13.01.2012 · Die Wechseljahre als Revue-Thema: Im Frankfurter Rémond-Theater erleben vier Frauen „Heiße Zeiten“.
Von Claudia Schülke, FrankfurtUnter Flugangst leiden sie nicht, aber unter ihren Hormonen. Und unter den Männern. Wenn vier Frauen auf ihren verspäteten Abflug nach New York warten und Werbedurchsagen zum Thema Anti-Aging über sich ergehen lassen müssen, stellt sich Thema Nummer eins ganz von selbst ein. Die Hausfrau (55), die zum ersten Mal fliegt, sorgt sich um ihren Gatten, der kein Hausmann ist. Die Vornehme (57) bangt um ihren Vater, der aus seiner luxuriösen Seniorenresidenz ausgebüxt ist. Die Junge (42) will ihren zeugungsunfähigen Dauerverlobten mit einer In-vitro-Fertilisation überraschen, bevor es zu spät ist. Die Karrierefrau (54) wird mit dem Kerl in sich selbst nicht fertig, der von einem One-Night-Stand zum nächsten hüpft. Wer hat Angst vor den Wechseljahren? Jedenfalls keine der vier. Im Gegenteil: „Ich freu mich auf die Wechseljahre“, kräht die Hausfrau und sagt sich: „Eine süße Zeit, die mich befreit.“
Ein Irrtum, den der Hamburger Theatertausendsassa Tilmann von Blomberg mit Humor nimmt. Unter dem Titel „Heiße Zeiten. Wechseljahre“ hat Katja Wolff das „Hormonical“ für die Konzertdirektion Landgraf GmbH inszeniert. Als Koproduktion ist die Revue jetzt im Fritz-Rémond-Theater im Zoo zu sehen: ein heiterer Abend mit gelegentlichen Längen, aber mit durchschlagenden Stimmen und gnadenlos komisch. Die Schauspielerinnen und Sängerinnen führen erfolgreich den Beweis für ihre Behauptung, Frauen seien „das stärkere Geschlecht“.
Das gigantische Bühnenbild von Susanne Füller erschlägt den Zuschauer beinahe: Hinter dem Counter einer gläsernen Abflughalle gibt das instrumentale Bodenpersonal unter der musikalischen Leitung von Maria Baptist am Keyboard sein Bestes: Katrin Schüler-Springorum mit der Gitarre, Maike Scheel mit dem E-Bass und Karoline Körbel am Schlagzeug. Bärbel Arenz hat Evergreens, Popsongs, aber auch Rap mit neuen deutschen Texten unterlegt, Carsten Gerlitz hat sie arrangiert. Die singenden Schauspielerinnen rücken fünf orangefarbene Sitze von einer Ecke in die andere, schon um sich Platz zu schaffen für ihre musikalischen Ensemble- und Solo-Auftritte.
Jede ist auf ihre Art hinreißend. Aber am hinreißendsten ist die Berliner Rocksängerin und Kabarettistin Angelika Mann als Hausfrauenherz mit Schnauze. Kein Wunder, dass Generalmusikdirektor Sebastian Weigle es sich nicht nehmen ließ, diese alte Freundin aus der Ost-Berliner Rockszene zu bewundern. Mit ihr kontrastiert vor allem Inez Timmer als „die Vornehme“, die ihre „heißen Zeiten“ schon hinter sich hat, aber aller Contenance zum Trotz noch immer die Tochter eines Vaters ist, dem sie es nie recht machen konnte. Die Handy-Gespräche dieser beiden mit „Papa“ und Fritz sind entzückende Kabinettstückchen. Susanne Eisenkolb hat es schwerer als infantil-plärrende Möchtegern-Mutter. Dagmar Hurtak-Beckmann verkörpert sehr überzeugend den Typ Geschäftsfrau. Das Publikum freute sich über die Ohrwürmer und bedankte sich mit artigem Applaus.
„Heiße Zeiten“ wird bis zum 26. Februar am Fritz-Rémond-Theater gezeigt.