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Zentralabitur Simon, du rockst es

16.03.2007 ·  Zum ersten Mal wird an hessischen Schulen das Landesabitur geschrieben. Den Anfang machten die Mathematik-Kurse. Fast genauso aufgeregt wie die Prüflinge waren Eltern und Freunde.

Von Friederike Haupt
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„Es lebe, wer sich tapfer hält.“ Tapfer müssen sie tatsächlich sein, die Schüler der Elisabethenschule, die mit diesem Plakat gegrüßt werden. Am Eingang des Schulgebäudes soll es denen Mut machen, die zur Mathematikprüfung antreten.

Für viele ist schon der Unterricht in diesem Fach kein Vergnügen, die Abiturklausur darin erst recht nicht, und am allerwenigsten das Landesabitur, das in diesem Jahr zum ersten Mal an allen Schulen in Hessen geschrieben wird. Am Freitag begann die zweiwöchige Prüfungsphase mit den Arbeiten für die Mathematikgrund- und -leistungskurse. „Simon, du rockst es“, steht auf einem anderen Plakat am Eingang der Schule, daneben „Regina wird siegen“. Ein bisschen Hoffnung muss sein.

Totenstille im Schillergymnasium

Um neun Uhr haben die Klausuren begonnen, doch vor den Schülern haben sich schon die Lehrer mit den Aufgaben beschäftigt. Am Donnerstagabend konnten die Schulleitungen die Klausuraufgaben von der Internetseite des Kultusministeriums herunterladen, eine Vorauswahl der Aufgaben wurde dann von den Fachlehrern getroffen. Wie in der Elisabethenschule herrscht auch im Schillergymnasium kurz nach neun Totenstille. Eine halbe Stunde Einlesezeit haben die Schüler, dann dürfen die Grundkursschüler drei, die Leistungskursschüler vier Stunden lang rechnen.

Laut brummt auf dem Gang der Getränkeautomat. In den Klassenzimmern aber, in denen die Klausuren geschrieben werden, ist, abgesehen vom einen oder anderen Räuspern und dem raschelnden Umblättern von Seiten, nichts zu hören. Vier Stunden lang wird hier keine Kurznachricht empfangen, kein Anruf entgegengenommen – ihre Mobiltelefone mussten die Schüler vor Prüfungsbeginn ausschalten und abgeben.

„Wie verrückt“ gelernt

Taschenrechner dagegen sind zugelassen, aber manchem helfen auch die nicht weiter. Wahrscheinlichkeitsrechnung, Analysis, Lineare Algebra und Analytische Geometrie sind die Themengebiete, die abgefragt werden. „Zur Premiere eines Films bringt eine Schokoladenfirma Überraschungseier mit Filmfiguren auf den Markt. Die Firma wirbt damit, dass sich in jedem fünften Ei eine Filmfigur befindet.“ Bei einer solchen Aufgabe müssen die Schüler unter anderem berechnen, wie hoch die Wahrscheinlichkeit ist, bei zwanzig gekauften Eiern keine einzige Filmfigur beziehungsweise höchstens zwei davon zu finden. „Da weiß ich nicht, was ich rechnen müsste“, sagt Marie Andreas.

Das muss die Architektin allerdings auch nicht, denn sie ist nur zur Elisabethenschule gekommen, um ihren Sohn Max abzuholen. Der habe den Grundkurs Mathematik belegt und fürs Abitur in den vergangenen Wochen „wie verrückt“ gelernt. Trotzdem ist seine Mutter nervös. Es sei für die Lehrer sicher schwierig, sich von ihren gewohnten Unterrichtskonzepten zu lösen und den Stoff auf einmal so zu vermitteln, dass die Schüler die landesweit einheitlichen Aufgaben bewältigen könnten. „Jetzt sind die Jugendlichen noch abhängiger von den Lehrern als vorher.

Lehrerin: Aufgaben „im Bereich des Erwarteten“

Auch Marthe sieht das Landesabitur kritisch. Sie selbst hat vor zwei Jahren ihre Abschlussprüfungen an der Elisabethenschule gemacht. „Jede Schule hat einen anderen Standard, ein unterschiedliches Konzept“, sagt sie, „es ist schwierig, das jetzt alles gleichzumachen.“ Sie hoffe nur, dass die Aufgaben beim ersten zentralen Abitur nicht „so krass“ ausfielen. Marthe ist gekommen, um Max abzuholen. „Reduce to the max“ steht auf dem Plakat an der Schultür, das zu Ehren des Prüflings aufgehängt wurde und einen gekrönten Hund auf einem Thron zeigt. Max’ Mutter und zwei Freunde haben schon unterschrieben.

Für Goele Proesmans ist das zentrale Abitur das erste, das sie als Pädagogin miterlebt. Bei den Mathematikprüfungen ist die junge Englischlehrerin für die Gangaufsicht eingeteilt. „Auch die Lehrerschaft war gespannt und aufgeregt“, berichtet sie. Die Mathematikaufgaben, habe sie heute gehört, seien „im Bereich des Erwarteten“ gewesen. Manche Kollegen befürchteten aber, dass die Aufgabenstellungen in ihren Fächern so allgemein gehalten seien, dass das Korrigieren Probleme bereiten werde.

Proesman schaut auf die Uhr: Eine Viertelstunde länger dürfen die Schüler schreiben, weil etwas verspätet begonnen wurde. Einer verlässt aber schon vorzeitig den Klassenraum: „Hundertpro null Punkte“, verkündet er missgelaunt den beiden Mädchen, die draußen auf ihn warten. Wenig später folgen seine Mitschüler. Sandra ist unzufrieden: „Wir sollten auf einmal begründen, erklären, das haben wir nicht gelernt“, sagt sie, gibt aber zu, noch nie besonders gut in Mathematik gewesen zu sein. Auch Regina ist nicht glücklich. Sie sagt, die Zeit sei zu knapp bemessen gewesen für die Menge der Aufgaben. Schließlich kommt auch Max Andreas aus dem Schulgebäude. „Wie war’s?“, fragt aufgeregt die Mutter, und sie strahlt, als der Sohn sichtlich erschöpft, aber gut gelaunt antwortet: „Einfacher als erwartet.“

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