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Sieg der Windkraftgegner : Vom Rheingau lernen, heißt Rotoren stoppen

Ein Argument der Windkraftgegner: Das Unesco-Welterbe soll nicht gefährdet werden. Bild: Wonge Bergmann

Die Weinregion bleibt vorerst frei von Windrädern. Wie hat sie das nur geschafft? Die Widerständler ziehen ihre Bilanz des Abwehrkampfes, und sie geben Tipps für einen dauerhaften Erfolg.

          Wirtschaftsminister Tarek Al-Wazir (Die Grünen) hält den weiteren Ausbau der Windenergie im Land für dringend geboten. Im Rheingau allerdings, auf dessen Höhenzügen der Wind durchaus kräftig weht, wird der Minister auf absehbare Zeit keine Rotoren in die Höhe wachsen sehen. Für die Windkraftgegner ein Erfolg, den sich die Initiative Pro Kulturland Rheingau zu einem bedeutenden Teil an ihr Revers heften kann. Ein Erfolg, der zunächst keineswegs absehbar war. Doch in Eltville und Oestrich-Winkel gab es Bürgerentscheide mit jeweils eindeutiger Mehrheit gegen Windräder. In Walluf, Kiedrich und Rüdesheim war die jeweilige Mehrheit der Kommunalpolitiker von vorneherein dagegen, Wald für Rotoren zu opfern, oder sie scheuten den absehbaren emotionalen und heftigen Streit, der einen tiefen Riss durch die Bürgerschaft zu Folge gehabt hätte. Zu beobachten war dieser Riss in Geisenheim und – weniger stark – in Lorch, wo die Kommunalparlamente zunächst den Weg für Windparks geebnet hatten. Dort konzentrierte die Bürgerinitiative auch ihre Anstrengungen. Am Ende scheiterten beide Vorhaben, und als ein Nachzügler die Windkraftpläne in Geisenheim neu aufnehmen wollte, war die politische Mehrheit so eindeutig gekippt, dass nicht mehr lange diskutiert wurde.

          Oliver Bock

          Korrespondent der Rhein-Main-Zeitung für den Rheingau-Taunus-Kreis und für Wiesbaden.

          Fünf Jahre hat der Abwehrkampf gedauert, und die Bürgerinitiative hat ihre Bilanz in einer 30 Seiten starken Broschüre zusammengefasst, die vergleichbaren Bündnissen Mut geben sollen. Der freie Autor Georg Etscheit, der aus dem Rheingau stammt, hat den Widerstand journalistisch aufbereitet. Beginnend mit den ersten Treffen, nachdem der Landkreis einen Masterplan Erneuerbare Energien auf den Weg gebracht hatte. Dessen Autoren rechneten den Kreispolitikern vor, dass zum Erreichen der politisch gesetzten – und inzwischen revidierten – Klimaziele bis zum Jahr 2020 die Aufstellung von 120 Windrädern in Rheingau und Untertaunus notwendig wäre.

          Viele Initiativen scheitern an Unerfahrenheit

          Für knapp ein Dutzend Bürger ein Alarmsignal, auch wenn sich die Kreispolitik nie das konkrete Ziel zu eigen gemacht hatte, tatsächlich diese Zahl an Rotoren aufzustellen. Doch auch mit viel weniger war die Bürgerinitiative nicht zufrieden. Die tausendjährige Kulturlandschaft Rheingau sollte frei von Windrädern bleiben. Und die Widerständler hatten ein Vorbild: die erfolgreiche Verhinderung der Verschandelung der Eltviller Promenade durch den Bau einer Rheinuferstraße vierzig Jahre zuvor. Eine der ersten Bürgerinitiativen Deutschlands rettete Eltville damals seinen Charme.

          Das war der Maßstab für den harten Kern der Widerständler, der vornehmlich aus einer Gruppe älterer Herren bestand: gut vernetzt, beruflich erfahren und gewillt, ihre Talente einzusetzen und gegebenenfalls auch Geld in die Hand zu nehmen. „Viele Bürgerinitiativen scheitern nicht an mangelnder Unterstützung, Zuspruch oder Geld. Sie scheitern an ihrer Unerfahrenheit, sich richtig und effizient zu organisieren, strategisch zu handeln, und an mangelnder Eigendisziplin“, schreibt Vorstandsmitglied und Unternehmensberater Hans-Jürgen Lange in der Bilanz.

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