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Rheingau-Taunus-Kreis : Windräder weiter heftig umstritten

Viele sind es nicht: Windräder in Heidenrod-Kemel. Bild: Rosenkranz, Henner

Noch spielen Windräder bei der Stromerzeugung im Rheingau-Taunus-Kreis keine große Rolle. Das könnte sich bald ändern. Doch nicht nur die Oestrich-Winkler CDU leistet Widerstand.

          Noch spielen Windräder bei der Erzeugung von Strom aus erneuerbaren Energien im Rheingau-Taunus-Kreis nicht die bestimmende große Rolle. Nur sechs Rotoren drehen sich derzeit in Heidenrod und Hohenstein. Das sind sogar weniger als bislang, weil die bisherige Zahl von sieben Rotoren bei Heidenrod-Kemel im Zuge des „Repowering“ bestehender Anlagen auf drei verringert worden ist. In Kürze kommen noch zwei weitere hinzu. Der Leiter des Kompetenzzentrums für erneuerbare Energien (KEE), Manfred Vogel, geht aber davon aus, dass in absehbarer Zeit die Nutzung der Windenergie stark an Boden gewinnt und viele neue Rotoren aufgestellt werden.

          Oliver Bock

          Korrespondent der Rhein-Main-Zeitung für den Rheingau-Taunus-Kreis.

          Heidenrod sucht gerade Partner für die Entwicklung neuer Windparks, Aarbergen plant in Kooperation mit der Nachbargemeinde Hünfeld mehrere Rotoren, Taunusstein will schon bald in Kooperation mit Wiesbaden Windräder auf dem Taunuskamm aufstellen. In Hohenstein sollen sich bald sechs Windräder drehen und mehr Strom liefern, als die Gemeinde selbst verbraucht. Bei Geisenheim-Stephanshausen sind zehn Windräder geplant. Wenn sie in Betrieb gehen, decken sie rechnerisch nicht nur den Geisenheimer Strombedarf von rund 40 Millionen Kilowattstunden, sondern erzeugen sogar 20 Millionen Kilowattstunden „Überschuss“.

          CDU in Oestrich Winkel: „Windindustrieanlagen“ verhindern

          Der Landkreis könnte 100 Prozent seines Strombedarfs aus Windkraft decken, sagt Vogel, doch dazu wären 100 bis 110 Rotoren notwendig, und das sei dann eine Frage des politischen Willens und der Akzeptanz in der Bürgerschaft. Die ist in Heidenrod, Aarbergen und Taunusstein groß, im Rheingau bislang aber eher gering. An die Spitze der erbitterten Gegner von Windrädern im Rheingauer Wald hat sich jetzt die Oestrich-Winkeler CDU gestellt, die konsequent von „Windindustrieanlagen“ spricht, die es zu verhindern gelte.

          Am vergangenen Wochenende hat die CDU eine Unterschriftenaktion gestartet, die sich gegen Rotoren bei Hallgarten wendet. Genau dort aber liegt die „Kalte Herberge“, die nach der Windpotentialkarte des Landes Hessen für die Nutzung der Windenergie geradezu prädestiniert ist. Die neue rot-grüne Mehrheit in der Stadtverordnetenversammlung ist auch gewillt, dieses Potential zu nutzen, doch weil in der größten Weinbaukommune des Landes Hessen gerade der Bürgermeisterwahlkampf mit großer Heftigkeit eingesetzt hat, setzt die CDU auf öffentlichen Protest gegen Windräder im Wald.

          Waldstandorten sind für Windräder besonders geeignet

          Zu den ersten Unterstützern der CDU-Aktion gehörten die Staatssekretärin im hessischen Sozialministerium, Petra Müller-Klepper, und Bürgermeister Paul Weimann (beide CDU). Die CDU fordert, den Bürgerwillen zu respektieren. Ob der tatsächliche Bürgerwille noch in einem Bürgerbegehren ermittelt wird, ist bislang nicht absehbar. Nach Ansicht der CDU Oestrich-Winkel könnten aber in Heidenrod so viele Windräder aufgestellt werden, dass dort „der gesamten Rheingau-Taunus-Kreis befriedigt“ werden könnte. Dann könne Oestrich-Winkel davon verschont bleiben.

          Vogel hat für diese abwehrende Haltung wenig Verständnis. Er sieht in Hessen bei der Windkraft einen großen Nachholbedarf und mahnt mehr „gesellschaftliche Verantwortung“ bei der Energieerzeugung an. Waldstandorte seien für die Aufstellung von Windrädern besonders geeignet, und neue Rotoren von 125 Meter Länge könnten auch bei schwachen Windverhältnissen gute Stromerträge liefern. Vogel hält ein Plädoyer für dezentrale, ortsnahe Windenergieanlagen, weil die Strompreisvergütung geringer sei als für Anlagen auf dem Meer und weil mit ihnen Bürgerbeteiligung und regionale Wertschöpfung möglich seien. Es sei sinnvoll, den Strom da zu erzeugen, wo er auch verbraucht werde und wo ein aufwendiger Netzausbau erst gar nicht notwendig sei.

          „Solarstadt“ Geisenheim im Mittelfeld

          Noch allerdings spielt die Windkraft im Rheingau-Taunus-Kreis nicht die dominierende Rolle. Die gesamte installierte Leistung lag im vergangenen Jahr noch bei 6,1 Megawatt, die Jahresstromproduktion erreichte nur 7200 Megawattstunden. Durch das Repowering des Windparks bei Kemel mit der Aufstellung von insgesamt fünf hochmodernen Rotoren steigt die Leistung bis zum Jahresende aber auf 13,6 Megawatt, die Jahresstromproduktion erreicht 30 000 Megawattstunden und überholt erstmals die Solarstrommenge.

          Solarstrom hat derzeit einen Anteil von 20 000 Megawattstunden (rund drei Prozent) am jährlichen Gesamtstromverbrauch von 665 000 Megawattstunden. Der Strom wiederum hat nur einen Anteil von 15 Prozent am Gesamtenergieverbrauch im Kreis. Bei der installierten Solarstromleistung liegt Heidenrod im Rheingau-Taunus klar vor Hohenstein, Hünstetten, Rüdesheim, Taunusstein und Aarbergen. Die selbsternannte „Solarstadt“ Geisenheim rangiert im Mittelfeld, weil dort keine großen Anlagen installiert worden sind.

          Vogel: Preisanstieg nicht dramatisieren

          Vogel warnt davor, in der aufgekommenen Diskussion über die Subventionierung der erneuerbaren Energien den Preisanstieg zu dramatisieren. Ihr weiterer Ausbau müsse nicht ausgebremst, sondern im Gegenteil forciert werden. Es sei keineswegs notwendig, die regionale Nutzung der Windenergie einzudämmen. Auch wenn die Windkraft günstiger und effizienter als die Solarenergie ist, schätzt Vogel die dezentrale Installation von Solarmodulen. Er geht sogar davon aus, dass in zehn Jahren auf den meisten Hausdächern solche Module installiert sind, weil die Preise weiter stark fallen werden.

          Welche Zukunft dagegen das Kompetenzzentrum für erneuerbare Energien hat, ist ungewiss. Im nächsten Jahr läuft die Anschubfinanzierung des Kreises von jährlich 75 000 Euro aus. Die Zahl der Mitglieder hat sich längst nicht so entwickelt wie erhofft, so dass aus ihren Beiträgen allein das KEE nicht aufrechterhalten werden kann. Im Landkreis wird deshalb 2013 eine politische Entscheidung notwendig werden, wie es mit der Finanzierung des Zentrums weitergehen soll.

          Quelle: F.A.Z.

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