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Veröffentlicht: 20.01.2013, 17:00 Uhr

Reisen mit dem Bus Ziemlich günstig angekommen

Zu diesen Preisen fährt kein Zug: Die neuen Fernbusse setzen die Bahn unter Druck, aber auch andere Firmen. Eine Erkundung in der Welt des Reisens.

von , Frankfurt
© Schmitt, Tobias Klassenfahrtgefühle für jedermann: Die Nachfrage nach Fernbustickets ist gr0ß zur Zeit, was auch an den Preisen liegt, von denen Konkurrenten glauben, dass sie nicht von Dauer sein werden.

Die 18 Euro, die Pascal Faller am Morgen noch in seinem Portemonnaie fand, hat er jetzt ausgegeben: einen Euro für den Hamburger, den er in der rechten Hand hält, zwei Euro für die Rose in der linken. Die übrigen 15 Euro investiert er in die 400 Kilometer weite Fahrt zu seiner Freundin. Nach Leipzig, im Fernbus. Ein spontaner Trip, der Sehnsucht wegen. Es ist kurz vor 12 Uhr am Frankfurter Hauptbahnhof. Pascal steht mit einer Tasche Handgepäck am Südausgang, der apfelgrüne Bus am Straßenrand hat schon den Motor angelassen. Kurz steigt in ihm das ungute Gefühl von Klassenfahrt auf, mit geschmierten Broten und einer Plastiktüte für den Notfall. Dann steigt er ein. In knapp fünf Stunden soll Pascal in Leipzig sein.

Fünf Stunden Reisezeit - wenn das Schneegestöber nicht noch stärker wird und der Bus gut durch den Verkehr kommt. Für den Fall, dass die Fahrt sich länger hinziehen sollte, hat der 22 Jahre alte Architekturstudent vorgesorgt. Sobald er einen Platz am Gang gefunden hat, klappt er auf seinem Schoß den Laptop auf. Mindestens drei Seiten will er während der Fahrt für eine Hausarbeit schreiben. Die Internetverbindung im Bus ist im Fahrpreis enthalten und, wie Pascal erfreut feststellt, überraschend stabil. „Nicht wie bei der Bahn, wo man im ICE für die Verbindung zahlen muss.“ Günstiges Ticket gekauft, der Service gefällt: „Die Bahn wird ganz schön zu kämpfen haben“ angesichts der neuen Konkurrenz, glaubt der Student.

Mit dieser Vermutung ist er nicht alleine. Zwar ist der Fernbusverkehr in Deutschland erst seit drei Wochen liberalisiert. Die Erwartungen sind dafür umso größer. Mehrere, oft junge Unternehmen stehen gleichsam in den Startlöchern und wollen ihr Streckennetz nun ausbauen. Die Firmen heißen „MeinFernbus“ oder „DeinBus“. Ebenfalls im Spiel sind die etablierten Anbieter, etwa der „Berlin Linien Bus“ der Deutschen Bahn oder die Deutsche Touring, ehemals ein Tochterunternehmen der Deutschen Bahn. Alle haben schon jetzt Routen im Programm, die am Frankfurter Hauptbahnhof beginnen, was dort zu mitunter chaotischen Verhältnissen am Straßenrand und zu einer in dieser Woche wieder aufgeflammten Diskussion darüber geführt hat, ob Frankfurt nun auch einen richtigen Busbahnhof braucht. Diese Investition, ob sie die Stadt trüge oder die lokale Verkehrsgesellschaft, würde sich aber wohl nur lohnen, wenn sich die Fernbusse etablieren und Frankfurt zu einem wichtigen Knotenpunkt wird.

„Das Auto ist nicht mehr das Statussymbol schlechthin“

Davon geht Martin Lanzendorf, Professor für Mobilitätsforschung an der Universität Frankfurt, aus. Die Fernbusse seien Teil eines anhaltenden Trends. „Seit etwa zehn Jahren haben sich die Verkehrsmöglichkeiten dramatisch vervielfältigt“, sagt Lanzendorf. Er nennt Mitfahrzentralen, die entstanden sind, vor allem solche, die Mitfahrgelegenheiten im Internet vermitteln, und Car-Sharing-Systeme. Die politische Entscheidung, den Fernbusverkehr zu liberalisieren, passe in dieses Bild. Hinzu komme, dass viele, gerade Stadtbewohner, kein Auto mehr hätten. „Es ist nicht mehr das Statussymbol schlechthin“, sagt Lanzendorf. Wer von A nach B wolle, entscheide heute flexibel zwischen Fahrrad, S-Bahn oder Fahrgemeinschaft. Verkehrswissenschaftler nennen das multimodalen Verkehr. Und der Fernbus könnte in Zukunft ein Baustein in diesem System sein.

Ökologischer als das Auto ist der Fernbus allemal. Das Umweltbundesamt hat schon vor einigen Jahren untersucht, wie viel Kohlenstoffdioxid Verkehrsmittel ausstoßen. Auf Platz eins liegt demnach das Flugzeug mit 380 Gramm CO2 pro Fluggast und Kilometer. Dahinter liegen das Auto mit 150 Gramm und die Bahn mit 40 Gramm CO2. Gerade einmal halb so viel, nämlich 20 Gramm, stößt ein Fernbus aus, eine Berechnung, die Linienbetreiber gerne zitieren. Tatsächlich umweltschonend fährt aber auch der Fernbus nur, wenn er nahezu immer voll besetzt unterwegs ist.

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