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Reihe "Junge Virtuosen" und Kooperationen mit Musikhochschulen Studenten haben Heimweh

Der "Silberwald" ist beim Rheingau Musik Festival noch vergleichsweise stark mit anderen Farbtönen durchsetzt: Blickt man hier bei einem Konzert mit klassischer Musik über die Reihen hinweg, so herrschen bei den Besuchern die Haarfarben ...

Von Guido Holze

Der "Silberwald" ist beim Rheingau Musik Festival noch vergleichsweise stark mit anderen Farbtönen durchsetzt: Blickt man hier bei einem Konzert mit klassischer Musik über die Reihen hinweg, so herrschen bei den Besuchern die Haarfarben Grau und Weiß jedenfalls nicht ganz so sehr vor wie etwa bei traditionellen Abonnementreihen in der Frankfurter Alten Oper. Allein schon, indem die Sponsoren-Firmen für die von ihnen unterstützten Konzerte Karten-Kontingente für ihre Mitarbeiter erhalten, sind beim Festival auch viele Vertreter der werktätigen Generation zu sehen. Vielleicht entsteht so eine Art Mund-zu-Mund-Propaganda unter Altersgleichen, die sonst dem klassischen Konzertbetrieb eher fernbleiben, vielleicht ziehen auch die reizvolle Landschaft und das hübsche Ambiente an einigen Spielorten ein jüngeres Publikum an.

Zugleich verbindet das Festival seit langem erfolgreich Jugendarbeit und Nachwuchsförderung miteinander. Dabei geht es um die Überlegung, dass jüngere Künstler oft ein jüngeres Publikum anziehen, aber auch durchaus mit einem gewissen eigenen Nutzen für das Festival darum, junge Talente früh mit Auftrittsmöglichkeiten zu fördern und so längerfristig an das Festival zu binden. Einige Initiativen sind dabei inzwischen fest etabliert.

Zwei traditionsreiche Konzertformate sind der "Treffpunkt Jugend" und der "Klassik-Marathon". Die beiden Konzerte finden diesmal nicht wie gewohnt auf Schloss Johannisberg statt, sondern im Kurhaus Wiesbaden am 21. August um 11 Uhr ("Treffpunkt Jugend") und 19 Uhr ("Klassik-Marathon"). In diesem Jahr sind dabei: Silvia Hauer (Mezzosopran), Paolo Mendes (Horn), Kerson Leong (Violine), Leonie Dessauer (Oboe) und David Dyakov (Gitarre). Begleitet werden die jungen Künstler von den Tschechischen Kammersolisten unter der Leitung von Jakub Klecker. Karmen Mikovic moderiert diese Veranstaltungen.

Integriert sind die beiden Veranstaltungen in die übergeordnete Reihe "Junge Virtuosen", die seit vielen Jahren ein fester Bestandteil des Festivals ist. In ihr spielen in diesem Sommer der Cellist Julian Steckel (30. Juni), der Pianist Igor Levit (31. Juli), die Brüder Julian und Roman Wasserfuhr mit ihrem Jazz-Quartett (7. August), der russische Cellist Dmitri Maslennikow (18. August) und der junge russische Pianist Denis Kozhukin (25. August), der mit dem diesjährigen Lotto-Förderpreis des Rheingau Musik Festivals ausgezeichnet wird.

Darüber hinaus greift das Festival diesmal zwei Kooperationen mit Musikhochschulen auf, die in den Jahren 2007 und 2010 schon sehr erfolgreich waren. So erinnern sich manche Festivalbesucher sicher noch an die Barocknacht, die Studenten und Dozenten der Frankfurter Musikhochschule vor vier Jahren mit Darbietungen in verschiedenen Räumen des Klosters Eberbach als Wandelkonzert gestalteten und die mit einer Aufführung von Monteverdis Oper "L'Orfeo" bei leider schlechtem Wetter nicht im Kreuzgang endete, sondern in der Basilika. In diesem Jahr beschränken sich die Gäste aus Frankfurt nun allerdings nicht mehr nur auf den Barock. Vielmehr laden sie am 20. und 21. August mit jeweils gleichem Programm ins Kloster Eberbach zu einem "Wandel durch Epochen und Stile" ein - durchaus in wörtlichem Sinn, denn die Konzerte finden schon von 18 Uhr an wieder in verschiedenen Räumen des Klosters statt, in denen drei Ensembles - ein Klavierquintett, ein Streichquartett und ein Trompetentrio - ihr im Semester erarbeitetes Repertoire präsentieren. Krönender Abschluss soll die halbszenische Aufführung des Oratoriums "San Giovanni Battista" von Alessandro Stradella unter der Leitung von Michael Schneider sein.

Das Besondere an den Kooperationen mit den Musikhochschulen ist, dass die Studenten, die intern natürlich genügend Auftrittsmöglichkeiten haben, einmal unter harten, "realen" Bedingungen vor einem Festivalpublikum musizieren, das am gleichen Ort sonst Weltstars zu hören gewohnt ist. Das stelle für sie eine ganz andere Motivation dar, wie der Pianist Hartmut Höll findet, der mit seiner Liedklasse von der Karlsruher Musikhochschule am 17. Juli auf Schloss Johannisberg ein Programm zum diesjährigen Festival-Schwerpunkt "Heimweh" beisteuert.

Wie schon beim ersten Liederabend der Klasse von Höll und Mitsuko Shirai im Vorjahr werden sich die Sängerinnen und Sänger dazu wieder im Halbkreis um den Flügel plazieren. Die 16 Nachwuchskünstler wollen ein breites Panorama zum Thema entfalten, wozu der Schauspieler Norbert Beilharz Texte von Ingeborg Bachmann, Peter Härtling, Friedrich Hölderlin und anderen lesen wird.

Quelle: F.A.S.

 
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