14.07.2008 · Nach der Verurteilung wegen Leugnung des Holocausts hat der ehemalige NPD-Chef Marcel Wöll sein Mandat im Wetterauer Kreistag niedergelegt. Die bürgerlichen Parteien bezeichneten seinen Rückzug in einer gemeinsamen Erklärung als „folgerichtigen Schritt“.
Von Wolfram AhlersSein Mandat im Wetterauer Kreistag hat der ehemalige Vorsitzende der hessischen NPD, Marcel Wöll, mit sofortiger Wirkung niedergelegt. In einem Schreiben, das dem Kreistagsvorsitzenden Bernfried Wieland (CDU) vorlag, begründet Wöll seinen Schritt mit „schweren Vorwürfen gegen seine Person“.
Dabei geht es offenkundig um Wölls Verurteilung wegen Leugnung des Holocausts (siehe: Haft für Neonazi Wöll wegen Volksverhetzung). Wie berichtet, hatte das Landgericht Gießen vor gut zwei Wochen ein Urteil des Amtsgericht Friedberg vom Sommer vergangenen Jahres bestätigt und den Fünfundzwanzigjährigen zu vier Monaten Gefängnis ohne Bewährung verurteilt. In der Berufungsverhandlung sahen es auch die Gießener Richter als erwiesen an, dass Wöll während einer Kreistagssitzung im Frühjahr 2007 vom Wetteraukreis mitorganisierte Fahrten von Schüler- und Jugendgruppen nach Auschwitz und Buchenwald als „Fahrten zu Stätten der sogenannten nationalsozialistischen Terrors“ bezeichnet.
Anklage wegen gefährlicher Körperverletzung
Wöll hatte Zeugenaussagen zufolge die Streichung von Kreiszuschüssen für solche Fahrten mit der Begründung gefordert, Jugendliche würden dabei einer „Gehirnwäsche“ unterzogen. Diese Äußerungen wurden von beiden Gerichten als Leugnung des Holocausts und Verharmlosung nationalsozialistischer Greueltaten gewertet.
Wöll, der bis April dieses Jahres an der Spitze der hessischen NPD stand und Stadtverordneter in Butzbach ist, muss sich noch einem weiteren Strafprozess stellen. Er ist von der Wiesbadener Staatsanwaltschaft wegen gefährlicher Körperverletzung angeklagt. Dabei geht es um eine Auseinandersetzung, die sich im Sommer 2004 im Rheingau ereignete und bei der Wöll einen Kontrahenten mit Messerstichen verletzt haben soll.
Den Rückzug aus dem Kreistags bezeichneten Kreistagsvorsitzender Wieland, Landrat Joachim Arnold (SPD), Erster Kreisbeigeordneter Oswin Veith (CDU) sowie Kreisbeigeordneter Ottmar Lich (FWG) in einer gemeinsamen Erklärung als „folgerichtigen Schritt“. Wöll habe den Kreistag immer wieder für Agitation und fremdenfeindliche Polemiken genutzt. „Durch sein Auftreten hat er den Wetterauer Kreistag in ein schlechtes Licht gerückt und dem Wetteraukreis als Ganzes schweren Schaden zugefügt“, heißt es in der Stellungnahme des Kreistagsvorsitzenden und der hauptamtlichen Kreisausschussmitglieder. Nachrücker für Wöll ist der 22 Jahre alte stellvertretende Kreisvorsitzende der NPD, Stefan Jagsch.
Wolfram Ahlers Korrespondent der Rhein-Main-Zeitung für Mittelhessen und die Wetterau.
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