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Rhein-Main-Gebiet Kommunen bauen mehr Sozialwohnungen

Das Gros der geförderten Wohnungen in Hessen entsteht in Frankfurt. Aber die Stadt will die Last nicht allein schultern. Weil immer mehr Bindungen auslaufen, engagieren sich auch andere Städte.

© Bergmann, Wonge Vergrößern Dicht an dicht: Sozialwohnungen am Frankfurter Mainfeld.

Einzelne Kommunen und Kreise in der Region wollen wieder mehr Sozialwohnungen bauen. Offenbach, Darmstadt, der Rheingau-Taunus-Kreis und auch Bad Homburg haben angekündigt, stärker in den sozialen Wohnungsbau investieren zu wollen. Sie reagieren damit auf die Tatsache, dass immer mehr Wohnungen aus der Bindung fallen. Derzeit sind es besonders viele, denn in den sechziger und siebziger Jahren entstanden besonders viele Sozialwohnungen, deren Bindung nach den damals gängigen Fristen nun endet.

Während in Hessen im Jahr 1990 noch 8,6 Prozent des Wohnungsbestands einer Sozialbindung unterlagen, waren es 2009 nur noch 4,6 Prozent; zum Jahresende 2009 waren dies insgesamt 132.000 Wohnungen. Für 48.500 dieser Wohnungen wird die Bindung bis 2025 auslaufen. Ende 2011 standen schon nur noch 123.000 Sozialwohnungen zur Verfügung. In Frankfurt verlieren jährlich rund 800 Wohnungen ihren Status, im vergangenen Jahr kamen immerhin 730, in den beiden Vorjahren 369 und 211 geförderte Wohnungen hinzu. In Bad Homburg ging der Bestand innerhalb von zehn Jahren von knapp 2000 auf 1372 Sozialwohnungen zurück. In Darmstadt bietet sich ein ähnliches Bild: Dort unterliegen rund 5400 Unterkünfte der Sozialbindung, bis 2025 fallen 1300 davon aus der Bindung.

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Frankfurt beantragt auch die meisten Mittel

Die Nachfrage nach Sozialwohnungen in Hessen konzentriert sich auf den Regierungsbezirk Darmstadt, in Nord- und Mittelhessen gibt es kaum noch Bedarf. 2011 förderte die Landesregierung den Neubau von 565 Wohnungen, 240 bestehende Sozialwohnungen wurden modernisiert. Nach wie vor entsteht das Gros der geförderten Mietwohnungen für Einkommensschwache in Frankfurt. Zwischen 2010 und 2012 sind in Frankfurt 1198 neue Sozialwohnungen bewilligt worden, mit Ausnahme von Darmstadt (308) und Wiesbaden (204) kamen im Umland in diesem Zeitraum kaum welche hinzu.

Mit rund 25 Millionen beantragte Frankfurt auch mehr als die Hälfte der 46,5 Millionen Euro, die die Wirtschafts- und Infrastrukturbank Hessen (Wibank) im Auftrag der Landesregierung im Jahr 2011 für den Neubau und die Modernisierung von Sozialwohnungen zur Verfügung stellte. Es folgen Wiesbaden mit 6,4, Groß-Gerau mit 3,7, Offenbach mit zwei und Darmstadt mit 1,2 Millionen Euro. Der Hochtaunuskreis, der Rheingau-Taunus-Kreis und der Wetteraukreis stellten keine Anträge.

In Bad Homburg standen lange kaum Freiflächen zur Verfügung

Das soll sich ändern: Im Rheingau-Taunus-Kreis plant man Neubauprojekte in Taunusstein, Idstein und Niedernhausen, also in Kommunen mit S-Bahn-Anschluss. Allerdings ist der Bedarf niedriger als in der Großstadt: „Im Umland braucht man ein Auto. Die Klientel zieht eher in die Großstadt“, sagt Ditmar Joest, Geschäftsführer der Kommunale Wohnungsbau GmbH Rheingau Taunus. In ländlichen Regionen stünden Sozialwohnungen sogar leer. Außerdem könne man sich auch wegen des Haushaltsdefizits nicht im gewünschten Umfang engagieren, sagt der Kreissprecher.

In Bad Homburg sollen ebenfalls mehr Sozialwohnungen entstehen. Weil 20 Jahre lang Bebauungspläne für neue Wohngebiete fehlten, standen kaum Freiflächen zur Verfügung. Auf den neuen Flächen plane man aber auch Wohnungen für Förderberechtigte, sagte der Pressesprecher. Auch in Hofheim im Main-Taunus-Kreis gibt es kaum Platz für neue Wohnungen, dennoch sind 39 neue Sozialwohnungen geplant. Der Prokurist der Hofheimer Wohnungsbau GmbH, Norman Diehl, gibt aber zu bedenken: „Hinter dem Feldberg sieht die Welt schon anders aus.“ Nach mehr als einem Jahrzehnt will auch Offenbach wieder den sozialen Wohnungsbau ankurbeln. Hieß es damals, Sozialfälle habe man schon genug, will die Kommune nun jährlich 30 neue Sozialwohnungen bauen. Darmstadt hat angekündigt, jährlich hundert neue Sozialwohnungen errichten zu wollen.

Gefördert wird mit zinsgünstigen Darlehen

In Frankfurt sah man die Zurückhaltung der umliegenden Kommunen zuletzt mit Sorge. „Andere Kommunen haben sich aus dem sozialen Wohnungsbau weitgehend verabschiedet. Ich wünsche mir, dass sie sich in der Pflicht fühlen und wir das Problem gemeinsam lösen“, sagt der Geschäftsführer der städtischen Wohnungsbaugesellschaft Frank Junker. Von den 50.000 Wohnungen der ABG sind etwa 20.000 Sozialwohnungen. Durch den Neubau entstehen einer Kommune Kosten: Jede geförderte Wohnung muss die Stadt mit mindestens 10 000 Euro mitfinanzieren. Außerdem zieht die Stadt mit den Sozialwohnungen auch die entsprechende Klientel an. „Der Großteil der Klientel wird in Frankfurt versorgt“, sagt Junker.

Die Förderung erfolgt in Form von zinsgünstigen Darlehen. Waren die Wohnungen früher zum Teil 40 Jahre in der Bindung, sind die Fristen heute deutlich kürzer: Eine Landesrichtlinie begrenzt die Mietzeitbindung auf 20 Jahre. In der Regel werden im Auftrag der Kommunen die öffentlichen Baugesellschaften tätig. Junker zufolge hat die ABG im vergangenen Jahr 470 geförderte Wohnungen errichtet. In Frankfurt engagiert sich zudem das Unternehmen Sahle Wohnen als privater Bauherr in großem Umfang im sozialen Wohnungsbau. Dessen Geschäftsführer Eckart Vogler kritisiert die ABG: „Sie macht zu wenig, frei finanzierter Wohnungsbau ist offenbar lukrativer.“ Sein Unternehmen hat den geförderten Wohnungsbau nicht nur aus sozialer Verpflichtung zum Geschäftsmodell gemacht: Er sei nicht konjunkturabhängig und werfe eine kalkulierbare Rendite ab.

Quelle: F.A.Z.

 
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