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Rheingauer CDU Seyffardt muss wieder zurück ins Glied

Eine Kampfabstimmung in Rheingauer CDU hat über die Landtagskandidatur entschieden: Peter Seyffardts erste Wahlperiode als Landtagsabgeordneter wird auch seine letzte sein.

© Röth, Frank Vergrößern Keine Kandidatur: Peter Seyffardt war für Petra Müller-Klepper in den Landtag eingezogen.

Seine erste Wahlperiode als Landtagsabgeordneter ist auch schon seine letzte. Die Rheingauer CDU hat dem Martinsthaler Winzer Peter Seyffardt die Rückkehr in den Landtag verweigert und statt dessen die Staatssekretärin im Sozialministerium, Petra Müller-Klepper aus Oestrich-Winkel, für das als sicher geltende Direktmandat im Wahlkreis 28 nominiert. Die Delegierten folgten mit großer Mehrheit der Empfehlung des CDU-Kreisvorstands. Im Dorfgemeinschaftshaus von Geisenheim-Stephanshausen stimmten 75 Delegierte für die 55Jahre alte Journalistin, 23 votierten für Seyffardt. Damit hatte Seyffardt nicht einmal die 28Delegierten aus Eltville geschlossen hinter sich.

Oliver Bock Folgen:

Es war die erste Kampfabstimmung um das Landtagsmandat im Rheingau und für die Rheingauer CDU damit keineswegs „das Normalste der Welt“, als das der Kreisvorsitzende und Bundestagsabgeordnete Klaus-Peter Willsch den Wettstreit bezeichnet hatte. Willsch hatte im Sommer vergeblich versucht, eine Einigung herbeizuführen.

Mandate für Ersatzbewerber

Der heute 58 Jahre alte Seyffardt hatte sein Mandat 2009 auf dem gleichen Weg erhalten wie vier Jahre zuvor Müller-Klepper: als Ersatzbewerber. Der Hallgartenerin war das Rheingauer Mandat Ende 2005 kampflos zugefallen, als der langjährige Abgeordnete Franz-Josef Jung überraschend in den Bundestag wechselte. Müller-Klepper, die das Mandat 2008 und 2009 jeweils direkt holte, musste es nach ihrem Eintritt als Staatssekretärin in die Landesregierung niederlegen und es Seyffardt überlassen, der es inzwischen länger innehat als Müller-Klepper. Nach Ansicht der CDU-Führung und der Delegierten hatte der Winzer damit aber nicht den Anspruch von Müller-Klepper erworben.

Müller-Klepper hatte sich vor der Nominierung zudem mit einem weiteren Anwärter, dem Wissenschafts-Staatssekretär Ingmar Jung aus Eltville-Erbach, verständigt. Jung griff in den Zweikampf nicht ein, sondern begnügte sich mit der Ersatzkandidatur hinter Müller-Klepper. Diese wird ihn aber zumindest nach der Wahl im September kaum in den Landtag führen, denn Müller-Klepper versicherte vor den Delegierten, dass sie ihr Mandat in keinem Fall noch einmal niederlegen werde. Als Staatssekretärin steht sie einer künftigen Landesregierung damit nicht mehr zur Verfügung.

Kein Rückschlag in Jungs Karriere

Jung, der 32 Jahre alte Neffe des früheren Rheingauer Landtagsabgeordneten und Verteidigungsministers Jung, kann gleichwohl fest darauf hoffen, dass seine politische Karriere in Hessen weitergehen wird. Ministerpräsident und CDU-Landeschef Volker Bouffier hat Jung, der auch Landesvorsitzender der Jungen Union ist, erst kürzlich zum Leiter einer Programmkommission für die Landtagswahl ernannt, die Denkanstöße von Bürgern und Mitgliedern bewerten und entscheiden soll, ob sie ins Wahlprogramm einfließen können. Dass der Landesvorsitzende der Jungen Union der Landesvorsitzenden der Frauen Union das Mandat jetzt nicht ebenfalls streitig gemacht hat, dürfte seiner Karriere also keineswegs hinderlich sein.

Vor der unausweichlichen Kampfstimmung ersparten sich die Delegierten nach unmissverständlichen Hinweisen der Parteiführung eine Personaldebatte, um keine Gräben aufzureißen. Müller-Klepper war eingangs vom Oestrich-Winkeler Bürgermeister Paul Weimann den Delegierten als „zuverlässig, glaubwürdig, präsent, verlässlich und fleißig“ ans Herz gelegt worden. Der Eltviller Bürgermeister Patrick Kunkel lobte hingegen das Engagement und die Kompetenzen von Seyffardt.

Schon die Intensität des Beifalls ließ allerdings frühzeitig die Stärkeverhältnisse in den für die Fastnachtskampagne bunt geschmückten Saal erkennen. Bei den Delegierten verfingen auch Kunkels Hinweise nicht, dass bei der Online-Umfrage einer lokalen Wochenzeitung, an der immerhin fast 2600 Bürger teilnahmen, mehr als 55 Prozent für Seyffardt als künftigen Landtagsabgeordneten gestimmt hatten.

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Quelle: F.A.Z.

 
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