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Veröffentlicht: 19.04.2016, 13:31 Uhr

Frankfurt-Riederwald Autobahnkreuz ohne Anschluss

Am Riederwald wird fleißig gebaut: nicht am Tunnel, sondern am Kreuzungsbauwerk. Ende nächsten Jahres ist es fertig. Dann steht es ein Jahrzehnt lang nutzlos herum.

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© Helmut Fricke Auf Lücke gebaut: Wo die Autos einmal in den Riederwaldtunnel fahren sollen, klafft ein großes Loch

Der Riederwaldtunnel ist ferne Zukunft. Frühestens 2025 werden Autos durch die geplante Röhre im Frankfurter Osten zwischen der künftigen Anschlussstelle Borsigallee und dem neuen Autobahndreieck Erlenbruch fahren. Aus 2025 könnte durchaus auch 2027 oder 2028 werden, denn noch nie in den 35 Jahren, in denen das Projekt mittlerweile läuft, ist der Terminplan eingehalten worden.

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Das riesige Kreuzungsbauwerk freilich, über das die Autobahnen A 66 und A 661 verknüpft werden sollen, könnte dagegen schon Ende nächsten Jahres fertig sein. Dann würde es ungefähr ein Jahrzehnt ohne Verwendung neben dem FSV-Stadion Regen, Schnee, Hitze und Sturm trotzen - ein Mahnmal dafür, dass Großprojekte wie ein Tunnel heutzutage eigentlich nicht mehr durchzusetzen sind. Zum Glück wird das mehrstöckige Bauwerk aus solidem Beton gegossen, der an die 100 Jahre halten soll und dem die zehn Jahre auf freiem Feld nach Angaben der Planer von der Straßenverwaltung Hessen Mobil nichts anhaben werden.

Verzögerungen beim Riederwaldtunnel

Dasselbe gilt für die Brückenpfeiler, die für die Verbreiterung der A 661 gebaut wurden oder noch werden. Auch bei diesem Projekt gilt der Grundsatz: erst die Bauwerke, dann die Straße. Angesichts der unendlichen Verzögerungen beim Riederwaldtunnel kann man übrigens den Planern einer Einhausung der A 661 und der damit verbundenen Schaffung eines neuen Stadtteils vor allem Glück und Geduld wünschen.

Die Straßenverwaltung Hessen Mobil als Bauherr des Riederwaldtunnels hat in der Geschichte dieses Bauwerks schon viele Niederlagen erlitten. Immer wieder verzögerte sich das Vorhaben, weil Anwohner erfolgreich geklagt hatten und immer wieder Pläne geändert werden mussten. Der letzte Schlag erfolgte Ende 2015: Das hessische Verkehrsministerium ließ den Bau des Tunnels um mindestens zwei Jahre verschieben, weil man sich rechtlich auf unsicherem Boden wähnte.

Nun soll es eine neue Verkehrsuntersuchung geben, in der die Planer das Bevölkerungswachstum Frankfurts in den vergangenen Jahren berücksichtigen und die zu erwartenden Lärm- und Schadstoffwerte neu kalkulieren. „Rechtssicherheit“ lautet das Ziel, wie Projektleiter Jürgen Semmler von Hessen Mobil jüngst sagte.

Das neue Autobahnkreuz, das Herzstück des Riederwald-Projekts, weil dort in komplizierten Verschlingungen die Verkehrsströme verteilt werden, besteht zurzeit im Wesentlichen aus einem riesigen Loch. Dessen Ränder sind durch Spundwände abgesichert, die im vergangenen Jahr in die Erde gerammt wurden. Der Boden, der danach ausgehoben wurde, bildet auf der anderen Seite der A 661, die zur Zeit provisorisch um das Riesenloch des Autobahndreiecks herumgeleitet wird, große Halden.

Auf der Baustelle hieven drei Kräne Moniereisen und Verschalungen in das Loch, aus dem sich mittlerweile zwei 100 Meter lange und zehn Meter hohe Betonwände erheben. Sie markieren die Einfahrt von Norden in das Bauwerk. Am Ende dürften diese Mauern 200 Meter lang sein, die Eisengeflechte, die später dem Beton Stabilität geben sollen, sind schon weitgehend plaziert. Es geht also zumindest an dieser Stelle des Großprojekts zügig voran. Völlig legal übrigens, denn der Planfeststellungsbeschluss liegt seit 2007 vor. Gegen ihn wird zwar geklagt, doch es liegt die Erlaubnis zum Sofortvollzug vor.

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Wenn das Kreuzungsbauwerk Ende nächsten Jahres fertig ist, stehen Semmler zufolge während der nächsten zwei bis drei Jahre Kanal- und Leitungsarbeiten an. Über drei Brücken werden Gas- und Kommunikationsleitungen auf Sondertrassen über den künftigen Tunnel geführt, zudem werden links und rechts der Röhre neue Entwässerungskanäle angelegt. Mit dem Bau des Tunnels kann nach jetziger Planung Ende 2018 begonnen werden, am Ende steht die Errichtung einer neuen Anschlussstelle an der Borsigallee auf dem Plan.

Der ganze Zeitplan hängt aber davon ab, wann das Planänderungsverfahren rechtssicher ist. Die neuen Unterlagen sollen öffentlich ausgelegt werden, es soll Bürgeranhörungen geben. Das könnte Ende dieses Jahres oder Anfang 2017 der Fall sein. Im günstigsten Fall gibt es 2018 einen Planfestellungsbeschluss, läuft es dagegen für Hessen Mobil schlecht, erlässt ein Gericht zusätzliche Auflagen, die naturgemäß Verzögerungen bedeuten würden. Denn gegen die neuen Pläne kann geklagt werden.

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