http://www.faz.net/-gzg-755bv
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, JÜRGEN KAUBE, BERTHOLD KOHLER, HOLGER STELTZNER

Veröffentlicht: 17.12.2012, 23:31 Uhr

Riedstadt Erste Imam-Schule in Deutschland eröffnet

Die Ahmadiyya-Glaubensgemeinschaft bildet künftig in Riedstadt im Kreis Groß-Gerau deutschsprachige Imame für ihre Gemeinden aus. Es sei die erste ihrer Art in Deutschland, heißt es.

von Janek Rauhe
© Kaufhold, Marcus Gelehrig: Die Iman-Schüler in Riedstadt sind 16 bis 19 Jahre alt, wenn sie ihr Studium aufnehmen - die meisten sind in Deutschland aufgewachsen

Die muslimische Ahmadiyya-Glaubensgemeinschaft bildet künftig in Riedstadt im Kreis Groß-Gerau deutschsprachige Imame für ihre Gemeinden aus. Nun wurde die nach Angaben der Gemeinschaft erste Imamschule in Deutschland eröffnet. Mit der Verlesung von Koranversen wurde das Gebäude am Alten Grenzstein im Riedstädter Gewerbegebiet geweiht. Der mit Spenden und Mitgliedsbeiträgen finanzierte Bau grenzt an die Riedstädter Moschee an, die auch von Ahmadiyya genutzt wird. Innerhalb von sieben Jahren können in der Schule bis zu 120 Studenten zu islamischen Geistlichen ausgebildet werden. Vier Millionen Euro hat Ahmadiyya in das Projekt investiert. Außer dem Lehrgebäude, das über eine Aula, eine Bibliothek und eine Mensa verfügt, umfasst der Gebäudekomplex ein Internat, in dem die Studenten während der Ausbildung leben. Derzeit hat die Schule 80 Studenten und zwölf Lehrer.

Das geistliche Oberhaupt von Ahmadiyya, Kalif Hadhrat Mirza Masroor Ahmad, hat in seiner Rede vor den Schülern die künftigen Imame dazu aufgerufen, auf die Menschen in Riedstadt und Hessen zuzugehen, um ihnen mögliche Ängste zu nehmen. „Wir sind keine Taliban. Der Islam befindet sich nicht im Krieg mit anderen Religionen und Kulturen.“ Ahmadiyya stehe für einen toleranten und friedlichen Islam.

„Meilenstein in Geschichte des deutschen Islams“

“Der Islam ist aus Deutschland und Hessen nicht mehr wegzudenken“, sagte der Staatssekretär im Integrationsministerium, Rudolf Kriszeleit (FDP). Die Imam-Ausbildung im Land sei daher ein wichtiger Schritt zur Integration von Muslimen in die Gesellschaft. Der Bundesvorsitzende der Ahmadiyya-Gemeinden in Deutschland, Abdullah Uwe Wagishauser, bezeichnete den Bau der Schule als Meilenstein in der Geschichte des deutschen Islams. „Die Studenten sind hier aufgewachsen und verstehen sich als Deutsche.“ So könnten sie Brücken zwischen den Religionen bauen.

Mehr zum Thema

Die Studienanfänger sind zwischen 16 und 19 Jahre alt. Die meisten von ihnen sind laut Ahmadiyya in Deutschland aufgewachsen, einige kommen aus anderen europäischen Ländern. In vier bis fünf Klassen studieren die künftigen Imame in Riedstadt den Koran, lernen Arabisch, Englisch, Deutsch und Urdu, die Amts- und Verkehrssprache in Pakistan. Auf dem Lehrplan stehen zudem Vergleichende Religionswissenschaft und deutsche Geschichte. Die Ahmadiyya-Gemeinschaft wurde in Indien gegründet und ist eine gemäßigte Glaubensrichtung innerhalb des Islams. Mehr als die Hälfte der deutschlandweit etwa 30.000 Mitglieder lebt laut Ahmadiyya in Hessen.

Quelle: F.A.Z.

 

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
Imame in Deutschland Im Namen Erdogans

Welcher Islam in Deutschland gepredigt wird, steuert die türkische Religionsbehörde. Viele Imame, die nach Deutschland geschickt werden, können gar nicht anders, als eine regierungsnahe Agenda zu verfolgen. Mehr Von Karen Krüger

02.05.2016, 06:36 Uhr | Feuilleton
Ausweitung Kabinett billigt Mutterschutz für Studentinnen

Die Bundesregierung will den gesetzlichen Mutterschutz ausweiten: Der vom Kabinett verabschiedeter Gesetzentwurf sieht vor, dass von den Schutz-Regelungen auch Frauen in Studium, Ausbildung und Schule profitieren sollen. Mehr

04.05.2016, 16:45 Uhr | Politik
Erdogans verlängerter Arm? In Deutschland predigen 970 aus der Türkei entsandte Imame

Die türkische Religionsbehörde hat zahlreiche Imame nach Deutschland entsandt. Grünen-Chef Cem Özdemir warnt vor ihrem Einfluss und Versuchen, mit radikalem Gedankengut den gemäßigten Islam im Land zurückzudrängen. Mehr

24.04.2016, 19:27 Uhr | Politik
Mysteriöses Verschwinden Schicksal der 43 vermissten Studenten im Mexiko weiter ungeklärt

Der Fall der 43 vermissten Studenten hat Mexiko noch immer fest im Griff. Am Mittwoch haben Experten einer unabhängigen Menschenrechtskommission ihren Abschlussbericht vorgelegt. Darin heißt es, die Regierung habe versucht ihre Untersuchung zu stören. Mehr

28.04.2016, 17:47 Uhr | Gesellschaft
Moscheeverband Ditib Ditib kritisch beobachten

Die Türkei nehme Einfluss auf den Islam-Unterricht in Deutschland, kritisiert der SPD-Abgeordnete Yüksel. Der hessische Ditib-Verband weist die Kritik entschieden zurück. Mehr Von Stefan Toepfer und Ralf Euler, Rhein-Main

27.04.2016, 08:28 Uhr | Rhein-Main

Nicht ohne politische Mitstreiter

Von Michael Hierholzer

Ina Hartwig soll die neue Kulturdezernentin in Frankfurt werden, wenn es nach der SPD geht. Dass sie politisch unerfahren ist, könnte auf dem Posten seine Schwierigkeiten bergen. Mehr 0

Abonnieren Sie unsere Rhein-Main Newsletter

  • Newsletter auswählen

    Newsletter auswählen