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Rhön : Der Schlüssel zum Nationalpark liegt in München

Heimische Vierbeiner: Rhönschafe sind nach dem Mittelgebirge benannt, das teilweise zum Nationalpark werden könnte. Bild: dpa

In einem länderübergreifenden Projekt sehen Hessen und Bayern gute Chancen für die strukturschwache Rhön. Doch noch ist nichts entschieden.

          Die Frage, ob Hessen nach der Kellerwald-Edersee-Region einen zweiten Nationalpark erhält, wird maßgeblich in München beantwortet. Die CSU-geführte Bayerische Staatsregierung hätte gern einen Nationalpark Rhön, aber Bayern verfügt nur über maximal 9000 der für nötig erachteten 10 000 Hektar Fläche. Deshalb soll Hessen sich an dem Projekt beteiligen. Es wäre der erste länderübergreifende Nationalpark. Mögliche Flächen dafür liegen rund um Gersfeld am Fuß der Wasserkuppe, entweder südlich der Stadt auf dem Truppenübungsplatz Wildflecken oder östlich rund um das Rote Moor.

          Ralf Euler

          Korrespondent der Rhein-Main-Zeitung in Wiesbaden.

          Wo Bayerns dann dritter Nationalpark, neben dem Bayerischen Wald und den Berchtesgadener Alpen, entsteht, ist allerdings noch offen. Derzeit wird in München zweigleisig geplant: Entweder soll das Vorhaben in der unterfränkischen Rhön oder aber in den Donau-Auen bei Neuburg realisiert werden. Der dritte Nationalpark ist ein Prestigevorhaben der Bayerischen Staatsregierung, die beweisen möchte, wie sehr ihr der Naturschutz am Herzen liegt.

          Protest von Forst- und Jagdverbänden

          Im August kamen die Ministerpräsidenten und Umweltministerinnen von Hessen und Bayern, Volker Bouffier (CDU), Horst Seehofer (CSU), Priska Hinz (Die Grünen) und Ulrike Scharf (CSU) in Berlin zusammen. Dabei vereinbarten sie eine derzeit noch laufende fachliche Prüfung aller möglichen Optionen eines länderübergreifenden Nationalparks in der Rhön. Ministerpräsident Seehofer ist ein vehementer Befürworter eines solchen Projekts, grundsätzliche Zustimmung kommt auch von Naturschutzorganisationen, Protest hingegen von Forst- und Jagdverbänden. Anfang November informierte Hessens Umweltministerin Hinz in Fulda Politiker, Waldbesitzer, Landwirte und Naturschützer aus der Region über den Stand der Gespräche. Hinz vertrat dabei die Auffassung, dass ein möglicher grenzüberschreitender Nationalpark eine große Chance für die Region sein könnte.

          Mit der vereinbarten fachlichen Prüfung sei keine Entscheidung vorweggenommen oder ein förmliches Verfahren eingeleitet, teilte die Umweltministerin dann im Oktober in Beantwortung einer SPD-Anfrage im Landtag mit. Die Prüfung umfasse auch die Abschätzung möglicher positiver und negativer Folgen, die die Schaffung eines Nationalparks haben könnte. Hessen und Bayern seien sich zudem einig, dass keine Festlegungen getroffen würden, die in der Region auf Ablehnung stießen.

          Nationalpark könnte mehr als 1000 neue Arbeitsplätze schaffen

          Eine im Auftrag des bayrischen Umweltministeriums erstellte Studie der Universität Würzburg kommt zu dem Ergebnis, dass die strukturschwache und von Bevölkerungsverlust bedrohte Rhön-Region von der Ausweisung eines Nationalparks wirtschaftlich und touristisch profitieren würde. Bis zum Jahr 2050 seien mehr als 1000 neue Arbeitsplätze und ein Zusatzeinkommen von 27,5 Millionen Euro zu erhoffen. Zudem müsste eine Nationalparkverwaltung geschaffen werden, für die das bayrische Umweltministerium 100 Beschäftigte und ein Budget von zehn Millionen Euro im Jahr vorsieht. Andererseits hat die Studie auch ergeben, dass die Holzwirtschaft in der Rhön mit einem Verlust von jährlich 2,5 Millionen Euro rechnen müsste, weil Forstflächen nicht mehr als Wirtschaftswald zur Verfügung stünden.

          In der Rhön gebe es verhältnismäßig wenig Wald, und gerade die landwirtschaftliche Nutzung, die in einem Nationalpark nicht möglich werde, mache den Reiz der dortigen Kulturlandschaft aus, argumentieren Kritiker. Die vielen Straßen und Siedlungen erschwerten zudem große zusammenhängende Schutzgebiete.

          Umweltministerin Hinz äußerte sich skeptisch

          Laut Bundesnaturschutzgesetz sind Nationalparks einheitlich zu schützende Gebiete, die „großräumig, weitgehend unzerschnitten und von besonderer Eigenart“ sind. Auch Umweltministerin Hinz hatte sich zu Beginn des Jahres noch eher skeptisch geäußert. Wegen der Besonderheit der Rhön als Kulturlandschaft sei davon auszugehen, „dass die Voraussetzungen eines Nationalparks nicht oder nicht in vollem Umfang erfüllt wären“, hieß es damals in ihrer Antwort auf eine parlamentarische Anfrage der SPD-Landtagsfraktion.

          Aus Sicht von Umweltschützern böte jedoch gerade eine bayrisch-hessische Lösung die Chance, in dem Nationalpark sehr viel mehr zusammenhängende Flächen zu schaffen. Schon bestehende „Urwald-Inseln“ im 240 000 Hektar großen Biosphärenreservat Rhön könnten durch einen Flächenaustausch miteinander verbunden werden, argumentierte der Bund Naturschutz jüngst. Dazu müssten lediglich einige Kommunen ihre Waldflächen gegen Flächen gegen Staatswaldflächen eintauschen.

          Der überwiegende Teil des Mittelgebirges im Dreiländereck von Hessen, Bayern und Thüringen ist seit 1991 Unesco-Biosphärenreservat und insofern bereits besonders geschützt. In einem Nationalpark wird die Natur weitgehend sich selbst überlassen, ein Biosphärenreservat ist eine von der Unesco initiierte Modellregion, in der exemplarisch eine nachhaltige ökologische, ökonomische und soziale Entwicklung angestrebt wird. Nationalparks haben laut Bundesnaturschutzgesetz zum Ziel, in einem überwiegenden Teil ihres Gebiets „den möglichst ungestörten Ablauf der Naturvorgänge in ihrer natürlichen Dynamik zu gewährleisten“. Nach einer Übergangszeit von maximal 30 Jahren muss ein Nationalpark eine „Wildfläche“ von 75 Prozent ausweisen, das heißt, dass dort keine wirtschaftliche Nutzung oder steuernde Eingriffe in die Natur stattfinden.

          Die Rhön ist reich an Pflanzen, bietet Bergwiesen, Hochmoore, Sümpfe und Felsformationen mit seltenen Flechten, Feuersalamandern und vielen Vogelarten. Die Kernflächen des Biosphärenreservats Rhön, die von der forstwirtschaftlichen Nutzung ausgenommen sind, bieten einen wichtigen Lebensraum für seltene und vom Aussterben bedrohte Tier- und Pflanzenarten. Für bis zu 2000 Hektar, die auf hessischer Seite für einen Nationalpark benötigt würden, sind nicht zuletzt Teile des hessisch-bayrischen Truppenübungsplatzes Wildflecken im Gespräch, der allerdings weiterhin von der Bundeswehr genutzt wird.

          Quelle: F.A.Z.

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