20.01.2010 · Vor nicht gar so langer Zeit hing sein Konterfei in jeder Zweigstelle der kleinen Kreissparkasse im Rhein-Main-Gebiet. Künftig werden es Gefängniswärter sehen: Weil er Kunden um mehr als 1,7 Millionen Euro geschädigt hat, muss ein früherer Sparkassenleiter für vier Jahre und zehn Monate in Haft.
Vor nicht gar so langer Zeit hing sein Konterfei in jeder Zweigstelle der kleinen Kreissparkasse im Rhein- Main-Gebiet. In einem Geschäftsbericht der Bank hieß es, Karlheinz W. stehe für das Vertrauen, das man der Bank in Gelddingen entgegenbringen könne. Seine Empfehlungen hätten mitunter große Auswirkungen auf die persönliche Zukunft seiner Bankkunden. Diese als Werbung für die Sparkasse und ihr Personal gemeinten Sätze haben sich nun ins Gegenteil verkehrt: 26 Kunden der Filiale haben bis zu 425.000 Euro eingebüßt, der ehemalige Filialleiter wurde am Mittwoch wegen Betruges vom Landgericht Frankfurt zu vier Jahren und zehn Monaten Gefängnis verurteilt. Mit 60 Jahren erlebt er den Eintritt in den Ruhestand damit voraussichtlich in einer Gefängniszelle.
Der Bahnnkaufmann verdankt seinen beruflichen, finanziellen und persönlichen Ruin einem windigen Kunden der Zweigstelle, der zwar finanziell wenig zu bieten, dafür aber tolldreiste Geschäftsideen parat hatte. Zunächst führte er den erschreckend gutgläubigen Filialleiter mit einem Geschäft auf den Leim, bei dem angeblich ein gebrauchtes Flugzeug zu einer aufwendigen Regierungsmaschine für einen afrikanischen Staatspräsidenten umgebaut werden sollte. Als tunesischer Notar habe er beste Connections zu höchsten Regierungskreisen in Afrika, blendete er wortgewandt den naiven Provinz-Banker, der daraufhin seine Privatschatulle leerte. Fast 80.000 Euro investierte er in den Wind.
Mit Geld der ahnungslosen Kundschaft spekuliert
Statt nach diesem Misserfolg die Finger von den Geschäften des „Notars“ zu lassen, versuchte er, mit einem anderen, ebenso riskanten Geschäft das Geld wieder hereinzuholen. Die Anschubfinanzierung eines Ölprojekts im Kongo, für das ein gebrauchter Förderturm von Amerika über den Ozean nach Afrika geschippert werden sollte, konnte er jedoch nur mit dem Geld der ahnungslosen Kundschaft stemmen. Immer wieder ging der Banker die vertrauensseligen alten Leute im Ort an, über deren Bankguthaben er ja bestens Bescheid wusste.
Erst als sich ein Betrag von mehr als 1,7 Millionen angehäuft hatte und vom „Notar“, der vom Geld der Kleinanleger im arabischen Dubai in einem Luxushotel logierte, kein Cent der versprochenen Rendite gezahlt worden war, ging W. ein Licht auf. Doch da war es längst zu spät. Während der „Notar“ wegen unbezahlter Hotelrechnungen in arabische Haft kam, bastelten die Frankfurter Strafverfolger an der Anklage gegen den einstigen Vorzeige-Banker.
Nicht nur „moralische Schuld“
In seiner grenzenlosen Naivität habe er sich in ein Geschäft verwickeln lassen, das „weder rechtstechnisch noch wirtschaftlich auch nur annähernd geklärt war“, sagte Vorsitzender Richter Martin Bach in der Urteilsbegründung. Keineswegs sei es infolge der Gutgläubigkeit nur zu einer „moralischen Schuld“ gekommen, so das Gericht zum Argument des Angeklagten, sich mit keinem Cent selbst bereichert zu haben. Der Tatbestand des Betruges sei auch dann verwirklicht, wenn eine dritte Person den Gewinn einstreiche: „Sie hätten die Finger von dem Geschäft lassen müssen, dem die Unseriosität auf der Stirne geschrieben stand.“
Die zahlreichen Geschädigten hatten während des Prozesses klar gemacht, dass sie ihr ganzes Erspartes der Vertrauensseligkeit des Filialleiters opferten: „Unser Herr W. war ja der Profi, da brauchten wir uns um nichts zu kümmern.“ Der Profi wird in Kürze einen weiteren Gerichtstermin haben, wenn die Zwangsversteigerung seines Hauses auf der Tagesordnung steht. Er unterzeichnete mehrere Schuldanerkenntnisse in Millionenhöhe.
endlich mal den richtigen erwischt....
Peter Lehnen (plehnen68)
- 22.01.2010, 09:35 Uhr