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Rheininsel Mariannenaue Wo seltene Vögel rasten und brüten

 ·  Vor genau 40 Jahren wurde die Rheininsel Mariannenaue zum Naturschutzgebiet deklariert. Sie ist Überwinterungsquartier und Brutstätte für zahlreiche Vogelarten.

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Die größte Insel im Rhein, die Mariannenaue vor dem Eltviller Ortsteil Erbach, ist seit 40 Jahren ein bedeutendes Naturschutzgebiet. Das Regierungspräsidium Darmstadt erinnert jetzt daran, dass die langgestreckte Insel per Verordnung zum 1. Januar 1973 offiziell zum Naturschutzgebiet erklärt wurde. Die Mariannenaue ist aus Kalksteinsablagerungen entstanden, die vor Jahrtausenden aus den bayrischen Alpen bis in den Mittelrhein geschwemmt wurden. Gemäß Verordnung hat das Naturschutzgebiet eine Größe von knapp 200 Hektar, wobei die Landfläche weniger als die Hälfte dieses Gebiets einnimmt, denn die Stillwasserzonen rund um die Ufer der Insel sind die besonders sensiblen Lebensräume.

Ziel der Unterschutzstellung war die Erhaltung und Sicherung der Rheininsel mit den umgebenden Stillwasserzonen als Teil des länderübergreifenden Europareservates „Rheinauen Bingen-Erbach“. Dem Reservat kommt eine große Bedeutung als international anerkanntes Rast- und Überwinterungsquartier für zahlreiche Schwimm- und Watvögel sowie als Brutgebiet verschiedener Vogelarten zu. Seit dem Jahr 2008 ist die Mariannenaue überdies integraler Teil des Vogelschutzgebiets „Inselrhein“ und gehört als FFH-Gebiet zur Natura 2000-Gebietskuklisse des Landes Hessen.

Die Rheinauen und die Nordsee

Der nördliche Oberrhein sei nicht nur eine der meist befahrenen Wasserstraßen Deutschlands, sondern durch seine Inselwelt mit ihren Auwäldern ein wichtiger Trittstein im Verlauf der westlichen europäischen Vogelzugroute. Die Region sei überdies das ganze Jahr über ein bedeutender Lebensraum und ein Brutgebiet für zahlreiche geschützte Wasservogelarten, berichtet Rolf Richter vom Regierungspräsidium Darmstadt.

Die Bedeutung der Aue als ganzjährig genutzter Lebensraum für rastende und überwinternde Vogelarten sei ein Grund dafür, dass die Mariannenaue in ein weltweites Netz von Schutzgebieten für Feuchtgebiete aufgenommen worden sei. Die so genannte Ramsar-Konvention von 1971 sei das erste internationale Übereinkommen zum Schutz von großen Feuchtgebieten. Die Bundesrepublik Deutschland habe die Konvention 1976 ratifiziert und dafür zahlreiche Gebiete gemeldet, neben den Rheinauen beispielsweise auch die großen Wattenmeerflächen der Nordsee.

Als „Ingelheimer Aue“ im Besitz von Karl dem Großen

Auf der Mariannenaue bestätigen Ornithologen regelmäßig Vorkommen von Schwarzmilan, Wespenbussard, Eisvogel, Fischadler, Singschwan, Mittelspecht, Neuntöter und Zwergsäger. Auch Hirschkäfer und Heldbock seien auf der Aue zu finden, heißt es aus Darmstadt. Feuchte Hochstaudenfluren und Auenwälder ergänzten die Vielfalt der Mariannenaue, meinen die Experten. Die Rheingauer Bürger können sich davon selbst jedoch kaum einen Überblick verschaffen, denn das Betreten der zu Schloss Reinhartshausen gehörenden und daher im Privatbesitz befindlichen Insel ist untersagt. Allerdings gibt es gelegentlich Führungen und Weinproben auf der Insel, die nach wie vor ein großer Weinberg ist.

Mit „Preußens Gloria“, einem ehemalige Lotsenboot, dauert die Fahrt auf die 84 Hektar große Insel nur wenige Minuten. Ursprünglich war sie als „Ingelheimer Aue“ im Besitz von Karl dem Großen, danach erwarben die Grafen von Westphalen im Jahr 1800 Schloss Reinhartshausen samt Insel. Aus der „Westfälischen Aue“ wurde 1902 die „Mariannenaue“ in Erinnerung an Marianne von Preußen, die das Ensemble 1855 gekauft hatte und die Erbach als Kunstsammlerin und Mäzenatin in Erinnerung ist. Ihr verdankt Erbach auch eine eindrucksvolle evangelische Kirche.

Der ungewöhnlichste Weinberg des Rheingaus

Die Insel ist bis heute der ungewöhnlichste Weinberg des Rheingaus. Bis in die sechziger Jahre des vergangenen Jahrhunderts war sie ein Bauernhof mit Viehhaltung, mit fruchtbaren Weiden und Äckern, die bei Hochwasser regelmäßig überflutet wurden. In den siebziger Jahren gewann der Weinbau an Bedeutung, verschiedene Rebsorten wurden für den Anbau auf dem kalkhaltigen Boden getestet.

1978 begann dort die erste Anpflanzung von Chardonnay in Deutschland. Sukzessive wurde die Rebfläche auf bis zu 23 Hektar erweitert. Bewährt haben sich unter dem besonderen Kleinklima vor allem die Rebsorten Chardonnay, Riesling und Weißburgunder. Zeitweise war die Insel auch Testfläche für Ökoweinbau, doch waren die Ernteeinbußen wegen des feuchten Klimas so groß, dass dieses Experiment wieder aufgegeben wurde.

Auch die „Rüdesheimer Aue“ steht unter Schutz

Die Mariannenaue ist aber nicht das einzige Schutzgebiet, das seit dem Jahresbeginn 1973 einen besonderen Status genießt. Auch die Rheininsel „Rüdesheimer Aue“ wurde damals unter Schutz gestellt. Sie entstand durch Sedimentationsprozesse im Rhein, der hier durch die Verengung am Binger Loch zurückgestaut wird. Bis Ende der sechziger Jahre des vorigen Jahrhunderts wurde die Insel landwirtschaftlich genutzt.

Mittlerweile liegen diese Flächen brach. Die Insel wird heute durch Weich- und Hartholzauenwälder geprägt, die von der Hochwasserdynamik des Rheins abhängig sind. Zusammen mit den weiteren Rheininseln bildet sie ein zusammengehörendes Überwinterungs- und Durchzugsgebiet für viele Wasservögel. Sie ist gleich vierfach geschützt, als Naturschutz-, FFH-, Vogelschutz- und Ramsar-Gebiet.

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