiden Frankfurter Vereine für politische Stimmungsmache hält: „Die Hells Angels wurden für Herrn Rheins Oberbürgermeisterwahlkampf instrumentalisiert. Die beiden Vereine waren keine Verbrechervereinigung.“

          Ohne Zwischenfälle

          Nach der Fahrt, die von Fechenheim über Sachsenhausen ins Bahnhofsviertel und wieder zurück führt und bei der es laut Polizei zu keinen Zwischenfällen kommt, versammeln sich die Fahrer wieder beim Sommerfest der „Harley Factory“. Eine Band spielt Johnny-Cash-Songs, einige Kinder toben auf dem Rasen. Neben dem Stand „Hells Angels Hot City Support“ steht ein weiterer mit dem Namen „Biker gegen Kinderpornografie und Missbrauch“.

          Ein Sprecher des „City Run“ nennt die Fahrt schließlich einen Protest gegen die Behörden, die die Motorradclubs und die Biker-Kultur unter Generalverdacht gestellt hätten. Wer nicht ins Grundschema passe, werde einfach kriminalisiert, fügt er an. Er wolle sich weiter „für eine freie Zukunft“ einsetzen.

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