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Rhein-Main Maikäfer schwärmen wieder aus

 ·  Rund um Hanau sind unzählige Maikäfer derzeit in Massen auf Hochzeitsflügen unterwegs. Viele finden bei Kollisionen mit Autos den Tod. Die Nachkommen aber werden dem Wald weiter schaden.

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Autofahrer, die in diesen Tagen während der abendlichen Dämmerung über die B 8 von Hanau nach Kahl fahren oder auf der Autobahn die hessisch-bayerische Landesgrenze überqueren, können einen ziemlichen Schrecken bekommen. In dieser Zeit steigen die in den vergangenen Tagen massenweise geschlüpften Maikäfer in Schwärmen in die Lüfte und überqueren in geringen Höhen auch die Fahrbahnen, wo viele von ihnen mit einem lauten Klatschen den Tod an einer Windschutzscheibe finden. Die warmen Temperaturen machen die Käfer richtig munter, so dass sie nicht nur in den Abendstunden den Menschen in der Nähe der Waldgebiete um die Ohren brummen.

Lange Zeit waren die Wald-Maikäfer fast von der Bildfläche verschwunden. Doch seit Anfang der achtziger Jahre begannen sie sich wieder stark in Südhessen zu verbreiten. Eine allmähliche Massenvermehrung kommt nach den Worten von Christian Schäfer, Leiter des Forstamtes Hanau-Wolfgang, in Zyklen von 30 bis 40 Jahren vor. Derzeit sei ein Höhepunkt erreicht, aber ein natürlicher Zusammenbruch der Population, wie er auch immer wieder vorkomme, noch nicht absehbar.

72 Maikäferlarven pro Quadratmeter

In diesem Jahr sind die Wälder rund um Hanau besonders stark betroffen. Bei Untersuchungen registrierte die Nordwestdeutsche Forstliche Versuchsanstalt im vergangenen Jahr an manchen Stellen 72 Maikäferlarven pro Quadratmeter Boden. Kritisch für die Waldbäume wird es laut Petra Westphal, Pressesprecherin von Hessen-Forst, schon bei drei Engerlingen pro Quadratmeter. Vier Jahre lang bleiben die Käfer als Larve im Boden, dann verpuppen sie sich und krabbeln - wie in diesem Jahr - massenweise ans Tageslicht.

In den Wäldern rund um Hanau finden sie ihre Leibspeise: Eichenblätter. Damit fressen sie sich satt, um Kraft zu sammeln für die Paarung. Die derzeit zu beobachtenden abendlichen Schwarmflüge sind eine Art Hochzeitsflüge, bei denen die Paare zusammenfinden. Zweimal kann ein Weibchen in den vier bis sechs Wochen seines Daseins als Käfer begattet werden, pro Eiablage setzt es 50 bis 60 Eier vorzugsweise in lockere, sandige Böden.

Die Fressattacken der Maikäfer führen zu lichten Baumkronen. Diese beunruhigen zwar manchen Waldspaziergänger, bereiten Forstamtsleiter Schäfer aber kein Kopfzerbrechen. Den Maikäferfraß könnten die Bäume gut verkraften, sagt er. Sie trieben einfach ein zweites Mal aus, wenn die Käfer verschwunden seien. Gravierendere Schäden richten dagegen die Engerlinge an. Als kleine Larven begnügen sie sich noch mit den Wurzeln der Gräser. Doch schon in ihrem zweiten Lebensjahr machen sie sich über die Wurzeln der jungen Bäume her. Die Maikäfer, die derzeit durch die Gegend schwirren, haben nach Angaben Schäfers die Wurzeln junger Buchen und Eichen auf einer Fläche von 15 Hektar vernichtet. Im nächsten Frühjahr werden die jetzt gelegten Engerlinge dieses Werk fortsetzen. Da macht es für den Forstamtsleiter wenig Sinn, diese Baumarten als teures Engerlingfutter wieder nachzupflanzen. So gehe langfristig der Weg zurück zur Nadelwald-Monokultur. Stabile Mischwälder könnten in 20 Jahren bei Hanau der Vergangenheit angehören mit negativen Folgen für die gesamte Waldwirtschaft.

Helfen könnte vielleicht ein Pilz

Angesichts der enormen Schäden hätte Schäfer den Gifteinsatz während des Maikäferflugs befürwortet. Auf rund 1000 Hektar des Staatswalds wäre das Mittel ausgebracht worden. Schäfer hat aber auch Verständnis für die Entscheidung des hessischen Umweltministeriums vom Januar, auf den Einsatz des Giftes Dimethoat zu verzichten. Zu viele Waldbesitzer der Region, darunter die Stadt Hanau, der Main-Kinzig-Kreis und mehrere private sowie kommunale Waldbesitzer, hätten sich gegen den Gifteinsatz ausgesprochen. Wenn aber zu viele Areale ausgespart würden, wäre der Chemieangriff auf die Insekten kaum wirksam gewesen.

Ein für die Natur sonst nicht schädliches Mittel gegen die Maikäfer sei nicht in Sicht. Helfen könnte vielleicht ein Pilz, für den es aber keinen geeigneten Trägerstoff gebe, um die Maikäfer langfristig zu kontaminieren. Die Kosten für entsprechende Forschungen seien wohl zu hoch, als dass sie in absehbarer Zeit angepackt würden.

Im Hanauer Wald werden die Maikäfer in etwa zwei Wochen von der Bildfläche verschwunden sein, denn dann ist ihre Lebenszeit abgelaufen. Aber im Boden wächst dann die nächste Population auf Kosten der Bäume heran.

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Korrespondentin der Rhein-Main-Zeitung für den Main-Kinzig-Kreis.

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